KundenfangAus eckig mach rund

Hierarchische Organigramme sind antiquierte Selbstverherrlichungsprogramme. Wo bleiben da die Kunden, um die sich schließlich alles dreht?

Betrachten wir doch mal ein übliches Organigramm: Ganz oben thront der Chef, darunter – in Kästchen eingesperrt und sauber aufgereiht – seine brave Gefolgschaft. Von Kunden keine Spur. Selbst die unmittelbaren Kundenloyalisierer, das Fußvolk der einfachen Mitarbeiter, kommt in den wenigsten Fällen vor. Es soll sogar immer noch Führungskräfte geben, die glauben, an den Rändern ihrer Organisation gäbe es kein intelligentes Leben. Genau das liest man aus antiquierten Organigrammen auch heraus.

Top-down-Organigramme sind ein reines Selbstverherrlichungsprogramm der Führungsspitze. Sie zementieren Hierarchiedenke, Starrheit und Konformität. Formal in Reih und Glied aufgestellte Mitarbeiter sind wie die Monokulturen in unseren Wäldern: ungesund und auf Dauer nicht überlebensfähig. Solche mehr oder weniger toten Ordnungssysteme haben im Sturm des neuen Internet nicht den Hauch einer Chance. Dort ist Augenhöhe gefragt und so mancher Silberrücken unter den Managern stellt erschüttert fest, dass er mit seinem Machtgehabe draußen nicht mehr punkten kann. Der Chef als Übermensch ist ein Auslaufmodell!

Wie wäre es stattdessen mit Schwarmintelligenz? Lassen Sie Ihre Leute aus den Kästchen frei und machen Sie aus eckig rund! Scharen Sie Ihre Leute um Kundengruppen und um Kundenprojekte und bilden Sie so moderne Netzwerke nach. Denn hier gibt es kein oben und unten, sondern nur „Hubs“ – Naben wie bei einem Rad, bei denen die Speichen zusammenlaufen. In Unternehmen mit überschaubaren Kundenstrukturen ist der Kunde selbst das „Hub“, um das sich die einzelnen Bereiche scharen. Auch eine Führungskraft kann sich als solches verstehen, und wertschöpfend mit anderen Hubs im Unternehmen verbunden sein.

Erfolgreiche Konzerne wie Google oder auch Gore, der Hersteller von Gore-Tex, ähneln auch offiziell den Strukturen sozialer Netzwerke und „Hubs“. In anderen Unternehmen umkreisen kleine Netzwerk-Satelliten die zentralen Einheiten des Mutterschiffs – Ausgründungen, die sich zum Beispiel um große Kundenprojekte oder um Durchbruch-Innovationen kümmern. Und wissen Sie was? Netzwerkstrukturen gibt es bereits in jedem Unternehmen. Es sind die höchst lebendigen inoffiziellen Beziehungsnetze, die wahren Machtstrukturen jeder Organisation. Dagegen ist der Papiertiger Organigramm oft nichts als ein harmloser Bettvorleger.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK