Feedback geben und empfangenDie Methode 360-Grad-Feedback

Das 360-Grad-Feedback wird in Unternehmen vor allem für Führungskräfte eingesetzt. Dabei geben unterschiedliche Feedback-Geber aus ihrer Perspektive Rückmeldung zum Verhalten der Führungskraft. Das 360-Grad-Feedback muss als Methode zur Personalentwicklung geplant und vorbereitet werden.

Ziel und Merkmale des 360-Grad-Feedbacks

Das 360-Grad-Feedback bietet als ein Instrument der Personalentwicklung insbesondere für Führungskräfte die Möglichkeit, umfassende Rückmeldungen von unterschiedlichen Personen zu bekommen. Das Feedback erhält die Führungskraft von Personen, mit denen sie zu tun hat und die ihr Verhalten wahrnehmen und erfahren. Das sind beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden und externe Partner. Das 360-Grad-Feedback soll dazu beitragen, einen Selbstbild-Fremdbild-Vergleich mit unterschiedlichen Perspektiven herzustellen.

Je nachdem wie viele Perspektiven in den Feedback-Prozess einbezogen werden, spricht man von einem 90-Grad-Feedback bis 360-Grad-Feedback. Ziel ist, durch die vielen Perspektiven ein umfangreicheres und objektiveres Bild der bewerteten Person zu bekommen.

Ziel dieser Feedback-Methode ist es, versteckte Fähigkeiten bewusst zu machen und diese eventuell zu aktivieren: Lernen durch Rückmeldung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Das 360-Grad-Feedback zeichnet sich dadurch aus, dass es:

  • oft durch einen Coach begleitet wird,
  • Selbst- und Fremdeinschätzung miteinander vergleicht,
  • schriftlich erfolgt,
  • umfassend ist, da fünf bis acht Personen unterschiedlicher Personengruppen Feedback geben und
  • die Feedback-Geber anonym bleiben und kein Feedback keiner Person zugeordnet werden kann.

Die besonderen Merkmale dieser Feedback-Methode sind in Abbildung 4 zusammengefasst.

Abbildung 4: Merkmale des 360-Grad-Feedbacks

Vorgehen beim 360-Grad-Feedback

Ein Coaching-Prozess mit der 360-Grad-Feedback-Methode umfasst folgende Schritte:

Schritt 1

Klärung der Ziele des 360-Grad-Feedbacks in Zusammenarbeit mit einem Coach. Mögliche Ziele sind zum Beispiel:

  • das derzeitige Verhalten der Führungskraft verändern
  • die Kompetenzen der Führungskraft verbessern
  • mehr Verantwortung übernehmen und darauf vorbereitet werden

Schritt 2

Ausgehend vom Ziel des Feedbacks wird ein Fragebogen erstellt. Dieser Fragebogen ist für die potenziellen Feedback-Geber. Er soll sie zu einer Rückmeldung zum Verhalten der Führungskraft motivieren und entsprechende Sichtweisen, Meinungen, Einschätzungen oder Erfahrungen einsammeln. Wichtig: Der Erfolg des Feedbacks hängt wesentlich von der Qualität der Fragen ab!

Schritt 3

Auswahl relevanter Feedback-Geber aus Führungskräften und Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kunden und externen Partnern. Relevant heißt: Die Feedback-Geber müssen ausreichend Einblick in die Führungskompetenz und die Verhaltensweisen der zu bewertenden Person haben.

Schritt 4

Durchführung des Feedbacks mithilfe des Fragebogens. Alle Feedback-Geber erhalten den Fragebogen mit der Bitte, ehrlich und anonym aus der jeweiligen persönlichen Perspektive die Fragen zu beantworten und damit Rückmeldung zu geben.

Schritt 5

Die Fragebögen werden ausgewertet. Dabei wichtig: Anonymität wahren! Einzelne Antworten dürfen nicht einzelnen Feedback-Gebern zugeordnet werden. Andernfalls äußern sich die befragten Personen aus Angst vor negativen Konsequenzen nicht ehrlich und das Feedback wird wertlos. Die Auswertung erfolgt qualitativ im Hinblick auf die Ziele der Feedback-Befragung. Die einzelnen Antworten werden aufbereitet und strukturiert.

Schritt 6

Rückmeldung der Ergebnisse an die betroffene Führungskraft in persönlichen und individuellen Coaching-Gesprächen. Dabei können konkrete Verbesserungsmaßnahmen und mögliche Verhaltensänderungen gemeinsam erarbeitet und besprochen werden.

Diese Schritte sind in Abbildung 5 in einer Übersicht zusammengefasst.

Abbildung 5: Schritte des 360-Grad-Feedbacks

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