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Risikomanagement

Abwehrstrategien

Viele Unternehmen kennen nur zwei Risikostrategien: Ein Risiko gar nicht erst eingehen oder es ignorieren. Beide sind gefährlich. Denn wenn das Unternehmen zu große Vorsicht walten lässt und jedes Risiko vermeidet, kann es viele Chancen verpassen. Wenn es Risiken eingeht und diese dann ignoriert, kann das noch gefährlicher sein. Dabei gibt es auch hier Möglichkeiten, mit dem Risiko aktiv umzugehen. Es lassen sich drei Strategien unterscheiden: Risiken lassen sich

  1. bewusst übernehmen;
  2. gezielt minimieren;
  3. an Dritte übertragen.
Risikostrategien
Risikostrategien

Alle vier Risikostrategien können kombiniert angewendet werden. Es ist im Einzelfall abzuwägen, welche Strategie die unternehmerisch und wirtschaftlich sinnvolle ist. Beispielsweise kann es vorteilhaft sein, die Produkthaftung zu versichern, anstatt sehr aufwändige Maßnahmen zur Minimierung von produktbezogenen Schäden durchzuführen.

Welche Risikostrategien werden in Ihrem Unternehmen verfolgt? Nennen Sie Beispiele.




Risiken bewusst übernehmen

Für manche Unternehmen ist es die beste Strategie, bei den eigenen Kernkompetenzen zu bleiben, die eigenen Stärken zu entwickeln, die Position zu sichern und im vertrauten Umfeld zu wachsen. Gleichwohl müssen auch solche Unternehmen sich immer wieder auf neue Bedingungen einstellen. Denn das Umfeld und die Märkte können sich ändern.

Viele Unternehmen reagieren proaktiv darauf, indem sie sich verändern, Innovationen planen und umsetzen oder neue Märkte erschließen. Das gehört zum üblichen unternehmerischen Auftrag: Chancen und Potenziale in der Zukunft erkennen und für sich nutzen. Die Kehrseite der Medaille: Man geht immer ein Risiko ein.

Im üblichen Fall wird dies bewusst übernommen. Investitionen für Forschung und Entwicklung oder für eine neue Vertriebsniederlassung in China werden gezielt getätigt, auch wenn niemand sagen kann, ob sie sich amortisieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dabei auch falsch investiert. Das Risiko gehört zum Geschäft und spiegelt sich darin wieder, dass die Kosten und Erlöse des Unternehmens dies mit abdecken.

Wenn Manager entscheiden sollen, welche Risiken sie bewusst eingehen wollen, machen sie oft den Fehler, dass sie scheinbar bekannte Risiken schneller eingehen als unbekannte. Was einem vertraut erscheint, wird als weniger gefährlich eingeschätzt als völlig Unbekanntes – auch wenn objektive Zahlen eine ganz andere Sprache sprechen.

Aus diesem Grund kann es durchaus lukrativ sein, ein Risiko einzugehen, das andere als groß einschätzen, das aber doch ein hohes Chancen-Potenzial besitzt. Das lässt sich auch kalkulieren:

  1. Jede Investition in ein Geschäft kann mit spezifischen Kennzahlen zur Wirtschaftlichkeit wie Return on Investment, Cashflow oder Amortisation bewertet werden. Kosten und Erträge lassen sich ermitteln.
  2. Sie unterliegen aber auch einem Unsicherheitsfaktor/ Risiko, das durch spezifische Risikokennzahlen ausgedrückt werden kann – zum Beispiel Value at Risk.
  3. Beide Kennzahlen können nun in eine Beziehung gesetzt werden. Diese Kennzahlen werden auch als risikoadjustierte Performancemaße bezeichnet.

Diese Kennzahlen geben keine Sicherheit, da sie nur Wahrscheinlichkeiten ausdrücken. Insofern grenzen sie nur die Entscheidungsunsicherheit ein und verbessern die Entscheidungsqualität. Es lassen sich unternehmerische Fragen besser beantworten. Zum Beispiel:

  • Welches Geschäft ist sinnvoll?
  • Ist ein Geschäft vorteilhafter als ein anderes?
  • Lassen sich beide Geschäfte realisieren?
  • Bis zu welchem Umfang können bei gegebener Ressourcenausstattung riskante Geschäfte aufgenommen werden?

Welche Risken werden bewusst übernommen? Mit welchen Kennzahlen wird das Risiko gemessen? Wie fließen diese in Entscheidungen ein?




Wenn ein Unternehmen mehrere riskante Geschäfte unternimmt, müssen sich die Einzelrisiken nicht addieren. Manche gleichen sich auch aus. Auf diesen Effekt bauen die Unternehmen mit Diversifikation, die also unterschiedliche Produkte verkaufen oder Geschäftsbereiche betreiben. Sie können von der Umfeldentwicklung in unterschiedlicher Form profitieren oder auch darunter leiden.

Risiken gezielt minimieren

Ein Unternehmen kann ein Risiko dann am besten selbst tragen, wenn es das Risiko einschätzen und quantifizieren kann oder wenn es das Risiko besser als andere managen kann. Voraussetzung dafür ist, dass es über zusätzliche und umfassende Informationen verfügt und diese auch nutzen, das heißt in Unternehmensprozesse integrieren kann. Das funktioniert nur dann, wenn es die notwendigen Prozesse realisiert und beherrscht.

Beispiel Produkthaftung

Wenn ein Kunde bei der Anwendung oder Nutzung eines Produkts einen Schaden erleidet, kann das Unternehmen dafür haftbar gemacht werden. Durch besondere Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Prüfung von Produkten im Herstellprozess oder bei der Anwendung beim Kunden kann das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit sicherstellen, dass ein Schaden nicht entsteht.

Hier ist besonders wichtig, dass das Unternehmen die kritischen Prozesse beherrscht und gesonderte Prozesse definiert hat, die direkt dazu beitragen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos oder der daraus resultierende Schaden minimiert wird. Das kann unter anderem durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Flexibilität in Logistik, Fertigung und Distribution,
  • strenge Prüfkriterien,
  • häufige Prüfung der Produktion bzw. Leistungserstellung,
  • regelmäßige Wartung und Instandhaltung,
  • Einsatz von Frühwarnsystemen,
  • Schaffung von Redundanzen,
  • Maßnahmenplan für den Notfall.

Welche Maßnahmen werden in Ihrem Unternehmen ergriffen, um Risiken zu minimieren?




Um Risiken zu minimieren, können Simulationen helfen. Prozesse und mögliche Fehler werden im vornherein durchgespielt; Schäden werden ermittelt und Gegenmaßnahmen können geplant werden.

Risiken an Dritte übertragen

Versicherungen haben sich darauf spezialisiert, Risiken von anderen zu übernehmen und für mögliche Schäden aufzukommen. Sie können dies, weil sie meist über umfassende Informationen und Bewertungsmodelle verfügen, um Risiken besser zu messen und kalkulieren zu können. Durch die Vielzahl ihrer Kunden können sie das Risiko breiter streuen. Schließlich haben sie eine höhere Risikotragfähigkeit, da sie Zahlungen bei Schäden auf einen längeren Zeitraum verteilen. Dies entspricht dem Prinzip der Prämienzahlung durch den Versicherungsnehmer.

Ein Unternehmen kann mit einer entsprechenden Versicherung sein Risiko transferieren, also an den Partner übertragen. Die Bedingungen und Möglichkeiten dafür müssen in den meisten Fällen ausgehandelt werden. Hier spielen Verhandlungsgeschick und Marktmacht eine Rolle.

Auch der Staat tritt als Versicherung am Markt auf. Er trägt beispielsweise besonders hohe Risiken (Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge). Aber auch in anderen Bereichen hat er ein Sicherungssystem etabliert. So werden mit den so genannten Hermes Bürgschaften Zahlungsausfälle bei Exporten ins Ausland abgesichert.

Risiken lassen sich in der Wertschöpfungskette auf andere Unternehmen abwälzen. Beispiele:

  • Lieferanten tragen das Marktrisiko ihrer Kunden, wenn sie sich verpflichten, nicht verkaufte Waren zurückzunehmen (Kommission) oder wenn sie großzügige Zahlungsziele einräumen.
  • Kunden tragen das Risiko, indem beispielsweise langfristige Verträge geschlossen werden (Mobilfunkkunden) oder Risiken in Vertragsbedingungen aufgenommen werden (soweit gesetzlich zulässig). Außerdem können Risiken in die Preise integriert werden.
  • Wettbewerber tragen das Risiko, wenn sich Unternehmen bei großen Projekten mit ihren Wettbewerbern zusammentun und damit das Risiko gemeinsam tragen (Beispiel: ARGE beim Bau).

Schließlich können Risiken auch auf die Märkte übertragen werden. Viele exportabhängige Unternehmen tragen ein zum Teil erhebliches Wechselkursrisiko (z.B. US-Dollar zu Euro). Sie sichern sich mit so genannten Termingeschäften ab. Das bedeutet, sie lassen sich einen bestimmten Wechselkurs in der Zukunft heute schon zusichern, so dass sie mit festen Zahlen kalkulieren können. Die Finanzindustrie hat dafür eine Vielzahl von Instrumenten erfunden, die unter dem Begriff Hedging bekannt sind.

StichwortHedging

Hedging steht für ein Finanzgeschäft zur Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen. Das Unternehmen geht dazu eine weitere Transaktion ein, die mit der zugrunde liegenden Transaktion umgekehrt gekoppelt ist.

Mit dem Factoring verkaufen Unternehmen ihre Forderungen gegenüber Kunden zu einem festen Preis an einen Partner, der damit das Ausfallrisiko übernimmt.

Solche Finanzinstrumente sind vor allem darauf ausgerichtet, operative Risiken eines Unternehmens einzugrenzen oder eindeutig kalkulierbar zu machen.

Erstellen Sie eine Liste aller Risiken, die Sie an Dritte übertragen haben. Wie lauten die Bedingungen/ Kosten? Welche Restrisiken bestehen?




Wer Risikomanagement beherrscht, kann daraus ein lukratives Geschäftsfeld machen. Zum einen kann er Risiken eingehen, wo andere Unternehmen und Wettbewerber sich nicht trauen und die Ertragspotenziale ausschöpfen. Zum anderen kann er Risiken von anderen übernehmen und sich dies als Dienstleistung bezahlen lassen.

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