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Finanzplanung

Finanzplan als Planungs- und Steuerungsinstrument

Voraussetzung eines guten Finanzplans ist, dass die Geschäftsplanung und alle anderen Teilplanungen stimmig und verlässlich sind. Der Finanzplan leitet sich aus der Unternehmensstrategie und der Geschäftsentwicklung (Business-Plan) ab. Wichtig ist, dass Risiken der Geschäftsentwicklung rechtzeitig erkannt und in die Planung einbezogen werden. Risiken können sich durch Investitionsprojekte ergeben, die sich verzögern, die nicht vollständig umgesetzt werden oder die teurer werden als geplant. Wenn das Unternehmen schnell wächst, steigt der Kapitalbedarf meist überproportional an; die Aufwandsstruktur verändert sich.

Auf der operativen Ebene ergeben sich Finanzierungsprobleme durch hohe Mittelbindung in Umlaufvermögen, unangemessene Zahlungsziele, mangelhaftes Forderungsmanagement oder Ausfallrisiken. Außerdem werden Steuernachzahlungen oft nicht berücksichtigt. Diese Risiken werden von Unternehmern oft unterschätzt oder in der Finanzplanung nicht abgebildet.

Hinweis

Für die Finanzplanung ist die sogenannte fristenkongruente Finanzierung wichtig. Sie besagt, dass sich der Zeitpunkt, zu dem Kapital dem Kapitalgeber zurück bezahlt werden muss, mit dem Zeitpunkt decken sollte, zu dem auch die entsprechenden Rückflüsse aus der Investition erfolgen.

Langfristige Finanzplanung: Den Kapitalbedarf decken

Mit dem langfristigen und kurzfristigen Finanzplan kann die Steuerung des Unternehmens bezüglich der Zahlungsströme verbessert werden. Dabei zeigt die langfristige Planung auf, welcher grundsätzliche Kapitalbedarf besteht. So ist klar, welche finanziellen Voraussetzungen grundsätzlich vorhanden sein müssen, damit das Unternehmen überlebensfähig ist. Der Kapitalbedarf muss durch Eigenkapital oder Fremdkapital gedeckt sein.

Für mögliche Unternehmungen und Investitionen wie

  • Unternehmensgründung,
  • Produkteinführung,
  • Expansion in neue Märkte oder
  • Einführung neuer Technologien

lässt sich so ein Kapitalbudget zusammenstellen. Das setzt sich aus verfügbarem Eigenkapital und Fremdkapital zusammen. Das Eigenkapital erwartet eine Mindestrendite, Fremdkapital muss verzinst werden. Diese Gesamtkapitalkosten werden den erwarteten Renditen aus den Unternehmungen und Investitionen gegenübergestellt. Daraus lassen sich Höhe und Zusammensetzung des Kapitalbudgets ableiten:

  • Die Höhe des Kapitalbudgets ergibt sich daraus, dass aus Sicht des Finanzmanagements nur solche Unternehmungen und Investitionen getätigt werden sollten, deren Rendite über den Gesamtkapitalkosten liegt, die für sie anfallen.
  • Die Zusammensetzung des Kapitalbudgets leitet sich aus der Höhe der erwarteten Eigenkapitalrendite, aus der Höhe der Fremdkapitalzinsen sowie aus dem Steuersatz des Unternehmens ab. Dazu wird mit der sogenannten Weighted-Average-Cost-of-Capital-Methode (WACC) berechnet, bei welcher Zusammensetzung die Gesamtkapitalkosten am geringsten sind.

Die Anwendung beider Regeln wird auch als Ausnutzung des sogenannten Leverage-Effekts bezeichnet. Ob es wirklich eine optimale Zusammensetzung aus Eigenkapital und Fremdkapital gibt, ist bei Experten umstritten. In jedem Fall sind viele Unwägbarkeiten, Chancen, aber auch Risiken, damit verbunden. Unternehmungen und Investitionen werden nicht nur aus Sicht des Finanzmanagements beurteilt, sondern auch aus strategischer Sicht. Gleichwohl gilt: Ohne Kapital kann nicht investiert werden.

Der Businessplan als Grundlage der Finanzplanung

Mit den folgenden beiden Arbeitsvorlagen (zahlreiche Excel-Tabellenvorlagen) entwickeln Sie Schritt für Schritt Ihren Businessplan, der Grundlage für den Kapitalbedarf und die Finanzplanung ist.

Inhalte der einzelnen Tabellen sind:

  • Erlösplanung
  • Planung Anlagevermögen
  • Personalplanung
  • Fixplanung
  • Steuerplanung
  • Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
  • Bilanz
  • Bewegungsbilanz
  • Kapitalflussrechnung

Welche Ziele verfolgen Sie mit der langfristigen Finanzplanung?




Kurzfristige Finanzplanung: Bedarfsspitzen erkennen und Deckungslücken ausgleichen

Für die meisten Unternehmen geht es bei der Finanzplanung vor allem um die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit und um die Liquidität. Dabei hilft der kurzfristige Finanzplan. Er zeigt auf, zu welchem Zeitpunkt der Bestand an verfügbaren finanziellen Mitteln (Kasse oder Girokonto) nicht mehr ausreicht, um die Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Solche Deckungslücken können immer wieder auftreten. Doch es gibt Möglichkeiten, sie zu vermeiden. Zunächst ist wichtig, die Liquidität in Blick zu behalten, aus denen sich die Spielräume für die Zahlungsfähigkeit ergeben. Hier spielen drei Kennzahlen eine entscheidende Rolle:

Liquidität 1. Grades

 

= Liquide Mittel : kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades

 

= Geldvermögen (liquide Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere) : kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 3. Grades

 

= Umlaufvermögen (liquide Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere + Vorräte) : kurzfristige Verbindlichkeiten

Viele Zahlungen sind zeitlich fixiert und lassen keinen oder nur sehr wenig Spielraum zu. Das sind insbesondere die Auszahlungen für Steuern und Sozialabgaben, aber auch die Auszahlungen für Gehälter. Andererseits gibt es auch Einzahlungen und Auszahlungen, die zeitlich verschoben oder verteilt werden können, sodass Deckungslücken reduziert werden können. Beispiele sind auf der Seite der Einzahlungen:

  • mit Kunden Anzahlungen vereinbaren,
  • das Zahlungsziel für die Kunden verkürzen (durch Skonto),
  • Mahnwesen verbessern,
  • Forderungen verkaufen (Factoring).

Beispiele bei den Auszahlungen sind:

  • Lieferantenrechnungen später bezahlen (Lieferantenkredit),
  • Marketing- oder Werbeaktionen verschieben,
  • günstigere Anbieter suchen,
  • Privatentnahmen oder Gewinnauszahlungen aufschieben,
  • Anlagen leasen statt kaufen,
  • Anlagen verkaufen und dann wieder zurückleasen (Sale and Lease Back),
  • Kurzarbeit mit Mitarbeitern vereinbaren.

Deckungslücken können auch durch Kredite überbrückt werden. Wichtigste Kreditgeber sind die Banken. Bevor sie einen Kredit zur Verfügung stellen, prüfen sie die Bonität (Rating) und die Kreditdienstfähigkeit des Kreditnehmers. Daraus leitet sich ab, ob überhaupt und zu welchen Konditionen ein Kredit zur Verfügung gestellt wird. Übliche Formen der Kreditvergabe durch Banken sind:

  • Darlehen: Es wird langfristig ein Darlehen zur Verfügung gestellt, mit dem bei Bedarf Deckungslücken geschlossen werden können.
  • Kontokorrentkredit: Wer eine Deckungslücke hat, kann kurzfristig und bis zu einer maximalen Höhe sein Konto überziehen.

Wichtig ist, dass diese Kredite immer wieder ausgeglichen werden können – zum Beispiel innerhalb eines Jahres. Ansonsten sollte der Kapitalbedarf durch langfristiges Kapital gedeckt werden. Je kurzfristiger Kapital zur Verfügung gestellt wird, desto teurer ist es im Allgemeinen. Deshalb sollten die Finanzierungsbedingungen regelmäßig überprüft werden.

Zahlungsströme optimieren

Wer tagesgenau plant, kann seine Zahlungsströme optimieren. Allerdings sollte der Aufwand dafür im angemessenen Verhältnis zum Ertrag stehen. Immer sollte man nach dem Prinzip der Sicherheit vorgehen. Die Annahmen bei der Planung sollten so vorsichtig wie möglich sein und auf realistischen und objektiven Tatbeständen basieren; Einzahlungen können erst dann wirklich eingeplant werden, wenn der Kundenauftrag vorliegt. Je näher der Planungszeitraum bei der Gegenwart liegt, desto genauer sollte die Planung sein. Um Unvorhergesehenes zu bewältigen, sollten Puffer eingeplant werden.

Dann können Geldüberschüsse auch zielgerichtet genutzt werden: Kurzfristige Anlage in festverzinsliche und flexibel veräußerbare Anlageformen, mittelfristige Anlage in sichere Wertpapiere. Langfristig können Rückstellungen für wichtige Investitionen gebildet werden.

In der folgenden Übersicht haben wir einige finanzwirtschaftliche Kennzahlen zusammengestellt. Wer sie regelmäßig überprüft, kann seine Planungen verbessern, Auszahlungen verringern und Kapitalkosten minimieren:

Working Capital Management

Im Umlaufvermögen des Unternehmens ist oft viel Kapital gebunden. Durch sogenanntes Working Capital Management lässt sich Liquidität freisetzen. Dabei wird gezielt nach allen Möglichkeiten gefahndet, wie die Bindung von Geld in Umlaufvermögen reduziert werden kann. Nach einer Studie der Unternehmensberatung KPMG stehen für die Unternehmen dabei insbesondere im Mittelpunkt:

  • Reduzierung der Lagerbestände,
  • Verbesserung des Forderungsmanagements.

Auch hier werden entsprechende Finanzkennzahlen genutzt, um Schwachstellen aufzuzeigen und Verbesserungen anzustoßen.

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