VisualisierenMit Bildern und Skizzen Probleme verständlich machen

Bilder und Skizzen veranschaulichen Probleme grafisch. Die Technik: einfache Elemente wie Formen oder Linien geschickt verbinden. Wichtig dabei ist, das Problem in Einzelteile zu zerlegen.
erschienen: 14.04.2015
Schlagwörter: Präsentieren, Kreativität
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Manche Menschen können einen Sachverhalt oder ein Problem visualisieren. Auf einem weißen Blatt Papier erstellen sie schnell eine Zeichnung und erklären ihrem Mitarbeiter oder Kollegen, warum etwas nicht funktioniert, wie eine Lösung aussehen könnte oder was bei einem Projekt alles zu beachten ist. Gleichwohl tun sich viele auch schwer, ihre Gedanken in einem Bild zu ordnen. Irgendwo zwischen Kindergarten und Schulabschluss ist ihnen das Selbstvertrauen abhanden gekommen zu zeichnen. Dabei geht es im beruflichen Umfeld gar nicht darum, ein Kunstwerk abzuliefern. Der Zeichner will sich ausschließlich besser verständlich, Dinge klar sichtbar machen oder Zusammenhänge aufzeigen.

Einfache Elemente für die Visualisierung

Damit das Visualisieren eines Problems funktioniert, braucht es die richtigen Werkzeuge. Dabei handelt es sich zunächst einfach um Bleistift und Papier. Manche bevorzugen lose Seiten, ein Notizbuch oder entwickeln ihre Bilder – vor allem in Besprechungen – direkt auf dem Flipchart oder dem Whiteboard.

Weil Visualisierungen nur eine Hilfe für unsere eigenen Gedanken und für die Kommunikation mit anderen sein sollen, müssen sie so einfach wie möglich sein. Es geht gerade nicht darum, Kunstwerke zu erstellen, sondern die Grundformen des Skizzierens richtig und schnell einzusetzen. Wenn Sie folgende Elemente zeichnen können, können Sie Probleme, Ideen, Lösungen oder allgemeine Sachverhalte visualisieren:

  • Einfache Grundformen wie Rechteck, Dreieck, Kreis, Quadrat oder Balken
  • Linien und Pfeile
  • Einfache Gesichter oder Strichmännchen
  • Gegenstände wie etwa Computer oder Formular
Mögliche Grundformen des Skizzierens. Quelle: business-wissen.de
Mögliche Grundformen des Skizzierens. Quelle: business-wissen.de

Schritt für Schritt zur fertigen Skizze

So wie Sie aus Buchstaben Wörter und Sätze bilden und damit Ihre Gedanken zu Papier bringen, so können Sie aus diesen Elementen Ihre Gedanken und Ideen in einem Bild sichtbar machen. Genauso wichtig wie das Zeichnen ist es, auch beim Entwickeln der eigenen Gedanken Schritt für Schritt vorzugehen. Mit dem so genannten visuellen Denkprozess lässt sich jedes Problem bearbeiten. Vier Schritte gehören dazu:

Sehen

Sie sehen etwas, das Ihre Aufmerksamkeit erregt. Zum Beispiel ein Defekt an einem Produkt oder einer Maschine, ein Kunde, der sich beschwert oder ein Kollege, der etwas von Ihnen möchte.

Betrachten

Sie schauen sich die Sache genauer an. Sie erkennen, ob es Ihnen vertraut vorkommt, ob Gemeinsamkeiten bestehen, wie groß, wie schnell oder wo genau es passiert. Sie befassen sich mit dem Sachverhalt, um mehr zu erfahren und um eine mögliche Lösung zu erkennen.

Vorstellen

Sie erkennen die Zusammenhänge, Ursachen und wichtige Einflussfaktoren. Im Kopf entsteht eine Idee, eine mögliche Lösung. Sie sortieren alles zu einem stimmigen Bild. Wenn etwas fehlt, betrachten Sie den Sachverhalt an der Stelle noch einmal genauer. So kommen Sie zu einer Lösung im Zwiegespräch mit sich selbst.

Zeigen

Sie stellen diese Lösung vor. Sie sprechen über Ihre Idee oder präsentieren, was Sie herausgefunden haben und wie die Lösung aussehen könnte. Sie diskutieren über das Lösungsschema, das Sie in Form eines Bildes entwickelt haben.

In diesem Prozess der Lösungsfindung kommt hauptsächlich das Auge als Sinnesorgan ins Spiel. Gerade deshalb ist es entscheidend, in allen vier Prozessstufen möglichst viel oder alles zu skizzieren. Grundlage dafür ist, die eigene Wahrnehmung zu schulen und zu lernen, genau hinzusehen und auf Details zu achten. Die lässt sich zum Beispiel trainieren, indem Sie Fotos anschauen: Was fällt Ihnen auf? Notieren Sie so viele Details wie möglich. Vergleichen Sie, was ein anderer Mensch auf demselben Foto wahrnimmt.

Die sechs Fragen des Betrachtens

Im Verlauf dieses visuellen Denkprozesses kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Damit lässt sich ein komplexes Problem in einzelne Teile zerlegen. Grund: Beim ersten Sehen erkennt man oft noch nicht, um was es eigentlich geht. Deshalb müssen Sie im zweiten Schritt genauer hinsehen und dabei folgende Fragen beantworten:

  • Wer und was ist zu sehen?
  • Wie viel ist zu sehen?
  • Wo spielt es sich ab?
  • Wann tritt es in Erscheinung und für wie lange?
  • Wie funktioniert es?
  • Warum ist es so, wie wir es sehen?

Thema und beteiligte Personen klären

Mit der ersten Frage klären Sie das Thema und welche Personen dabei alles betroffen oder beteiligt ist. Sie klären die Rollen dieser Personen und grenzen das Problem ein, indem Sie nur die wichtigen Dinge berücksichtigen und alles andere ausgrenzen.

Fakten betrachten

Dann betrachten Sie Zahlen und Daten. Sie machen sich ein Bild davon, um wie viele Elemente - zum Beispiel verkaufte Produkte, Umsätze oder betroffene Mitarbeiter, Kunden oder Maschinen – es sich handelt. Das lässt sich meist in Balken- oder Torten-Diagrammen darstellen.

Zeit und Ort klären

Die nächsten Fragen zielen auf Zeit und Ort ab. Was zu erkennen ist, wird in eine zeitliche Reihenfolge gebracht:

  • Was war zuerst?
  • Was kommt danach?
  • Wie viel Zeit vergeht?
  • Wo passiert etwas?
  • Welche Abstände bestehen?
  • Hat alles seinen richtigen Platz oder ist es verschoben, verändert oder vertauscht?
  • Welche Richtung hat es eingeschlagen oder sollte es einschlagen?

Mit diesen Fragen können Sie auch klären, welche Termine wichtig sind und welche Priorität haben.

Funktionsweise klären

Wenn sichtbar wird, wie einzelne Elemente zusammengehören, lassen sich Fragen zur Funktionsweise klären:

  • Was passiert, wenn etwas Bestimmtes geändert wird?
  • Wie reagieren die Menschen?
  • Wie funktioniert die Maschine?
  • Wie will es der Kunde?

Ziele und Bedeutung klären

Die Frage nach dem Warum ist übergreifend und hat das Ganze im Blick. Warum geschieht etwas? Warum ist das wichtig? Hier wird nach Zielen und nach der Bedeutung gefragt. So lassen sich Sachverhalte besser beurteilen und bewerten und es können Empfehlungen abgegeben werden.

Wenn Sie Ihren Vorgesetzten, Kollegen oder Mitarbeitern ein Problem oder eine Lösung durch anschauliche Bilder darstellen wollen, dann orientieren Sie sich wieder an den oben genannten sechs Fragen des Betrachtens. Sie sind die Grundlage für die Visualisierung. Die wichtigen Elemente sind:

Porträt

Mit einem Portrait beschreiben Sie die Sache oder die Personen qualitativ (Was und wer?).

Diagramm

In Diagrammen (zum Beispiel Balken- oder Torten-Diagramm) beschreiben Sie quantitativ (Wie viele?).

Landkarte oder Schaltplan

In einer Landkarte, einem Schaltplan, einem Organigramm oder einem Belegungsplan zeigen Sie, wo sich etwas abspielt (Wo?).

Zeitplan oder Balkenplan

Mit einem Zeitplan, einzelnen Prozessschritten oder einem Balkenplan (Gantt-Diagramm) werden logische Reihenfolgen und zeitliche Abläufe sichtbar (Wann?).

Strukturbild

Ursache-Wirkungs-Beziehungen lassen sich in Strukturbildern abbilden. Das können wiederum Schaltpläne, Bauanleitungen oder Flussdiagramme sein (Wie?).

Portfolio-Abbildung

Mit Portfolio-Abbildungen lässt sich darstellen, welche Ziele und Strategien verfolgt werden können. Ein Blick in die Zukunft wird möglich. Hier werden zwei oder mehr Faktoren in einen Zusammenhang gebracht (Warum?).

Für die Zielgruppe passend visualisieren

Es spielt auch eine Rolle, wie diese unterschiedlichen Aspekte präsentiert werden. Es geht um einen roten Faden für die Visualisierung. Maßgeblich dafür ist die eigene Idee, das Ziel, das man selbst verfolgt und die Zielgruppe, der man seine Idee vorstellen und visualisieren will:

  • Soll es nur um allgemeine Zusammenhänge oder um Details gehen (einfach oder ausführlich)?
  • Soll es eher um die Merkmale eines Sachverhalts gehen oder eher um Mengen (Qualität oder Quantität)?
  • Geht es um das Ziel oder um einzelne Schritte dorthin, also die Durchführung?
  • Soll der Sachverhalt für sich beschrieben oder sollen Bezüge zu anderen, vergleichbaren Sachverhalten hergestellt werden?
  • Geht es darum, den Wandel in den Vordergrund zu stellen oder soll der Status quo betont werden?

Mit diesem Modell zeigen Sie Möglichkeiten auf und machen Lösungen sichtbar. Sie setzen die Schwerpunkte so, wie es für Ihre Zielgruppe am besten ist. Das bedeutet, die Regler zwischen Einfachheit und Ausführlichkeit oder zwischen Qualität und Quantität so einzustellen, wie es Ihre Zielgruppe erwartet. Beispiel: Eine Visualisierung für den Vorstand setzt andere Schwerpunkte (mehr Einfachheit, Vision und Wandel) als die für einen Kollegen aus dem Controlling (mehr Details, Zahlen oder Vergleiche).

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