KörperspracheNonverbale Kommunikation richtig interpretieren

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Verschränkte Arme bedeuten Ablehnung. Diese gängige Interpretation stimmt nicht unbedingt. Bei der Interpretation von Körpersignalen kommt es immer auf die Situation und den Zusammenhang an.
erschienen: 15.01.2016
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Körpersprache hat etwas Geheimnisvolles. Wohl deswegen liest man in vielen Zeitschriften immer wieder über sie und ihre Deutungsmöglichkeiten. Doch oft sind Halbwahrheiten darunter und Fehlinterpretationen können die Folge sein. Dennoch ist es nützlich, einige Grundlagen der Körpersprache zu kennen.

Kongruenz

Mit einer vorschnellen Interpretation und Deutung nonverbaler Signale beim Gesprächspartner sollten man vorsichtig sein. Genauso verhält es sich mit dem bewussten Einsatz der Körpersprache, um Andere zu täuschen. Nur sehr guten Schauspielern gelingt das.

Damit sind wir bei einem der wichtigsten Grundsätze der Körpersprache: der Kongruenz. Kongruenz bedeutet das Übereinstimmen von verbaler und nonverbaler Aussage. Nicht kongruent bin ich dann, wenn das, was ich sage, nicht meiner (inneren) Meinung entspricht. Wenn ich beispielsweise einen Kunden von einem Produkt überzeugen will, mit dem ich mich nicht identifiziere. Oder als Führungskraft meine Mitarbeiter für etwas begeistern soll, hinter dem ich selbst nicht stehe.

Wenn wir zum Beispiel versuchen, unserem Gegenüber mit Worten Recht zu geben und dabei den Kopf schütteln, wird uns das nicht so ohne Weiteres gelingen. Worte lassen sich dabei zwar noch so formulieren, dass wir gute Argumente finden. Für unsere nonverbalen Signale wird es jedoch schon viel schwerer. Wir haben dann Probleme, dem Gesprächspartner in die Augen zu schauen, kratzen uns verlegen an der Nase oder im Nacken, suchen Halt an einer Stuhllehne oder Schutz hinter dem Schreibtisch. Unser Gesprächspartner erkennt diese Inkongruenz unbewusst.

Eigene Körpersprache beobachten

Bei der Körpersprache läuft viel unbewusst ab. Wir nehmen unbewusst Signale des Anderen wahr und senden gleichfalls unbewusst eigene Signale. Hierbei kann es hilfreich sein, zunächst bei sich selbst zu beginnen, solche nonverbalen Signale zu beobachten:

  • Wie verhalte ich mich, wenn ich in einem Gespräch unsicher werde?
  • Schaue ich meinen Gesprächspartner immer noch an oder blicke ich zu Boden?
  • Signalisiere ich Offenheit, indem ich aufrecht sitze oder stehe und offene Gesten zeige (zum Beispiel Zeigen der Handinnenfläche)?
  • Signalisiere ich Unsicherheit, indem ich meine Hände in der Hosentasche verberge?
  • Signalisiere ich meinem Gegenüber Interesse, indem ich eine offene Sitzposition einnehme und beispielsweise meine Hände auf den Tisch lege?
  • Lehne ich mich lässig zurück, verschränke die Arme und signalisiere damit Zurückhaltung oder sogar Arroganz?

Fehlinterpretationen

Gerade das Thema „verschränkte Arme“ wird immer sehr schnell fehlinterpretiert. Verschränkte Arme sollen dann Verschlossenheit und Abwehr bedeuten. Das kann so sein, muss aber nicht. In Wirklichkeit ist diese Haltung zunächst einmal sehr bequem. Im Gegensatz zum vorschnellen Urteil der ablehnenden Haltung kann das auch heißen: Ich höre dir interessiert zu und sperre dazu meine eigenen Aktivitäten. Bei Zuhörern eines Vortrages sind verschränkte Arme also nicht unbedingt ein negatives Signal. Fakt ist jedoch: Verschränkte Arme signalisieren in keinem Fall Aktivität. Insoweit sollten wir diese Haltung bewusst reduzieren, wenn unser Gesprächspartner Aktivität von uns erwartet wie etwa im Verkauf, beim Bewerbungsgespräch oder in einem Workshop.

Gesamtzusammenhang beachten

Eine Geste kann völlig verschieden interpretiert werden. Insoweit ist es wichtig, immer den Gesamtzusammenhang zu beobachten. Und hierbei ist es besonders wichtig, schnelle Veränderungen wahrzunehmen. Sitzt mein Gesprächspartner während meiner Präsentation interessiert da, ist er offen und lehnt sich gerade in dem Moment zurück und verschränkt die Arme, in dem ich ihm den Preis nenne? Dies lässt sich durchaus als Ablehnung deuten. Doch auch hier sollte immer der  Gesamtzusammenhang beachtet werden: Ist es eine dauerhafte, neue Haltung oder kommt ein zufriedenes Strahlen der Augen dazu? Dies kann auch eine zufriedene Zustimmung signalisieren.

Es ist viel schwerer, nonverbale Signale zu beherrschen oder zu verändern als die verbale Kommunikation. Gerade bei Stress und Hektik verfallen Viele wieder in die alten Gewohnheiten. Trotzdem hilft es, wenn man sich seiner Eigenheiten und deren Bedeutung bewusst wird und mehr darauf achtet. Das Ziel sollte sein, unsere Körpersprache dazu zu nutzen, ein positives Gesprächsklima herzustellen und alles zu vermeiden, was dieses Klima belasten könnte.

Körpersprache richtig einsetzen

  • Persönliche Distanzzonen wahren

Jeder Mensch braucht im Gespräch seinen persönlichen Abstand. Diesen sollte man in einem Gespräch auch wahren. Armlänge ist die „Intimzone“. Vorsicht also mit Schulterklopfen oder In-den-Arm-nehmen!

 

  • Gleiche Ebene suchen

Wichtig ist auch, mit seinem Gesprächspartner die gleiche Ebene einzunehmen: Wenn er sitzt und man selbst nah neben oder vor ihm steht, kann das bedrohlich auf ihn wirken. Umgekehrt fühlen wir uns unwohl, wenn wir zum Gesprächspartner aufschauen müssen.

 

  • Sitzhaltung beobachten

Wer mittig und aufrecht oder auf dem Stuhlrand mit gegebenenfalls wippenden Füßen sitzte, signalisiert: Ich fühle mich nicht wohl und würde gerne ausreißen

 

  • Flirt-Trick einsetzen

Ein leicht schräg geneigter Kopf signalisiert Interesse und Vertrauen.

 

  • Haltung kontrollieren

Oberkörper nach hinten kann Desinteresse oder Überlegenheit signalisieren. Ist der Oberkörper aufrecht oder leicht nach vorn geneigt, bedeutet das Interesse.

 

  • Fremden Bereich respektieren

Vorsicht mit großflächigem Ausbreiten von Unterlagen auf dem Schreibtisch Anderer. Das Eindringen in den fremden „Herrschaftsbereich“ ist problematisch.

 

  • Dominante Gesten vermeiden

Ein gestreckter Zeigefinger oder Stift, der auf den Gesprächspartner zeigt, wirken bedrohlich. Allgemein gilt das für alle Gesten, die von oben nach unten durchgeführt werden.

 

  • Worte mit Gesten unterstützen

Das Gesagte sollte auch durch Gestik und Mimik unterstützt werden: Ein Lächeln wenn der Gesprächspartner von etwas begeistert werden soll. Dosierte Armbewegungen (oberhalb der Taille) und gelegentliche Schritte wirken aktiv und dynamisch.

 

  • Offene Hand zeigen

Eine geballte Faust wirkt aggressiv. Vertrauen erweckend wirken offene Gesten mit sichtbaren Handinnenflächen, die zum eigenen Körper hin ausgeführt werden.

Über den Autor
Kai Heß

Kai Heß studierte Jura und arbeitete danach als Vertriebsleiter beim zweitgrößten deutschen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen. Seit 2004 ist er Inhaber und Trainer bei ZTN.

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