M&AChancen und Risiken beim Unternehmenszukauf

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Wenn Unternehmen wachsen wollen, können sie andere hinzukaufen. Wie Mergers & Acquisitions (M&A) gelingen und welche Risiken damit verbunden sind.
erschienen: 09.09.2015
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Für Unternehmen ist der Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen oder der Kauf eines solchen ein interessantes Thema. Wer einen Wettbewerber übernimmt, schafft sich mehr Möglichkeiten am Markt, gewinnt neue Kunden oder profitiert von dessen Know-how. Manche lösen so auch die Nachfolgeregelung in ihrem Betrieb.

StichwortMergers and Acquisitions

Mergers and Acquisitions (M&A) ist der englische Ausdruck für Fusionen und Übernahmen und ein Sammelbegriff für Unternehmenstransaktionen, bei denen sich Gesellschaften zusammenschließen oder den Eigentümer wechseln.

Die zentralen Motive, warum sich zwei Unternehmen zusammentun oder durch Kauf zusammengeführt werden, sind:

  • Erschließung neuer Märkte und Kundengruppen, wenn die beiden Unternehmen bislang in unterschiedlichen Regionen und bei unterschiedlichen Kundengruppen aufgetreten sind.
  • Verringerung des Wettbewerbsdrucks, wenn mit dem Kauf der Konkurrent am Markt verschwindet und die Kartellbehörden dem zustimmen.
  • Erwerb von Know-how oder Patenten für neue Produkte oder zur Beherrschung von Technologien und Prozessen.
  • Ausweitung der angebotenen Produktpalette, um Kunden ein breiteres Angebot machen zu können oder um Full-Service-Anbieter zu sein.
  • Erschließung von Rationalisierungspotenzialen, indem Doppelarbeiten eingespart, hohe Kosten für Forschung und Entwicklung vermieden oder bessere Konditionen bei Lieferanten ausgehandelt werden können.

Phasen des Zusammenschlusses

Kauf und Zusammenschluss sind für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Die Aufgaben für das Management sind gewaltig. Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss sind deshalb eine rechtzeitige Planung und Vorbereitung, ein klares, ausgearbeitetes Konzept sowie eine zügige Integration:

Vorbereitungsphase

Zunächst müssen Strategie, Ziele und Kernkompetenzen klar sein. Auf dieser Grundlage leiten sich potenzielle Kandidaten für eine Übernahme ab. Daraus ergeben sich dann die konkreten Chancen und Risiken für die Zukunft. Auch die gemeinsamen Stärken und Schwächen im Wettbewerb sollten im Vorfeld durchdacht werden.

Transaktionsphase

Mit der ersten Kontaktaufnahme beginnt die Transaktion. Sie umfasst die Planung der Verhandlungsstrategie und Verhandlungstaktik, die genaue Prüfung des Übernahmekandidaten, die Kommunikation mit Eigentümern und der Öffentlichkeit sowie die Vertragsgestaltung und den Vertragsabschluss.

Integrationsphase

In dieser Phase geht es um die organisatorische und kulturelle Integration. Das Management muss beweisen, dass es die anvisierten Ziele erreicht. Die Integration umfasst neue Unternehmensstrukturen, Verantwortungsbereiche, Organigramme, Prozessabläufe, die Abstimmung der Produkte, Dienstleistungen und Marken und oft auch die Entlassung von Mitarbeitern und die Neubesetzung von Management-Positionen.

Ein Problem ist: Die Unternehmen konzentrieren sich zu sehr auf die Transaktionsphase. Hier bemühen sie Investment-Banker und erfahrene M&A-Profis, um die Verhandlungen zu führen, alle Details zu prüfen (Due Diligence) und den Kaufpreis zu bestimmen. Die meisten und schwerwiegenden Fehler werden aber in der Vorbereitung und später bei der Integration gemacht.

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Risiken und Hemmnisse von M&A

Viele Unternehmen machen bei M&A-Prozessen ihre Hausaufgaben nicht. Sie vergessen, sich selbst Klarheit darüber zu verschaffen, warum sie ein anderes Unternehmen kaufen wollen. Erfolgreiche Akquisiteure starten daher mit einer Investment-Hypothese – einer Kernaussage darüber, wie der Erwerb eines bestimmten Unternehmens Wert schaffen soll. Hierin erklären sie, warum und wie eine Akquisition das eigene Kerngeschäft entscheidend verbessert. Letztlich müssen auch die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen mitziehen, zumindest die, die bleiben sollen. Deshalb muss schnell klar sein, mit wem das Management plant.

Der Knackpunkt bei Unternehmenszusammenschlüssen ist allerdings das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Firmenkulturen und Organisationsstrukturen. Die Betriebswirte können im Vorfeld noch so große Synergiepotenziale berechnen – wenn die Mitarbeiter nicht wollen, wird der Erfolg ausbleiben. Denn: Oft fühlen sich die Mitarbeiter als Verlierer der Akquisition. Sie bangen um ihren Arbeitsplatz und fürchten, nur noch Vorgaben des beherrschenden Unternehmens umsetzen zu müssen. Nicht selten leisten sie dann heimlich oder offen Widerstand.

Ein Beispiel: BMW musste nach der Fusion mit Rover eine herbe Niederlage einstecken. Nach wenigen Jahren trennten sich die Wege der beiden Unternehmen wieder. Die Folge: Milliardenverluste. Dem Münchner Autobauer gelang es nicht, sein Know-how auf eine völlig andere Organisation, Logistik und Kunden-Klientel zu übertragen.

Voraussetzungen für erfolgreiche M&A

Erfolgreiche Zusammenschlüsse zeichnen sich oft dadurch aus, dass das Top-Management alle wichtigen Aufgaben in einem Integrationsteam bündelt. Dort sitzen Vertreter beider Unternehmen, die einerseits ihre jeweiligen Anforderungen einbringen, andererseits für die Umsetzung in ihren Unternehmen Sorge tragen.

Das Integrationsteam definiert zunächst die individuellen Integrationsziele. Dabei handelt es sich um Aspekte wie Strategie, Geschäftsentwicklung oder Synergien, Performance oder Unternehmenskultur. Hier wird entschieden, wer das zentrale Controlling, Rechnungswesen oder die Personalverwaltung übernimmt, wie die Informationstechnik zusammengeführt werden kann oder wie die Produktpalette und der Vertrieb harmonisiert werden. Fast immer gibt es dabei Konflikte. Wenn die nicht gelöst werden können, entscheidet das übergeordnete Management. Es steuert die Integration und nimmt die Ergebnisse ab.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen können von M&A profitieren. Ob bei einem Bäcker, der die Filialen seines Wettbewerbers übernimmt, einem Maschinenbauer, der sich das Know-how eines Zulieferers einkauft oder einem Software-Unternehmen, das bei einem großen Partner unterschlüpft: Immer ist eine geplante und zielgerichtete Vorgehensweise wichtig. Folgende Aspekte sind essenziell:

Strategieplanung

Strategische Vorteile mit einem potenziellen Partner herausarbeiten.

Partnerwahl

Potenzielle Übernahme- oder Fusionskandidaten sorgfältig auswählen.

Verhandlung und Vertragsgestaltung

Firmenwerte sachgerecht bewerten.

Herausarbeiten der gemeinsamen Stärken

Gemeinsame Marktbearbeitung planen.

Integrationsteam

Mitarbeiter aus beiden Unternehmen, die sich um alle Fragen der organisatorischen und kulturellen Zusammenführung kümmern.

Klare Entscheidungen

Mitarbeitern Sicherheit geben und eindeutig kommunizieren.

Aufgabenverteilung 

Alle Prozesse und Verantwortungsbereiche neu gestalten.

Zusammenwachsen der Organisationskulturen

Zeit einplanen, damit sich Mitarbeiter und ihre Kultur angleichen können.

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