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Entscheidungsfindung

Entscheidungssituation klären

Bevor eine Entscheidung getroffen werden kann, müssen Sie die Entscheidungssituation klären. Damit verbunden sind eine Reihe von Fragen:

  • Was soll entschieden werden?
  • Welche Gründe oder welche Auslöser haben dazu geführt, dass Sie sich jetzt entscheiden müssen?
  • Welche Ziele verfolgen Sie mit der Entscheidung? Welche Präferenzen, Wünsche, Werte, Bedarfe spielen eine Rolle?
  • Wer ist von der Entscheidung betroffen und wessen Unterstützung brauchen Sie?
  • Welche Alternativen und Auswahlmöglichkeiten gibt es, über die Sie entscheiden können? Haben Sie jetzt eine echte Wahlmöglichkeit? Lassen sich die Alternativen verbessern?

Mit Ihren Antworten auf diese Fragen beschreiben Sie die Entscheidungssituation. Sie erkennen damit auch, welche Entscheidungstechniken notwendig sein könnten und wie das Verfahren ablaufen sollte. Entscheidungen haben einen konkreten Auslöser. Meistens sind das Probleme, die aufgetaucht sind. Man kommt auf seinem Weg nicht mehr voran, wenn beispielsweise die Umsätze stagnieren, die Verkaufszahlen zurückgehen, ein Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat oder die alte Maschine ihren Geist aufgegeben hat. Hin und wieder sind es aber auch neue Ideen des Managements oder der Mitarbeiter, die eine Entscheidung erforderlich machen: „Wir könnten doch mal …“ Die Urheber sehen darin meist Chancen, Ziele besser, schneller oder einfacher zu erreichen.

Stellen Sie sich zunächst die drei Kernfragen:

  • Können Sie die Entscheidung treffen?
  • Dürfen Sie die Entscheidung treffen?
  • Müssen Sie die Entscheidung treffen?

Nur wenn es drei klare „Ja“ als Antwort gibt, ist eine Entscheidung von Ihnen gefordert. Doch auch dann kann es noch einige Einschränkungen geben, die soweit wie möglich zu klären sind. Ist die Problemstellung überschaubar? Hängen andere Entscheidungen damit zusammen (jetzt oder später)? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber, um die Entscheidungssituation möglichst gut zu erkennen.

Ziele und Bedarfe erkennen und benennen

Der wichtigste Aspekt bei der Klärung der Entscheidungssituation sind die Ziele. Eine Entscheidung kann nur getroffen werden, wenn der Entscheider weiß, was er will. Wenn die Ziele klar sind. Doch Ziele sind nicht einfach da. Sie leiten sich zum Beispiel ab aus:

  • der Vision und Mission des Unternehmens,
  • Werten des Managements und der Mitarbeiter,
  • persönlichen Präferenzen und Wünschen,
  • konkreten Bedarfen, Anforderungen und Notwendigkeiten.

Welche Ziele dabei für Ihre spezifische Entscheidungssituation maßgeblich sind, müssen Sie daraus herleiten. Häufig ergeben sich diese aus den übergeordneten Unternehmenszielen. Aber auch die Ziele einzelner Stakeholder können eine Rolle spielen, insbesondere dann, wenn deren Interessen direkt von der Entscheidung betroffen sind. Wie Sie Ihre Ziele herleiten können und wie diese formuliert sein sollten, lernen Sie in unserer Lösungshilfe zur Balanced Scorecard:

Balanced Scorecard: Mit den richtigen Kennzahlen Strategien umsetzen

Eng verknüpft mit den Zielen sind die Bedarfe. In ihnen spiegelt sich auch die konkrete Situation, in der die Entscheidung getroffen werden soll, wider. Wenn Sie diese kennen, haben Sie schon eine weitreichende Entscheidungsklarheit hergestellt. In seiner Entscheiderbibel schlägt Kai-Jürgen Lietz vor, die Bedarfe aus folgenden Bereichen abzuleiten:

  • Was lehren frühere Entscheidungssituationen? Wo wurden die eigenen Bedarfe nicht angemessen berücksichtigt?
  • Was sind die Auslöser für die Entscheidung? Welche Probleme oder Chancen lassen sich erkennen?
  • Was sind die eigenen Bedürfnisse und Wünsche? Wie betroffen sind Sie selbst als Entscheider?
  • Was wird von der Entscheidung alles beeinflusst? Welche Konsequenzen hat sie?
  • Wie groß ist der zeitliche Druck?
  • Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?
  • Wer ist von der Entscheidung alles betroffen? Welche Interessen verfolgen sie? Welche Bedürfnisse und Wünsche haben sie?
  • Welche Spielräume gibt es? Wovon hängt die Entscheidung ab?

Klären Sie für Ihre Entscheidungssituation: Welche Ziele sind wichtig? Welche Bedarfe haben Sie?




Besonders hilfreich ist es, wenn Sie zu Ihrer Entscheidungssituation die zentrale Kernfrage finden, die es auf den Punkt bringt. Sie lautet etwa so: Wie schaffe ich es, dass … Wenn Sie sich Ihre Ziele, Bedarfe und Ihre Kernfrage klar machen, können Sie später auch anderen Ihre Entscheidung sehr gut erklären und begründen.

Formulieren Sie die Kernfrage für Ihre Entscheidungssituation:




Beispiele

  • Situation: Kauf eines anderen Unternehmens
    Kernfrage: Wie schaffe ich es mit dem Kauf von A, dass sich unser Marktanteil auf B Prozent erhöht?
  • Situation: Entwicklung eines neuen Produkts
    Kernfrage: Wie schaffe ich es, dass wir mit dem neuen Produkt C die Zielgruppe D als Kunden gewinnen?
  • Situation: Einstieg in einen fremden Markt
    Kernfrage: Wie schaffe ich es, dass wir auf dem Markt E Fuß fassen und dort profitabel agieren.
  • Situation: Anschaffung einer teuren Maschine oder eines EDV-Systems
    Kernfrage: Wie schaffe ich es, dass mit der Anschaffung von F die Prozesse besser werden.

Entscheidungs- oder Bewertungskriterien ableiten und festhalten

Aus den Zielen und Bedarfen leiten sich die Ergebnisse ab. Sie benennen: Was soll möglichst konkret erreicht werden.

Die Ergebnisse können formuliert werden als:

  • erwünscht,
  • neutral (es soll bleiben, wie es ist),
  • unerwünscht.

Hilfreich ist dabei, wenn Sie folgende Fragen im Blick haben:

  • Machen Sie einfach eine Wunschliste; alles, was Ihnen einfällt.
  • Überlegen Sie: Welche Auswirkungen hat das auf andere? Was wünschen Sie sich für diese?
  • Was wäre eine ideale Lösung? Was ist daran besonders verlockend?
  • Was wollen Sie unbedingt vermeiden? Was wäre der „Worst Case“?
  • Wie würden Sie die Entscheidungssituation einem Außenstehenden erklären?

Daraus leiten Sie dann im nächsten Schritt die Bewertungskriterien ab, die der Maßstab und eine zentrale Grundlage sind für die Entscheidung. Dazu fassen Sie einzelne Ergebnisse zu Gruppen zusammen, so dass sich diese Kriterien gut voneinander abgrenzen lassen. Diese Gruppen sollten so gewählt sein, dass sie sich möglichst nicht überschneiden und entsprechend ihrer Bedeutung und ihrem Gewicht vertreten sind.

Beispiel

Bei der Anschaffung einer neuen Maschine spielen folgende Ergebnisse eine Rolle: Anschaffungskosten, Schulungskosten, Betriebskosten, Qualität der damit produzierten Teile, Bedienbarkeit durch den Maschinenführer, Energieverbrauch, Flexibilität bezüglich unserer eingesetzten Werkzeuge, …

Sie fassen alle Ergebnisse zusammen, die sich auf Kosten beziehen; bilden also aus Anschaffungskosten, Schulungskosten, Betriebskosten eine Gruppe als Bewertungskriterium: Kosten.

Sie können die Bewertungskriterien miteinander vergleichen und gewichten. So erkennen Sie, ob Ihre Auswahl ausgewogen ist, alle Ziele abdeckt und Ihren Bedarfen entspricht. Nutzen Sie dafür diese Arbeitsvorlage:

Stellen Sie nun die konkreten Bewertungskriterien für Ihre Entscheidungssituation zusammen.




Fassen Sie die Entscheidungssituation zusammen:

Ziel

 

Auslöser

 

Kernfrage

 

gewünschte Ergebnisse

 

neutrale Ergebnisse

 

unerwünschte Ergebnisse

 

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