WertanalyseArbeitsplan für das Wertanalyse-Projekt

Die Vorgehensweise zur Wertanalyse ist in einem Arbeitsplan festgelegt. Dieser Arbeitsplan ist mit der DIN EN 12973:2002-02 und der Richtlinie VDI 2800 normiert. In diesem Handbuch-Kapitel werden die einzelnen Schritte und Phasen des Arbeitsplans im Detail erläutert. Mit der Vorlage im Praxisteil führen Sie diese in Ihrem Wertanalyse-Projekt durch.

Phasen und Schritte im Wertanalyse-Arbeitsplan in der Übersicht

Eine wesentliche Stärke der Wertanalyse ist, dass sie nach einem genauen Plan abläuft. Die einzelnen Schritte der Wertanalyse sind in der Reihenfolge durchzuführen, wie es der Wertanalyse-Arbeitsplan vorsieht. Kein Schritt darf ausgelassen werden. Ansonsten sind Zielerreichung und erwartete Ergebnisse in Gefahr. Die Systematik der Wertanalyse und der Ablaufplan sind in Normen festgelegt und standardisiert.

Die ursprüngliche Norm, die DIN 69910, sah folgende Schritte im Ablaufplan vor:

  1. Projekt vorbereiten
  2. Objektsituation analysieren
  3. SOLL-Zustand beschreiben
  4. Lösungsideen entwickeln
  5. Lösungen festlegen
  6. Lösungen verwirklichen

Die neuen, aktuellen Normen, die DIN EN 12973:2002-02 und die Richtlinie VDI 2800 Blatt 1:2010-08 und Blatt 2 (Formblätter) haben diese sechs Schritte weiter aufgespalten und beginnen die Zählung bei „0“:

  1. Vorbereitung des Projektes
  2. Projektdefinition
  3. Planung
  4. Umfassende Daten über die Studie sammeln
  5. Funktionenanalyse, Kostenanalyse, Detailziele
  6. Sammeln und Finden von Lösungsideen
  7. Bewertung der Lösungs-Ideen
  8. Entwicklung ganzheitlicher Vorschläge
  9. Präsentation der Vorschläge
  10. Realisierung

Die Schritte 0, 1 und 2 entsprechen nach alter Zählung dem ersten Schritt: Projekt vorbereiten. Dann folgen in beiden Fällen: Datensammlung, Analyse und Entwicklung von Soll-Vorgaben und Detailzielen. Genauso ist der Schritt „Lösungsideen finden und entwickeln“ (Nummer 4 und 5) in beiden Fällen ein entscheidender. Schritt 5 nach alter Zählung entspricht in der neuen Norm den Schritten: Lösungen bewerten, ausarbeiten und präsentieren. Das Projekt schließt mit einer Entscheidung zur Realisierung und dem letzten, entsprechenden Schritt ab.

Bei der Vorbereitung und Definition des Projekts sind vor allem der Initiator und das Management gefragt. Das sind oft Verantwortliche aus dem Produktmanagement, Marketing, Produktentwicklung und der Geschäftsleitung. Sie müssen das Wertanalyse-Projekt ins Rollen bringen und das Wertanalyse-Team mit Projektleitung und Projektmitarbeitern auswählen und zusammenstellen. Während der Projektbearbeitung bildet das Management häufig den Lenkungskreis.

Das Wertanalyse-Projektteam führt dann die Schritte 2 bis 8 durch und präsentiert ihr Ergebnis dem Management und dem Lenkungskreis, die dann über die tatsächliche Realisierung entscheiden. Falls diese erfolgt, übergibt das Wertanalyse-Team die Ergebnisse an die Fachabteilungen, Produktentwicklung, Marketing und Produktmanagement. Dort können Umsetzungsprojekte mit Realisierungsteams anschließen.

Im Folgenden wird der Wertanalyse-Arbeitsplan in sechs Schritten vorgestellt. Damit sind die Erläuterungen etwas einfacher und übersichtlicher, weil die feinere Differenzierung in zehn Schritte oft zu Zuordnungsproblemen führt.

1. Projekt vorbereiten

Mit der Vorbereitung eines Wertanalyse-Projekts geht es zunächst darum, die unterschiedlichen Aufgaben und Rollen zuzuweisen. Anschließend müssen Ziele und Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Rollen und Promotoren für das Wertanalyse-Projekt

Um eine Wertanalyse durchführen zu können, brauchen Sie mehrere Promotoren in Ihrem Unternehmen. Folgende Aufgaben müssen durch die entsprechenden Personen wahrgenommen werden, wenn Sie ein Wertanalyse-Projekt starten wollen und die Wertanalyse ein Erfolg sein soll:

  1. Initiator für die Durchführung einer Wertanalyse: Produktmanagement oder Geschäftsleitung
  2. Auswahl von Wertanalyse-Projekten: Produktmanagement oder Koordinator für Wertanalyse-Projekte
  3. Entscheidung über durchzuführende Projekte: Geschäftsleitung oder Förderkreis (Sponsoren)
  4. Projektdurchführung leiten: Projektleitung Wertanalyse oder Moderator
  5. Projekte durchführen: Wertanalyse-Team
  6. Ergebnisse vorschlagen: Projektleitung und Wertanalyse-Team
  7. Realisierung entscheiden: Fachbereichsleitung (Produktmanagement, Marketing, Produktentwicklung), Förderkreis, Geschäftsleitung

Unterstützung durch das Management

Geschäftsleitung oder Verantwortliche für das Produktmanagement (Leitung einer Business Unit oder eines Profit Centers) sind meistens die Initiatoren. Sie können darüber hinaus die Rolle des Koordinators für Wertanalyse-Projekte übernehmen. Als solche planen und koordinieren sie alle Wertanalyse-Projekte und weisen entsprechende Ressourcen zu; diese Aufgabe ist vergleichbar mit dem Multi-Projektmanagement. Schließlich werden sie im Förderkreis oder Lenkungskreis des einzelnen Wertanalyse-Projekts den Vorsitz einnehmen.

Ziele festlegen

Im nächsten Schritt werden der Projektauftrag und die übergeordneten Ziele festgelegt. Dies erfolgt durch das Top-Management oder die Initiatoren des Projekts. Sie geben damit die Marschrichtung vor.

Dann werden aus den übergeordneten Zielen die Einzelziele abgeleitet. Hier sollten möglichst quantitative und messbare Ziele formuliert werden. Es muss klar sein, auf welche Kennzahlen Bezug genommen wird. Es können zusätzlich qualitative Ziele, beispielsweise zum Image, formuliert werden. Auch hier sollten Sie festlegen, wie Sie die Zielerreichung am Ende messen oder einschätzen. Wichtig sind für die meisten Wertanalyse-Projekte Kostenziele.

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