Beziehung zwischen Vorgesetzten und MitarbeiternWie Mitarbeiter Vorgesetzte beurteilen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beobachten permanent, was ihre Vorgesetzten sagen und tun. Sie bewerten dies oft in Bezug auf ihre eigene Person und ihre Leistung. Dabei kann es zu Fehlurteilen, eingeschränkter Wahrnehmung, Vorurteilen und Verstärkung des Negativen kommen.

Vorgesetzte werden permanent beobachtet

Alles, was die Führungskraft sagt und tut, legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Und zunächst beziehen sie das auf sich selbst. Sie prüfen: Hat der Vorgesetzte mich kritisiert? Passt der Vorgesetzten etwas nicht an meiner Person? Geht er über meine Vorschläge hinweg? Bevorzugt sie andere? Hat er für die Kollegen mehr Zeit? Je mehr die Beschäftigten ihre eigene, stille Antwort auf solche Fragen mit „Ja“ beantworten, desto schlechter wird ihr Bild von ihrem oder ihrer Vorgesetzten.

Verstärkt wird das, wenn Veränderungen anstehen. Befindet sich das Unternehmen in einer Krise, müssen neue Projekte angeschoben werden oder Prozesse reorganisiert werden – dann müssen Vorgesetzte den Wandel anstoßen und vorantreiben und manchmal Entscheidungen treffen, die für die Beschäftigten mit negativen Konsequenzen verbunden sind. Deshalb kann es zu schwerwiegenden Konflikten kommen. Die Mitarbeiter verlieren ihr Vertrauen in den Vorgesetzten, fühlen sich übergangen oder ungerecht behandelt – und wenden sich von ihm ab. Die Folgen sind: Unzufriedenheit, Missmut, Ablehnung, Widerstand.

Vorgesetzte werden nach einfachen Regeln beurteilt

Gerade weil Unternehmen sehr komplexe Gebilde sind, weil die Mitarbeiter eine Fülle von Aufgaben zu bewältigen haben und die Informationsvielfalt in ihrem Arbeitsbereich wächst, brauchen die Mitarbeiter Einfachheit. Sie entwickeln einfache Regeln und Muster für ihre Arbeit und für ihre Beziehungen zu Vorgesetzten und Kollegen. Leider führt das auch zu Fehleinschätzungen.

Denn wenn Mitarbeiter gestresst sind, wenn sie emotional aufgewühlt sind, dann übersehen sie vieles oder blenden Informationen unbewusst aus. Bei ihrem Vorgesetzten nehmen sie dann nur das wahr, was in Bezug steht zu ihrem Stress, ihrer vielen Arbeit oder ihrer Überforderung. Der Chef wird so wahrgenommen:

  • macht noch mehr Arbeit,
  • weiß nicht, was er will,
  • kontrolliert ständig,
  • ist nicht da, wenn ich ihn brauche,
  • sieht meine Leistungen nicht,
  • schränkt meine Handlungsspielräume ein.

Die positive Unterstützung wird nicht wahrgenommen, wenn der Vorgesetzte Hilfestellung oder Entlastung anbietet.

Viele Mitarbeiter neigen dazu, in allem nur das Schlechte zu sehen. Sie vermuten bei ihren Vorgesetzten eine böse Absicht, wo gar keine dahintersteckt. Vorstellungen, wie etwas sein könnte, verwandeln sich in der Erinnerung in ein „So war es tatsächlich“. Tatsächliche Sachverhalte, Wahrnehmungen und emotionale Bewertung vermengen sich. Auch das festigt Vorurteile und prägt die Meinung und das Verhalten der Mitarbeiter gegenüber dem Vorgesetzten.