InnovationsmanagementQuellen für innovative Ideen und Lösungen

Einige Beispiele und Geschichten machen in diesem Abschnitt sichtbar, wie sich Innovationen aus besonderen Anlässen oder Zufällen ergeben. Sie zeigen auch, dass eine neue Idee noch lange keine Garantie für ein erfolgreiches neues Produkt ist, das sich am Markt bewährt.

Beispiele für innovative Vorhaben in kleinen Unternehmen

Versuch und Irrtum – mit positivem Ausgang

Da fährt eine junge Frau jeden Tag an der Braunkohlengrube entlang zu ihrer Arbeit in einer Gärtnerei. Bis die Straße auf die andere Seite der Grube verlegt wird, weil sich die Bagger wieder ein Stück weit ins Land fressen. Trostlos sieht es hier aus. Viele Jahre wird es dauern, bis man hier wieder aufforsten kann. Nur ein paar Pioniergräser fassen Fuß. Wie wäre es, wenn man genau für diesen Boden Grassamen züchten würde?

Zwei Bedingungen sind der Idee förderlich: der Bergbaukonzern ist per Gesetz verpflichtet, die Gegend zu rekultivieren und das Umweltministerium will, dass wieder eine ortstypische Flora entsteht. Die junge Frau macht sich unter diesen Voraussetzungen selbständig, pachtet Ackerflächen und kauft ein altes Bauerngehöft, legt Musterflächen an und lädt Vertreter des Konzerns zur Besichtigung ein. Ein Vertrag kommt zustande. Und seitdem wächst das kleine Unternehmen und wächst und wächst. Die Idee traf auf ein Marktbedürfnis.

Versuch und Irrtum – mit negativem Ausgang

Mit Bentonit kann man Millionär werden. Man holt es mit dem Bagger aus dem Berg und verkauft es als Katzenstreu. Außerdem braucht man es beim Brunnenbau, bei Schlitzabdichtungen und beim Tunnelbau. Bringt auch Geld.

Unser Mann ist Geologe und sucht dringend eine Arbeit, bis er auf die Anwendung von Bentonit stößt. Er scharrt zwei Freunde um sich und sie beschließen, eine Firma zu gründen. Der eine kümmert sich um die Abfüllung in handliche Katzenstreubeutel, der andere um eine Abfüllanlage, unser Mann um Lagerstätten von Bentonit. Sind aber alle besetzt. Da erinnert er sich, dass die DDR systematisch nach Lagerstätten von allem und jedem gesucht hatte. An der Bergakademie Freiberg stößt er auf ein Kataster mit Bentonitlagerstätten in Ostdeutschland. Sind aber nur teuer zu erschließen, weil sie ungünstig liegen. Die Gründer sind enttäuscht, bis einer von einem Bekannten in Marokko erzählt. Man bucht eine Urlaubsreise und trifft den Ortskundigen, besucht eine Abbaustätte. Mit einem anständigen Vorschuss verspricht dieser Mann, das Abbaurecht zu erwerben. Zu Hause kalkuliert man inzwischen Schiffswege und Transportkosten; bleibt trotzdem allerhand übrig. Jetzt wartet man nur noch auf das Abbaurecht. Da soll es Probleme geben. Außerdem braucht der Marokkaner dringend weiteres Geld…

Sie ahnen schon, wie die Geschichte ausgegangen ist. Unsere Gründer sind nicht Millionäre geworden, sondern ärmer denn zuvor. Die innovative Idee ging von einem interessanten Material aus, aber alle Voraussetzungen wurden blauäugig betrachtet. Vielleicht hätten sie mit einem erfahrenen Außenhändler bessere Chancen gehabt. Vielleicht hätte der Händler auch kalkuliert, was die marktbeherrschenden Unternehmen mit einem neuen Anbieter von Katzenspreu gemacht hätten.

Anhand von solchen Erfolgs- und Misserfolgsbeispielen für Innovationen lässt sich anschaulich erkennen, welche Faktoren diesen langen Prozess beeinflussen, fördern oder zu Fall bringen können. Oft ist es der Auslöser und Initiator, der die Richtung der Innovation beeinflusst. Ausgangspunkt für Innovationen sind oft:

  • Kunden
  • wissenschaftliche Erkenntnisse
  • technologische Entwicklungen (in ganz anderen Bereichen)
  • strategisches Innovationsmanagement

Die folgenden Beispiele aus kleinen und mittelständischen Betrieben oder aus Start-Ups zeigen, wie diese für Innovationen genutzt werden können.

Kundenbedürfnis als Ausgangspunkt für Innovationen

Der Geschäftsführer einer kleinen Firma tingelt durch die Lande. Sein Ziel sind Städte mit Schwimmhallen. Dort schaut er sich die Glasflächen an, die schon nach kurzer Zeit milchig geworden sind, trotz regelmäßiger Reinigung. Er offeriert den Verantwortlichen in der Verwaltung eine Grundreinigung und Versiegelung mit Nanopartikeln und erhält da und dort einen Auftrag.

Aber im Gespräch mit den Ratsherren wird eine andere Sorge deutlich. Grundsätzlich müssen alle Dienstleistungen, die oberhalb der Bagatell-Grenze von 25.000 Euro liegen, ausgeschrieben werden. Nach EU-Recht müssen Aufträge an Dritte, wenn sie die Gesamtsumme von 211.000 Euro übersteigen, europaweit ausgeschrieben werden. Das führt dazu, dass beispielsweise für die Reinigungsdienstleistungen in einer Kleinstadt 20 bis 40 Angebote eingehen. Diese Ausschreibungen und den Eingang der Angebote sachkundig zu planen, zu organisieren, durchzuführen, zu prüfen und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit folgend das leistungs- und preisgünstigste auszuwählen, stellt hohe fachliche, zeitliche und sogar juristische Anforderungen an die betreffenden Sachbearbeiter.

Zu Hause konzipiert unser Geschäftsführer ein neues Angebot: Der Kostenvoranschlag des Rathauses ist die SOLL-Größe des KMU. Das KMU sichert eine schnelle, gesetzeskonforme Arbeit der Ausschreibung und der Angebotsauswahl zu. Und das Honorar besteht aus einem kleinen Grundbetrag und den Einsparungen gegenüber den üblichen Kosten. Das macht nur Sinn, wenn es dem KMU gelingt, alle notwendigen Arbeiten zu standardisieren und elektronisch zu handeln. Zum Glück ist unser Geschäftsführer Mathematiker und mit der Programmierung von Computern vertraut. Mit Visual Basic entsteht ein Programm, das die Erfassung der Daten kontrolliert, sie fehlerfrei verarbeitet und alle notwendigen Dokumente automatisiert erstellt. Die Testläufe sind erfolgreich. Heute hat das Unternehmen nur wenig mehr Beschäftigte, doch Umsatz und Gewinn sind explodiert. Und was bei Rathäusern geklappt hat, soll jetzt auf andere Auftraggeber, zum Beispiel Krankenhäusern, Banken und Großunternehmen, ausgeweitet werden.

Das hier geschilderte Beispiel kann für hunderte Innovationsprojekte stehen. Aus Kundengesprächen kann gezielt auf veränderte Bedürfnisse geschlossen werden, aber auch die zufälligen Aspekte eines Gesprächs können – wenn eine wache Sensibilität existiert – Ansatzpunkt für einen innovativen Gedanken sein. In der Konsequenz geht dies bis zu der Forderung, die Lead User in das eigene Change-Management von Anfang an einzubeziehen.

Weitere Kapitel zum Thema