Zuhören im GesprächSo hören Sie Ihrem Gesprächspartner richtig zu

Zuhören ist eine Kommunikationstechnik, die sich trainieren lässt. Voraussetzung ist, dass man die Regeln und Techniken kennt, die für das Zuhören wichtig und hilfreich sind. Diese sind in den folgenden Tipps zusammengefasst.

Grundlagen und Tipps für das Zuhör-Training

Folgende Aspekte sollten Sie trainieren und pflegen, wenn Sie für die Kommunikation mit anderen Menschen Ihre Zuhör-Kompetenz verbessern wollen.

Selbstbeobachtung und Reflexion

Grundlage des Trainings, um seine Zuhör-Kompetenz zu verbessern, ist die regelmäßige Selbstreflexion. Befragen Sie sich nach jedem Gespräch selbst: Wie lange haben Sie wirklich nur interessiert zugehört? Ab welchem Zeitpunkt oder bei welchem Verlaufspunkt des Gesprächs haben Sie bewertet und Ihre Meinung gefasst? Versuchen Sie, diesen Zeitraum Schritt für Schritt zu verlängern.

Erinnerungsanker nutzen

Wählen Sie einen Gegenstand in Ihrer Arbeitsumgebung, der Sie daran erinnert, dass Sie die Information wertfrei aufnehmen. Platzieren Sie den Gegenstand so, dass Sie ihn immer im Blick haben, wenn Sie ein Mitarbeitergespräch führen. Der Gegenstand ermahnt Sie während des Gesprächs, mit der Bewertung zu warten. Führen Sie dazu ein Akzeptanztagebuch. Es dient zum Selbststudium im Hinblick auf mehr Akzeptanz bei Ihren täglichen Dialogen.

Ablenkungen vermeiden

Richtiges Zuhören erfordert die volle Konzentration. Doch in der heutigen Zeit lauern überall digitale Ablenkungen. Beim Meeting liegt das Handy auf dem Tisch. Beim Gespräch geht der Blick immer wieder zum Tablet, wenn eine neue E-Mail ankommt. Wenn Sie glauben, dass Sie multitaskingfähig sind, dann vergessen Sie es. Unser Gehirn kann sich immer nur einer Sache widmen. Legen Sie diese Geräte also weg oder schalten Sie sie aus. Legen Sie alles weg, was das bewusste Zuhören stört. Wenden Sie den Körper und die Aufmerksamkeit dem Sprechenden zu.

Gedanken auf den Gesprächspartner fokussieren

Wenn Sie sich dabei erwischen, wie Sie mit den Gedanken abwandern, lenken Sie Ihre Konzentration zurück zum Sprechenden. Dies verlangt Übung und Durchhaltevermögen. Es wird sich aber bezahlt machen. Sie werden mehr Informationen aufnehmen und mehr Zwischentöne heraushören.

Reaktionen, die Sie beim Zuhören unterlassen sollten

Bis hierher ging es darum, die Grundlage für richtiges Zuhören zu legen. Jetzt folgen einige Reaktionen und Verhaltensweisen, die Sie während des Gesprächs unterlassen sollten. Das sind Reaktionen, die verhindern, dass der Dialog in die Tiefe geht, sich Beziehungen vertiefen, Emotionen erkannt und aufgefangen werden. Reaktionsweisen, die dem Erzähler den Raum nehmen, den er für seine Ausführungen bräuchte.

Ratschläge erteilen

Führungskräfte definieren ihre Arbeit oft dadurch, dass sie anderen Ratschläge geben. Sie tun das ständig und ungefragt. Doch wie kommt das bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an? Sie lernen, dass die Führungskraft jedes Problem für sie löst, auch wenn es noch so klein ist. Sie werden sich so entwickeln, dass sie auch bei jeder kleinen Herausforderung das Gehirn abschalten und zu ihrer Führungskraft kommen.

Erteilen Sie deshalb keine Ratschläge, wenn Sie dazu nicht aufgefordert werden. Warten Sie einfach mit einem Ratschlag, bis Sie darum gebeten werden. Sie werden damit mehr erreichen, als sofort mit der Antwort zur Stelle zu sein. Werden Sie um Rat gefragt, überlegen Sie erst, ob es sich um ein echtes Problem handelt, um Denkfaulheit oder mangelndes Wissen.

Bagatellisierung

Wenn Sie Schilderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bagatellisieren und als eine Kleinigkeit darstellen, verliert die betreffende Person Selbstwirksamkeit. Vor allem junge Menschen bekommen dann leicht den Eindruck, dass sie die großen Probleme nicht lösen werden, wenn sie schon bei den kleinen Herausforderungen nicht weiterkommen. Hier ist die wertfreie Aufnahme der Darstellung ratsam und die Erkenntnis, dass nicht alle den gleichen Zugang zu Problemen und deren Lösungen haben.

Bringen Sie mehr Akzeptanz in Ihr Zuhören und vermeiden Sie die Bewertung der Situation. Dann werden Sie Darstellungen und Probleme Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich weniger als Bagatelle abtun.

Ich-Umkehr

Sprechen Sie sehr schnell über sich? Erläutern Sie gerne, welche Erfahrungen Sie selbst bei einem Thema gemacht haben? Wie Sie das Problem bereits erfolgreich gelöst haben? Mit diesem Verhalten lenken Sie das Gespräch auf Ihre eigenen Erfahrungen, auf Ihre Ideen und Kenntnisse. Mit diesem Verhalten geben Sie als Zuhörer die Richtung vor, Sie kehren das Gespräch auf Ihr „Ich“ um und schaffen einen starken Ich-Bezug.

Aber: Vielleicht gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen der Situation, die der Mitarbeiter beschreiben möchte, und der Situation, die Sie erlebt haben. Vielleicht wüsste der Mitarbeiter eine bessere Lösung. Sie werden es nicht erfahren, wenn Sie Ihre eigene Sichtweise in den Mittelpunkt stellen und nur von sich selbst sprechen – statt aufmerksam zuzuhören.

Versetzen Sie sich in die Lage des Gesprächspartners. Wie erlebt diese Person das Problem und was braucht sie zur Lösung? Nur diese Frage ist von Bedeutung.

Solche typischen Verhaltensweisen sollten Sie beim guten Zuhören vermeiden und beseitigen. Denn Sie sind „Verhinderer“ des Zuhörens. Trainieren Sie, diese Verhaltensweisen bei sich selbst zu erkennen und dann zu vermeiden.