Fehler-Möglichkeiten- und Fehler-Einfluss-Analyse (FMEA)Systematik und Durchführung der FMEA

Die Durchführung der Fehler-Möglichkeiten- und Einfluss-Analyse (FMEA) ist weitgehend standardisiert. Die meisten Modelle und Standards unterscheiden sechs Arbeitsschritte. Kernelemente sind die Strukturanalyse, Funktionsanalyse und die Fehleranalyse. Hier ist dargestellt, wie Sie bei der FMEA vorgehen.

Die Schritte der FMEA in der Übersicht

Die Durchführung einer Fehler-Möglichkeiten- und Fehler-Einfluss-Analyse (FMEA) erfolgt in mehreren Schritten. Je nachdem, auf welches Modell Sie sich dabei beziehen, sind diese Schritte etwas anders eingeteilt und unterschieden. Die jeweiligen Aufgaben und Inhalte sind dabei meist ähnlich oder identisch.

Der Standard, der nach gemeinsamer Modellentwicklung durch die Automobilverbände VDA und AIAG definiert ist, sieht insgesamt sechs Schritte der FMEA in zwei Phasen vor. Die Schritte sind:

  1. Scoping: Identifikation und Definition des FMEA-Projekts; Abgrenzung des Produkts und des Prozesses
  2. Strukturanalyse: Struktur des Systems analysieren, das mit der FMEA betrachtet wird
  3. Funktionsanalyse: Zusammenstellung aller relevanten Produktfunktionen oder Prozessschritte
  4. Fehleranalyse: Identifikation möglicher Fehler, Erkennen von Fehlerketten, Fehlerursachen und Fehlerfolgen im Produkt oder Prozess
  5. Risikoanalyse und Maßnahmenanalyse: Erkennen und bewerten von Risiken und Folgen, wenn der Fehler entsteht und nicht rechtzeitig beseitigt wird; mögliche und notwendige Maßnahmen identifizieren
  6. Optimierung und Maßnahmenumsetzung: Festlegung von Maßnahmen zur vorbeugenden Fehlervermeidung, Umsetzung der Maßnahmen und kontinuierliche Verbesserungen am Produkt oder Prozess

Die Schritte 1 bis 3 sind der Phase „Systemanalyse“ zugeordnet, die Schritte 4 bis 6 der Phase „Fehleranalyse und Risikovermeidung“.

Modelle anderer Institutionen wie der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) fassen beispielsweise die Schritte Strukturanalyse und Funktionsanalyse zusammen. Andere differenzieren die Maßnahmenplanung aus und unterscheiden dort: Maßnahmenplanung, Maßnahmenumsetzung und Kommunikation.

In jedem einzelnen Schritt der FMEA-Durchführung muss das Projektteam spezifische Fragestellungen und Aufgaben bearbeiten. Dabei können unterschiedliche Werkzeuge eingesetzt werden. Diese werden im Folgenden vorgestellt.

Scoping: Identifikation und Definition des FMEA-Projekts

Im ersten Schritt wird festgelegt, was im Rahmen der FMEA genau betrachtet werden soll. Das kann ein Produkt, eine Komponente, ein Prozess oder ein Fertigungsschritt sein, genauso wie Abläufe beim Erbringen einer Dienstleistung oder bei überbetrieblicher Logistik. Konkret kann das FMEA-Projekt Teil sein von:

  • Neuentwicklung eines Produkts
  • Produktänderung
  • Analyse von komplexen Herstellverfahren
  • Gefahrenanalyse von sicherheitsrelevanten Produkten oder Prozessen
  • Einsatz neuer Maschinen und Anlagen
  • Analyse von Prozessen und Produkten mit hohem Umweltrisiko oder Risiken für den Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Analyse von veränderten Einsatzbedingungen beim Kunden

Der Bereich und das Objekt, das mithilfe der Methode FMEA betrachtet werden soll, wird so eingegrenzt und beschrieben. Mit dem Scoping soll festgelegt werden, was im FMEA-Projekt betrachtet und analysiert werden soll – und was nicht. Damit wird auch abgesteckt, wie hoch die Eindringtiefe und Detaillierung der FMEA sein soll.

Daraus leitet sich der Projektauftrag ab. Mit ihm werden die Ziele des Projekts definiert, das Projektteam mit der Projektleitung und Moderation sowie der Projektsponsor festgelegt sowie ein Aufgabenplan und ein Zeitplan entwickelt.