Die ersten 100 Tage als neue FührungskraftDie neue Position und Rolle als Führungskraft annehmen

Wer als Fachkraft zur Führungskraft aufsteigt, übernimmt einen neuen Job. Oft verharren neue Führungskräfte allerdings in ihrem alten Rollenverständnis und übernehmen in der neuen Position weiterhin viele Fachaufgaben, die sie aber delegieren sollten. Welche Fallstricke außerdem lauern, lesen Sie in diesem Abschnitt.

Von den Fachaufgaben zu den Führungsaufgaben wechseln

Die Herausforderung beim Aufstieg von der Fach- zur Führungskraft: Die bisherigen Fachaufgaben gingen in der alten Position leicht von der Hand. Hier liegt die Komfortzone – schließlich erzielte die neue Führungskraft als Fachkraft Erfolge, die zur Beförderung führten. Als Führungskraft rücken aber ganz andere Aufgaben in den Mittelpunkt. Zwei Beispiele sollen dies veranschaulichen:

  • Der neue Marketingleiter war in seiner früheren Position für alle Aufgaben rund um die Markteinführung eines Produkts zuständig. Nun führt er die Marketingabteilung. Er steuert und überwacht in dieser Rolle, ob und wie die Aufgaben in seiner Abteilung erledigt werden.
  • Die Ingenieurin ist zur Geschäftsführerin aufgestiegen. Die Fachaufgaben der Produktentwicklung, die sie als ausgewiesene Expertin erfüllt hat, sind für sie kein Thema mehr. Sie bespricht mit Kunden demnach auch keine technischen Details mehr – auch wenn diese das wünschen, weil sie es gewohnt sind. Als neue Führungskraft verweist sie auf die Kollegen der Fachabteilung und kümmert sich auf der Ebene der Geschäftsleitung um die strategisch wichtigen Kunden und deren Profitabilität.

Als neue Führungskraft müssen Sie sich in einem ersten Schritt von der alten Position als Fachkraft verabschieden und die neuen Aufgaben oder vielmehr einen neuen Job, den des Managers, annehmen. Das gelingt Ihnen zum Beispiel, wenn Sie Ihren neuen Job durch eine kleine Feier oder ein Essen im Familienkreis würdigen. Befördern und feiern Sie sich bewusst selbst.

Herausforderungen der neuen Führungsposition anerkennen

Sie haben sich innerlich von Ihrem alten Job verabschiedet und bereiten sich auf die neue Führungsposition vor. Ihnen wird bewusst: Sie fangen etwas (völlig) Neues an. Machen Sie sich klar, dass neue Herausforderungen auf Sie zukommen – früher oder später wahrscheinlich diese folgenden:

Versagensängste und Erwartungsdruck

Die neue Position haben Sie durch eine Beförderung erhalten oder weil Sie als fähig gelten, ein Team zu führen. Ihre Aufgaben werden sehr wahrscheinlich anspruchsvoller, in jedem Fall anders sein als zuvor. Das kann Versagensängste wecken. Sie verlassen schließlich Ihre Komfortzone. Es wird im Allgemeinen mehr von Ihnen erwartet – und das von verschiedenen Seiten. Zum Beispiel erwartet Ihr Team, dass Sie aufkommende Konflikte lösen. Das Management wiederum erwartet von Ihnen, dass Sie eigenverantwortlich die gesteckten Ziele erreichen.

Einsamkeit

In Ihrer neuen Position werden Sie wahrscheinlich mehr Einsamkeit erleben. Ihre Beziehungen zum Team und zum Management werden sich in jedem Fall verändern. Wenn Sie innerhalb Ihres Unternehmens aufgestiegen sind, werden sich die Kollegen zum Beispiel distanzierter verhalten und den Smalltalk mit Ihnen eher meiden. Seien Sie sich auch bewusst, dass Neid und Missgunst aufseiten der Kollegen aufkommen können.

Fehlendes Selbstbewusstsein

Auf der neuen Hierarchiestufe begegnen Sie den Menschen neu, vor denen Sie bisher aufgrund der höheren Position Respekt – vielleicht auch Ehrfurcht – hatten. Nun treffen Sie sich auf Augenhöhe, was wiederum diese Beziehungen verändert. Ungewohnte Reaktionen und das eigene, veränderte Erleben der Zusammenarbeit werden Sie in der Anfangszeit herausfordern.

Neues lernen und sich auf Neues einlassen

Wer neue Aufgaben übernimmt, muss Neues lernen. Das ist offensichtlich. Machen Sie sich bewusst, in welchen Bereichen Sie Nachholbedarf haben. Kommen Sie als neue Führungskraft aus einem anderen Unternehmen, brauchen Sie nicht nur Kompetenzen in der Mitarbeiterführung. Sie müssen auch Ihr Unternehmen und Ihren Bereich kennenlernen.

Eine Herausforderung dabei: Nicht vorverurteilen. Was in Ihrer alten Position oder in Ihrem alten Unternehmen richtig und sinnvoll war, muss angewendet auf die neuen Situationen nicht unbedingt richtig sein. Zum Beispiel fällt Ihnen ein kleines Team in Ihrer Produktionshalle durch Geschwätzigkeit auf. Sie schließen dadurch auf eine geringere Leistung und ermahnen dieses Team. Nachdem Sie Ihre Unterlagen zu Ihrem neuen Produktionsbereich sichten, fällt Ihnen Ihr Fehler auf. Das Team arbeitet schon viele Jahre zusammen und ist produktiver als die Mehrheit der Produktionsmitarbeiter. Neues lernen heißt also auch, sich neu zu orientieren.