Out of the boxElefanten ohne Stoßzähne

Sich hinter alten Erfolgen zu verschanzen bringt Unternehmen nicht weiter. Ausprobieren und dazulernen ist die bessere Wahl.

Vor ungefähr 150 Jahren erschien Charles Darwins Werk „Über die Entstehung der Arten“. Vor einiger Zeit waren wir in Südafrika und konnten seine Thesen live vor Ort überprüfen. Wir waren auf einem „Morning Walk“, um bei Sonnenaufgang gespannt nach Elefanten Ausschau zu halten. Doch unser Wildhüter dämpfte unsere Erwartungen: „Elefanten mit großen Stoßzähnen werdet Ihr kaum sehen.“ Warum, wollten wir wissen. Zu unserer Überraschung hörten wir, dass Mutter Natur große Stoßzähne per Evolution kurzerhand abgeschafft hat.

Der Grund: Die Evolution hat anscheinend ein feines Gespür für sich wandelnde Märkte. Früher waren Elefanten mit großen Stoßzähnen gefragt, das wirkte stark, beeindruckend und hatte etwas von einem guten Kämpfer. Kurz: Solche Elefanten waren evolutionstechnisch der Renner. Heute aber sind sie das Ziel von Wilderern und haben deshalb leider kaum mehr Chancen, sich fortzupflanzen. Die entsprechenden Gene waren ruck zuck aus dem Verkehr gezogen, zeitlich betrachtet eine biologische „Blitzrückholaktion“. Stattdessen hat nun ein anderes Modell viel bessere „Marktchancen“: Der „Tuskless Elephant“ – der ohne Stoßzähne.

Das Leben kann keine Voraussagen machen, keine Veränderungen vorwegnehmen, aber es kann sich unglaublich clever anpassen. Und das offensichtlich auch verblüffend schnell. Das Überlebensprinzip lautet: Vielfalt und Auslese. Immer neue Varianten ausprobieren und ständig dazulernen. Erfolg und Misserfolg sind wertvolle Informationen über die richtige Richtung. Wer experimentiert, ist klar im Vorteil. Übertragen auf die Wirtschaft heißt das: Mit diesem Prinzip bleiben Unternehmen auch dann am Markt, wenn sich das Umfeld rasch ändert – was derzeit immer schneller und überraschender geschieht. Die Unternehmen mit den großen Stoßzähnen aber bleiben auf der Strecke. Ein Beispiel aus den USA: „Warum gelingt es der Nation, die uns einst dazu brachte, Autos zu lieben, nicht, eine einzige Familienlimousine zu bauen, die den Stil, den Spaß und die Anmut der Autos der 40er-, 50er- und 60er-Jahre widerspiegelt?“, fragte U2-Sänger und Aktivist Bono kürzlich in seiner New-York-Times-Kolumne. Die Antwort ist offensichtlich: Die amerikanische Automobilindustrie liebt große Stoßzähne und hat Angst vor dem Ausprobieren und der Vielfalt. Kein Wunder, dass sie in der Krise steckt.

Unser Fazit: Wer auf den Märkten von heute bestehen will, darf sich nicht einfach nur hinter seiner Jahrzehnte anhaltenden Erfolgsgeschichte verschanzen. Vieles ist einfach nicht planbar. Ob Überraschungen einem Unternehmen nutzen oder schaden, hängt davon ab, ob es aktiv in die Prüfung von Alternativen zum Status Quo investiert. Dass es dazu eigentlich keine Alternative gibt, können wir von der Evolution lernen.

Dazu im Management-Handbuch

Ähnliche Artikel

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
OK