Likes & LeadsDas macht man nicht!

Eine Werbekampagne der Autovermietung Sixt zeigt, wie man mit empörten Fans nicht umgeht.

Das Facebook-Team von Sixt macht einen guten Job. Eigentlich. Ein kurzer Blick in die „Timeline“ genügt, um zu sehen: die Seite lebt, die Posts sind satirisch, provokant und bestens geeignet, geteilt zu werden. Die Fans danken es dem Unternehmen mit „Likes“ und Kommentaren. Will man bewusst polarisieren und provozieren, reißt man die Grenze des guten Geschmacks schon mal ein. Das gehört zum guten Ton des Autovermieters. Kürzlich musste Sixt jedoch zwei Aufreger wegstecken: Das Social-Media-Team postete ein Bild mit zwei augenscheinlich spärlich bekleideten Damen. Sie hielten ein Schild, auf dem stand: „Für 1.000.000 Likes fahren wir am Sonntag oben ohne durch Hamburg“. Nach neun Stunden gab es lediglich 2.000 „Likes“, dafür aber viele Kommentare, kritische und negative. Vielleicht hoffte man, barbusige Damen würden den Verstand der Fans aussetzen lassen. Im Hintergrund des Bildes war ein Cabrio zu sehen.

Ohne große hermeneutische Kenntnisse ließ sich erahnen, wie das Spiel ausgeht. Anstatt den Dialog zu suchen, löschte Sixt den Beitrag inklusive der kritischen Kommentare wortlos. Geht man so mit Freunden um? Kritik schafft man nicht aus der Welt, indem man sie löscht. Anstatt sich und den Fans einzugestehen, dieses Mal über das Ziel des guten Geschmacks hinausgeschossen zu sein, passierte das, was kommen musste: Die Medien machten sich über den Fauxpas her. Eigentlich hätte das barbusige Versprechen keine kommunikative Krise ausgelöst, doch ein unkommentiertes Löschen von Fan-Beiträgen ist einfach respektlos und führt die Fangemeinde vor.

Ebenfalls respektlos ist die Mollath-Kampagne. Gustl Mollath saß siebeneinhalb Jahre gegen seinen Willen im Hochsicherheitstrakt einer forensischen Psychiatrie ein. Der Grund: vermeintliche Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit. Nun wurde er entlassen, was Sixt dazu veranlasste, mit seinem Porträt und einem falschen Zitat von ihm zu werben: „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Große Aufmerksamkeit war garantiert – und wieder empörten sich zahlreiche Facebook-Nutzer. Dieses Mal gab es eine offizielle Entschuldigung per Pressemitteilung. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, denn das Plakat war schlichtweg herabwürdigend. Noch schlimmer: Die Kampagne wurde auf den Schultern eines Opfers ausgetragen, das das Schicksal bereits genug bestraft hat. In der PR gilt der Satz: „Every publicty is good publicity.“ Dies hat Sixt zweifelsohne erreicht – und trotzdem die moralischen Grenzen des guten Geschmacks hinter sich gelassen. Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen sie wiederfindet.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK