Asien-KniggeGeschenke für asiatische Geschäftspartner

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Was sollten westliche Firmenvertreter über Geschenke in Asien wissen? Welche Geschenke sind wann angezeigt und was schenkt man besser nicht?
erschienen: 23.03.2015
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In Asien gehören Geschenke zu einer geschäftlichen Beziehung dazu. Westliche Firmenvertreter sollten deshalb wissen, was sie in welcher Situation schenken sollten und welche Geschenke sie besser nicht mitbringen.

Welche Bedeutung haben Geschenke in Asien?

Überall in Asien ist die Pflege der Beziehungen zwischen den Menschen ein wichtiger Garant für ein funktionierendes soziales und berufliches Miteinander. Gegenseitige Zuwendungen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Man spricht deshalb auch von einer Reziprozitätskultur, also einem gegenseitigen Geben und Nehmen, wobei die Bilanz immer ausgeglichen sein muss.

Verpflichtende Präsente gibt es nicht nur innerhalb des Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreises. Auch der Vorgesetzte erwartet zum Beispiel in China ein Geburtstagsgeschenk mit einem relativ hohen Gegenwert. Nicht selten summieren sich diese Verpflichtungen dann auf die Hälfte des monatlichen Einkommens. In Japan wiederum gibt es bestimmte Geschenke zu bestimmten Anlässen. Da man weiß, was man erhält, packt man es gar nicht aus, sondern schenkt es bei entsprechender Gelegenheit weiter.

Worauf sollten westliche Firmen bei Geschenken in Asien achten?

Asienverantwortliche in westlichen Unternehmen müssen einen Spagat bewältigen: Auf der einen Seite stehen die engen und strengen Vorschriften der eigenen Firma (Compliance). Zu wertvolle Zuwendungen sind verboten, weil man hierzulande schnell mit einem Bestechungsvorwurf konfrontiert wird. Auf der anderen Seite werten asiatische Geschäftspartner knauserige Geschenke als Signal für mangelndes Interesse an ihnen. Das kann den Aufbau einer guten Geschäftsbeziehung verhindern. Westliche Firmenvertreter sollten es deshalb vermeiden, Werbepräsente der eigenen Firma zu verschenken. Vor allem dann, wenn diese auch noch in Fernost gefertigt wurden.

In China etwa gibt es Besonderheiten bei Kundenveranstaltungen und Pressekonferenzen. Hier erwarten die Teilnehmer selbstverständlich ein Taschengeld. Chinesische Journalisten werden die Pressekonferenz eines ausländischen Unternehmens also nur dann besuchen, wenn sie einen entsprechenden Obolus erhalten.

Welche Geschenke sind beim ersten Besuch angebracht?

Oft muss man Geschäftspartner beschenken, die man bisher nur über die Kommunikation per E-Mail oder Telefon kennt. Die sicherste Wahl in einer solchen Situation sind zum Beispiel Bildbände aus der eigenen Herkunftsstadt oder der Heimatregion. Je nach Lokalität gibt es diese mittlerweile auch in Englischer Sprache oder sogar auf Chinesisch beziehungsweise Japanisch.

Daneben sind Mitbringsel aus dem lokalen Kunsthandwerk wie etwa Bierkrüge oder Souvenir-Teller eine relativ sichere Möglichkeit, den asiatischen Geschäftspartner zu erfreuen. Vorsicht ist jedoch bei kulinarischen Spezialitäten wie beispielsweise Nürnberger Lebkuchen oder Aachener Printen geboten. Nicht immer treffen diese Produkte den Geschmack der Geschäftspartner in Fernost.

Für männliche Geschäftspartner ist dagegen Hochprozentiges eher geeignet. Zu beachten sind dabei aber auch die jeweiligen Glaubenstabus. Für Moslems in Indien, Pakistan, Malaysia oder Indonesien sind alkoholische Getränke daher keine gute Idee. Für einen Besuch in China, Südkorea oder Japan hingegen dürfen es aber schon einmal ein guter Cognac oder auch lokale Schnapsspezialitäten sein.

Geschenke sollten generell qualitativ hochwertig sein und einen Bezug zum Herkunftsland haben. Selbst wenn wir bestimmte Geschenkartikel vielleicht als kitschig einstufen, treffen diese oft den Geschmack der asiatischen Geschäftspartner.

Welche Geschenke sind für langjährige Geschäftspartner angezeigt?

Bei langjährigen Geschäftspartnern oder Kollegen, mit denen bereits eine längere Zusammenarbeit besteht, sollten sich westliche Firmenvertreter an deren persönlichen Vorlieben orientieren. Dazu ist es hilfreich, deren Hobbies und Interessen zu kennen. Um das herauszufinden, helfen gemeinsame Essen oder auch Freizeitaktivitäten, bei denen es sich nach den persönlichen Vorlieben fragen lässt.

Wenn asiatische Geschäftspartner zu Besuch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind, kann man deren Vorlieben herausfinden. Zum Beispiel, welche nationalen oder lokalen Spezialitäten ihnen besonders gut schmecken. Solche persönlichen Geschenke, die dann beim nächsten Besuch in Asien mitgebracht werden, treffen mitten ins Herz des asiatischen Geschäftspartners. Er merkt, dass er wichtig ist, und dass sein westlicher Geschäftspartner sich Gedanken macht, worüber er sich freuen würde. Viele Asiaten mögen zum Beispiel deutsche Autos. Ein entsprechendes Modell des jeweiligen Traumautos könnte ein solch passendes Geschenk sein.

Bei Geschenken sollte aber auch die jeweilige Hierarchie im asiatischen Unternehmen berücksichtigt werden. Der Inhaber eines Unternehmens erhält ein wertvolleres Präsent als der Produktionsleiter oder die Sekretärin.

Was sollte man asiatischen Geschäftspartnern niemals schenken?

Zum einen Uhren. Sie signalisieren vor allem in China oder auch bei Auslandschinesen in Südostasien die ablaufende Lebenszeit. Eine Ausnahme ist die Schwarzwälder Kuckucksuhr. Auch eine Rolex-Uhr werden asiatische Geschäftspartner wohl eher nicht zurückweisen.

    Messer zerschneiden nicht nur in Deutschland, Österreich oder der Schweiz die Freundschaft. Zudem könnten sie als schlechtes Omen für scheiternde Verhandlungen gewertet werden. Erlaubt ist hingegen ein rotes, original Schweizer Taschenmesser oder auch sonstige international bekannte Marken. Grundsätzlich jedoch sind Messer als Mitbringsel nicht die erste Wahl .

    Auch Blumen sind in fast allen asiatischen Ländern problematisch. Bei privaten Einladungen würde die Dame des Hauses an eine Beerdigung erinnert und vielleicht fälschlicherweise annehmen, man wünsche ihr den Tod. Regenschirme haben in China und Singapur die Bedeutung, den anderen nie wieder sehen zu wollen. Den hierzulande oft beliebten Regenschirm mit Firmenlogo sollten westliche Firmenvertreter also vermeiden.

    Ein absolutes No-Go sind grüne Hüte beziehungsweise Trachten-Hüte oder auch Mützen. Sie sind in China das Symbol für einen betrogenen Ehemann.

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Über die Autorin
Dr. Hanne Seelmann-Holzmann

Dr. Hanne Seelmann-Holzmann ist Expertin für interkulturelles Management in Asien und Inhaberin von Dr. Seelmann Consultants. Die Autorin und Rednerin publizierte zahlreiche Fachartikel und mehrerer Bücher rund um das Thema „Geschäftserfolg in Asien“.

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