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KISSKeep it short and simple

Lange verschachtelte Sätze mit vielen Fachausdrücken - das führt oft zu Verständnisproblemen. Besser ist die KISS-Methode, denn damit wird die Kommunikation schneller, kürzer und einfacher.
erschienen: 29.12.2009

„KISS“ ist nicht nur in Beziehungen wichtig, sondern auch in der Kommunikation. „KISS“ steht dabei nicht für ein Bezeugen von Zuneigung, sondern für eine wichtige Kommunikationsformel. „KISS“ kommt aus dem Englischen und bedeutet: „Keep It Short And Simple“. Das heißt also, wir sollten uns kurz und einfach ausdrücken.

Das lernt man natürlich in der Schule, in der Weiterbildung oder beim Studium ganz anders. Möglichst lange, verschachtelte Sätze wirken intellektuell und zeugen von großer Bildung. Warum sonst sprechen Juristen, Politiker, Beamte oder viele Chefs in den herrlichsten Satzkonstruktionen?

Also, meines Erachtens, sollten Sinn und Zweck der Kommunikation sein, dass mich mein Gesprächspartner versteht und ich somit erreiche, dass meine Botschaft ankommt. Aber sind wir ehrlich, wie schnell schaltet unser Gehirn ab, wenn wir endlosen Sätzen und Monologen zuhören müssen? Bei höchster Aufmerksamkeit und wenn wir einen Satz schriftlich vor uns sehen, gelingt es uns vielleicht über 2-3 Zeilen am Schluss noch zu wissen, was am Anfang des Satzes gesagt wurde. Aber im Verkaufsgespräch, bei Vorträgen, im Gespräch mit Mitarbeitern sind endlose Schachtelsätze absolut unangebracht.

Fachausdrücke und Fremdwörter

Das Gleiche gilt auch für Fachchinesisch oder Fremdwörter, sofern es einfachere, verständliche Wörter gibt. Muss ich von Clientsupport sprechen, wenn ich Kundendienst meine?Brauche ich unbedingt einen key account manager? Warum gehe ich zu einem Meeting oder cancel einen Termin. Auch wirkt ein Verkäufer für mich nicht schlauer, wenn er im Verkaufsgespräch mit Fachausdrücken um sich wirft, die kaum ein Kunde verstehen kann. (Brauche ich „high precision injection“ bei einem Auto – vielleicht, wenn ich wüsste, was das bedeutet?)

Natürlich gilt das nicht, wenn ich vor einem Fachpublikum spreche oder einen wissenschaftlichen Vortrag halte. Nur, das kommt in der normalen Kommunikation recht selten vor.

Ich möchte damit keinesfalls jedes Fremdwort verteufeln: Ein Handy muss kein „tragbares Telefon“ sein, ein Laptop ist kein „Klapprechner“. Wo es sinnvoll und allgemeinverständlich ist, sind und Fremdwörter durchaus angebracht.

Beim Reden an den Zuhörer denken

Warum gibt es so viele Menschen, die sich nicht an „KISS“ halten?

  • Vielleicht wollen Sie intellektueller wirken, als der Gesprächspartner. Das halte ich aber in den wenigsten Gesprächssituationen für sinnvoll.
  • Oder es ist ihnen egal, ob und was der Gesprächspartner versteht? Das ist auch wenig sinnvoll, wenn ich mit meinem Gespräch etwas erreichen will.
  • Oder es ist einfach Gedankenlosigkeit und (schlechte) Gewohnheit.
  • Natürlich kann auch eine gewisse Unsicherheit dahinter stecken. Wenn ich mir bei etwas nicht sicher bin, versuche ich das durch eine intellektuelle Wortwahl zu verdecken.
  • Vielleicht ist es in manchen Berufs – und Bevölkerungsgruppen auch zu Statussymbol geworden, um dazu zu gehören. Mir macht es gerade dann Spaß, „einfach“ zu  reden!

Je einfacher ich es meinem Gesprächspartner mache, mich zu verstehen, desto eher erreiche ich auch das, was ich mit meiner Aussage bezwecke.

KISS bedeutet, kurze klare Sätze, ohne unnötige Füllwörter. Klare verständliche Aussagen.

KISS bedeutet auch, meinen Gesprächspartner zu achten und ihm die Chance zu geben mich zu verstehen, ohne sich besonders anzustrengen. (Er kann sich dann mehr auf den Sinn und den Inhalt konzentrieren!)

KISS bedeutet für mich auch, selbstbewusst und ehrlich überzeugt vom meiner Aussage zu sein.

Den Gesprächspartner entlarven

Sollten Sie einem Gesprächspartner begegnen, der mit Fachchinesisch um sich wirft, fragen Sie ihn doch einmal, was das bedeutet. Im besten Fall steckt keine Absicht dahinter und Ihr Gesprächspartner bemüht sich ab sofort, keine unverständlichen Ausdrücke mehr zu verwenden.

Entlarvend kann das Ganze aber werden, wenn „Verwirrungsabsicht“ dahinter steckt oder ihr Gesprächspartner selbst nicht so genau weiß, was er da gerade gesagt hat!

[Bild: sabri deniz kizil - Fotolia.com]

Über den Autor
Kai Heß

Kai Heß studierte Jura und arbeitete danach als Vertriebsleiter beim zweitgrößten deutschen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen. Seit 2004 ist er Inhaber und Trainer bei ZTN.

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