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… Mit Big Data wird der Mensch öffentlich. Das birgt Chancen, ist aber auch irgendwie unheimlich ...

Big Data: Das vermeintliche Zukunftsgeschäft verspricht laut Angaben des Hightech-Verbandes Bitkom immense Wachstumsraten. Alleine IBM nimmt eine Milliarde Dollar in die Hand, um Startups zu fördern, die erfolgversprechende Ideen für den Markt der Datenanalyse entwickeln sollen.

Es ist fast ein wenig wie die Neuerfindung des Rades: Wir passen unseren Lebenswandel den ständig datenhungrigen Geräten an und hinterlassen Unmengen von Daten, die konkreten Aufschluss über unser Konsumverhalten geben. Würde sich Big Data ausschließlich darauf reduzieren, könnten wir uns entspannt zurücklehnen und dem Hype enthusiastisch folgen. Denn was gibt es als Verbraucher schöneres als nur Werbung zu erhalten, die einen tatsächlich interessiert? Für die Werbeindustrie eröffnen sich ganz neue Instrumente, um die gefürchteten Streuverluste zu minimieren. Sieht beinahe nach einer klassischen Win-Win-Situation aus. Etwas unheimlich wird mir allerdings, wenn die Datenanalyse schon vorher errechnet, welche Produkte mich in naher Zukunft interessieren könnten. Big Data lässt sich eben gerade nicht auf das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage reduzieren. Das zeigte auch die Messe für Informationstechnik CeBIT, die sich 2014 komplett dem Thema Big Data verschrieben hatte. Unter dem Motto „Datability“ – eine Wortschöpfung aus den Begriffen „responsibility“ und „sustainability“ – sollten vorhandene Sicherheitsbedenken beruhigt werden.

Big Data kann so ziemlich alle Aspekte unseres Lebens effektiver und effizienter gestalten – von Konsum und Kommerz über Unterhaltung bis zu Forschung, Wissenschaft und Bildung. Doch wie alle Trends hat auch dieser seine Schattenseiten. Neben der evidenten Forderung nach Datenschutz muss es auch transparente und klare Regeln im Umgang mit den Daten geben. Die Kernfragen, um die es dabei geht: Wem gehören die Daten überhaupt, die von Menschen und ihren Geräten erzeugt werden? Welche Rechte hat das „Datensubjekt“ hinsichtlich der Auskunftspflicht oder einer gewünschten Löschung aller Daten? Besonders spannend ist auch die Frage, inwieweit das ständige Vernetztsein den Menschen und seine Kultur verändert.

Eines steht fest: Der Mensch wird öffentlich, und die erzeugten Daten öffnen einer genetischen Diskriminierung durch Arbeitgeber oder Versicherungen Tür und Tor. Wenn ein Unternehmen durch Recherchen in sozialen Medien oder anderen Datenquellen feststellen kann, wer mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem bestimmten Leiden erkranken wird, dann ist der gezielte Missbrauch dieser Erkenntnisse folglich der nächste Schritt. Egal wie hoch Big Data gehyped wird: Eine gesunde Portion Skepsis und Achtsamkeit ist bei diesem „Projekt“ allemal notwendig.

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