Portfoliotechnik und PortfolioanalysePortfolios für Ressourcen und Lieferanten

Portfoliotechniken können in Bereichen wie Beschaffung, Einkauf und Logistik eines Unternehmens angewendet werden. Dort müssen langfristige Chancen und Risiken erkannt und bewertet werden. Mit Beschaffungs-Portfolios lässt sich sichtbar machen, wie Unternehmen positioniert sind und was sie strategisch tun sollten.

Bedeutung von Rohstoffen, Materialen, Bauteilen und Produktkomponenten

Produkte werden von Kunden unter anderem deshalb gekauft, weil sie bestimmte Merkmale oder Funktionen besitzen. Diese wiederum können nur dadurch erfüllt werden, dass spezielle Komponenten, Bauteile oder Materialien eingesetzt werden. Manchmal kommt es sogar auf spezielle Rohstoffe an, wie das Beispiel der sogenannten „seltenen Erden“ in der Halbleiterindustrie zeigt. Viele dieser Produktkomponenten und Produktbestandteile müssen von externen Lieferanten beschafft werden.

Wenn die Produktkomponenten und Bestandteile teuer, selten oder schwierig zu beschaffen sind, kann damit ein großes Risiko für den Hersteller als Nutzer verbunden sein. Um diese Risiken besser zu bewerten und sich darauf einzustellen, werden auch auf der Beschaffungsseite und für Lieferanten Portfolios entwickelt und analysiert. Dabei geht es vor allem darum, die Abhängigkeit von Lieferanten oder von Rohstoffen und knappen Materialien frühzeitig zu erkennen. Daraus lassen sich ebenfalls Maßnahmen für die strategische Beschaffung und für das Lieferantenmanagement ableiten. So können geeignete Strategien entwickelt werden, um eine kritische Situation zu vermeiden.

Wie immer bei der Portfoliotechnik geht es darum. verschiedene, aber vergleichbare Betrachtungsobjekte zueinander in Beziehung zu setzen und die Zusammenhänge zu betrachten. Dabei spannen zwei Erfolgsfaktoren oder Merkmale das Portfolio-Diagramm auf, und ein Betrachtungsobjekt wird darin verortet. Je nach Position werden dann unterschiedliche Strategien und Maßnahmen hergleitet und ausgearbeitet.

Das Beschaffungs- oder Lieferanten-Portfolio

Meistens werden beim Beschaffungs- oder Lieferanten-Portfolio auf der vertikalen Y-Achse des Portfolio-Diagramms externe Faktoren oder potenzielle Risiken, Gefahren oder Bedrohungen abgebildet. Diese beschreiben den externen Beschaffungsmarkt. Sie können sich beispielsweise ausdrücken in:

  • Lieferantenmacht
  • Verfügbarkeit von Produktbestandteilen
  • Aufwand für die Beschaffung
  • Risiko der Lieferantenabhängigkeit
  • Preisschwankungen für Rohstoffe oder Materialien

Als Variable der horizontalen X-Achse werden solche Faktoren betrachtet, die den Beitrag für den Unternehmenserfolg oder die möglichen Folgen für das Unternehmen abbilden. Das kann beispielsweise sein:

  • Bedeutung für Umsatz und Gewinn des Unternehmens
  • Anzahl der betroffenen Bereiche, Geschäftseinheiten oder Produkte
  • Folgen für Prozessstabilität, Qualität oder Lieferfähigkeit
  • Folgen in Bezug auf Kundenzufriedenheit oder Wettbewerbsstellung

Als Betrachtungsobjekte werden bei Beschaffungs- und Lieferanten-Portfolios dann die Produktbestandteile oder Produkte bewertet und verortet, die für den Unternehmenserfolg wichtig sein können. Das sind beispielsweise wichtige Rohstoffe oder Materialien, funktionsentscheidende Baugruppen oder Komponenten oder Ressourcen für die Anlagenverfügbarkeit und Prozesssicherheit. Beispielsweise spielen Bildschirme und Akkus eine sehr wichtige Rolle für die Hersteller von Smartphones. Batterien sind entscheidend für Elektrofahrzeuge.

So lassen sich schließlich eine Fülle unterschiedlicher Portfolio-Diagramme erstellen und auswerten. Sie alle sehen im Wesentlichen aus, wie das Beispiel aus Abbildung 9.

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