ArbeitszeugnisAbschlussformeln richtig deuten

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Wer die Bedeutung bestimmter Formulierungen in Arbeitszeugnissen kennt, tut sich bei der Bewertung von Bewerbern leichter.
erschienen: 19.01.2016
Schlagwörter: Arbeitsrecht, Bewerbung
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„Herr Mayer arbeitete stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Oder: „Herr Mayer arbeitete zu unserer Zufriedenheit.“ Nur zwei Wörter – hinzugefügt oder weggelassen – können bei Formulierungen in Arbeitszeugnissen den berühmten Unterschied in der Bewertung eines Mitarbeiters ausmachen. Arbeitszeugnisse beeinflussen die Entscheidungen über die Neueinstellung eines neuen Mitarbeiters ebenso wie über das berufliche Fortkommen. Vor Gericht sind sie jederzeit einklagbar. Allerdings muss der Arbeitnehmer beweisen, dass seine Leistungen besser waren als im Zeugnis beschrieben. Da in den letzten Jahren häufig Teilpassagen von Arbeitszeugnissen durch Arbeitsgerichte vorgegeben wurden, haben sich die Unternehmen verstärkt auf die komprimierte Beurteilung in den Schlusssätzen konzentriert. Damit wollen sie sichergehen, dass negative Beurteilungen beim nächsten Unternehmen auch wirklich ankommen.

Schlussformel: Entscheidendes Element im Arbeitszeugnis

Die zwei bis drei Schlusssätze im Arbeitszeugnis fassen heute oft die gesamte Bewertung über einen Mitarbeiter zusammen. Diese Sätze zu lesen reicht bei einem fachgerecht formulierten Zeugnis aus, um die Gesamtbewertung zu erkennen. Zusätzliche Erkenntnisse lassen sich nur aus der Tätigkeitsbeschreibung und bei gut geschriebenen Zeugnissen aus dem Hinweis in der Bewertung, warum das Urteil nicht so günstig ausfiel, erkennen.

Da diese Schlussformulierungen, wie etwa der Dank für die geleistete Arbeit oder die guten Wünsche für die Zukunft, nicht einklagbar sind, bleibt es dem Arbeitgeber überlassen, ob er es bedauert, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder nicht. Im Dezember 2012 bestätigte das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil, dass die Dankes- und Bedauernsformel in Arbeitszeugnissen weiterhin als freiwillige Angabe des Arbeitgebers gilt. Das Gericht ist der Ansicht, dass das Fehlen der Abschlussformel keine Auslassung im Sinne eines unzulässigen Geheimzeichens darstellt, die Formulierungssouveränität des Arbeitgebers habe weiterhin Gültigkeit.

Positive Schlusssätze erhöhten zwar die Bewerbungschancen des Arbeitnehmers, ein Zeugnis werde durch sie also aufgewertet. Daraus lasse sich aber nicht im Umkehrschluss folgern, ein Zeugnis ohne jede Schlussformulierung werde in unzulässiger Weise „entwertet“. Arbeitnehmer sind bei der Abschlussformel somit weiter an das Wohlwollen des Arbeitgebers gebunden.

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Funktionsweise der Schlussformulierungen

Am folgenden Beispiel lässt sich ablesen, dass es einfache Parallelen zu unserem Verhalten im Privatleben gibt: Wenn Gäste einer privaten Veransaltung sich verabschieden, wird der Gastgeber dies zunächst bedauern. Er wird sich bedanken, dass die Gäste gekommen sind und ihnen die besten Wünsche für die Zukunft beziehungsweise den Weg nach Hause mitgeben. So hört sich das „übersetzt“ in die Zeugnissprache bei einem überdurchschnittlichen Mitarbeiter an:

„Herr Mustermann verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern es sehr ihn zu verlieren und danken für die stets gute Mitarbeit. Wir wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“

Hierbei handelt es sich um die Standardformulierung der Note 2. Im Einzelnen gibt es verschiedene Stellschrauben beziehungsweise Bausteine, mit deren Hilfe Arbeitgeber eine deutliche Aussage über die Gesamtbewertung der Arbeitsleistung des Mitarbeiters treffen können.

Formulierungen für den Anlass der Trennung

FormulierungBedeutung
Herr Mustermann verlässt uns.Mitarbeiter hat auf eigenen Wunsch gekündigt.
Herr Mustermann verlässt uns aus betriebsbedingten Gründen.Dem Mitarbeiter wurde gekündigt. Die Gründe liegen beim Unternehmen.
Herr Mustermann verlässt uns nach Ablauf der befristeten Beschäftigungszeit.Wenn kein "leider konnten wir ihm keine weitere/andere Beschäftigung anbieten" folgt, konnte der Mitarbeiter wohl nicht überzeugen.

Formulierungen für Bedauern

FormulierungErläuterung
Wir bedauern es sehr, diesen äußerst engagierten und erfolgreichen Mitarbeiter zu verlieren (Note 1).Verstärkung mit "sehr" und kurze Begründung, warum das Ausscheiden bedauert wird; Verstärkung durch Adjektive (eine weitere Note).
Wir bedauern es sehr, diesen Mitarbeiter zu verlieren (Note 2).Verstärkung mit "sehr"
Wir bedauern es, ihn zu verlieren (Note 3).Keine Modifizierung; Bedauern hält sich in Grenzen; durchschnittliche Bewertung
Kein Bedauern (Note 4 und schlechter)Wir bedauern nicht, dass er geht.

Die endgültige Note hängt davon ab, ob ein Dank ausgesprochen wird, unterdurchschnittliche oder stark unterdurchschnittliche Bewertung. Der Zusatz „sehr“ bedeutet eine Note besser als der Durchschnitt.

Formulierungen für Dank

FormulierungErläuterung
... danken für die stets sehr gute/exzellente Mitarbeit.Verstärkung mit drei Adjektiven (Note 1)
... danken für die stets gute Mitarbeit.Verstärkung mit zwei Adjektiven (Note 2)
... danken für seine gute Mitarbeit.Einfache Verstärkung (Note 3)
... danken für seine Mitarbeit. Keine Verstärkung (Note 4)
Dank fehlt komplett.Komplett unzureichende Leistung (Note 5)

Formulierungen für Zukunftswünsche

FormulierungErläuterung
Wir wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute!Zweiteilung der Wünsche in beruflich und persönlich. "Weiterhin" deutet an, dass der Mitarbeiter großen Erfolg hatte und man glaubt, das werde auch künftig so sein (Note 1). Persönlich geht man im Guten auseinander (Verhaltensnote 3 und besser).
Wir wünschen für die Zukunft weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute!Erfolg war da, aber nicht im größeren Ausmaß oder durchgängig (Note 2-3). Persönlich geht man im Guten auseinander (Verhaltensnote 3 und besser).
Weiterhin wünschen wir Herrn Mustermann viel Erfolg und persönlich alles Gute!Achtung: "Weiterhin" ist versetzt und bedeutet: "Außerdem wünschen wir ..." Es handelt sich um eine Abwertung, die schnell überlesen wird (Note 3 insgesamt und Note 3 oder besser im Verhalten).
Wir wünschen ihm persönlich alles Gute!Mitarbeiter hatte keinen Erfolg und man glaubt auch nicht daran in der Zukunft. Persönlich ist alles in Ordnung (Note 4 insgesamt und Note 3 und besser im Verhalten).
Wir wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!Mitarbeiter hatte Erfolg (Note 2 und besser), es gab aber persönliche Probleme oder sein Verhalten war nicht einwandfrei (Note 4 und schlechter).
Keine Wünsche, weder beruflich noch persönlich.Der Bewerber hatte keinen Erfolg und wird ihn aus Sicht des Unternehmens auch künftig nicht haben (Note 4 und schlechter). Zudem verhielt er sich nicht immer korrekt (Note 4 und schlechter).

Sonderformen und Codezeichen

FormulierungErläuterung
Wir wünschen für die Zukunft viel Glück und persönlich alles Gute!"Glück" ist ein Codewort. Der Mitarbeiter braucht Glück, um künftig weiterzukommen. Ein guter Mitarbeiter aber kommt wegen seines Fachwissens und seiner Persönlichkeit weiter.
Wir wünschen für die Zukunft weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute!Erfolg war da, aber nicht im größeren Ausmaß oder durchgängig (Note 2-3). Persönlich geht man im Guten auseinander (Note 3 und besser im Verhalten).

Ein Codezeichen alleine reicht noch nicht aus, denn ein unwissender Vorgesetzter könnte dies versehentlich eingefügt haben. Wer sicher gehen will, verwendet diese Codezeichen nur in Zusammenhang mit einem zweiten Hinweis. Die Art des ersten Zeichens sagt zunächst nur: Ausschau halten nach einem weiteren Hinweis!

Wer Arbeitszeugnisse verfasst sollte darauf achten, dass solche Codewörter und -zeichen gemäß den Bestimmungen der Gewerbeordnung (GewO) als sachfremde Mittel beziehungsweise Formulierungen angesehen werden und somit verboten sind.

Fehlt die Abschlussformel komplett, ist von einer fristlosen Kündigung auszugehen, bedingt durch Leistungsverweigerung oder auch schwerwiegendes persönliches Fehlverhalten (Note 6).

Fazit

Aus Schlusssätzen können Unternehmen schon viel über den Kandidaten lernen. Die Kombination der vorgestellten Elemente ergibt insgesamt ein deutliches Bild. Unternehmen sollten also genau hinsehen. Zeugnisse sind wichtige Anhaltspunkte bezüglich der Qualifikation und der Arbeitsweise eines Bewerbers. Die Aussagekraft hängt aber auch davon ab, zu welchem Grad sich der Verfasser der Bedeutung des Zeugniscodes bewusst ist.

[Quelle: LIGHTHOUSE Personalberatung GmbH, Karlsruhe]

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