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Kreativität steigern

Die Organisationskultur fördert oder hemmt die Kreativität

Die Kultur im Unternehmen hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie kreativ die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen sind. Sie ergibt sich aus dem Selbstverständnis und dem Führungsstil der Vorgesetzten und der Zusammenarbeit im Team. Das schafft sogenannte kreative Felder. Diese können in der Organisationsstruktur verankert werden – bis hin zum Konzept Design Thinking.

Kreative Felder schaffen

Die unmittelbare Umgebung und das Betriebsklima beeinflussen die Kreativität der Mitarbeiter. Hier spielt die Organisationskultur eine große Rolle. Welche Werte gelten in Bezug auf kreative Menschen, ihre Ideen und die Möglichkeit, diese im Unternehmen einzubringen? Sind die Menschen bereit, ihr Wissen zu teilen? Werden Fehler toleriert? Sind sie offen für Neues?

Wer kreativer ist, der einzelne Mitarbeiter oder das Team, das wird ebenfalls durch Betriebsklima und Organisationskultur beeinflusst. Wenn diese Rahmenbedingungen förderlich sind, dann sagen die Experten, dass Kreativität vor allem ein Ergebnis des Zusammenwirkens von mehreren Personen ist. Ein Team im passenden Umfeld hat demnach wesentlich mehr Kreativitätspotenziale als ein Einzelner. Olaf-Axel Burow nennt dies „kreative Felder“ und beschreibt sie so:

Das kreative Feld zeichnet sich durch den Zusammenschluss von Persönlichkeiten mit stark unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten aus, die eine gemeinsame Vision verbindet: Zwei (oder mehr) unverwechselbare Egos, die sich trotz ihrer Verschiedenheit ihres gemeinsamen Grundes bewusst sind, versuchen in einem wechselseitigen Lernprozess ihr kreatives Potenzial gegenseitig hervorzulocken, zu erweitern und zu entfalten. … Kreative Persönlichkeiten können nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn sie in einem geeigneten Umfeld arbeiten, das folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Komplexität der Tätigkeit
  • nicht-autoritativer Führungsstil
  • unterstützende Vorgesetzte
  • anregende Arbeitskollegen
  • kreative Konkurrenz (motivierende Herausforderungen)

Die folgende Abbildung 4 zeigt das Zusammenspiel der unterschiedlichen Elemente in einem kreativen Feld.

Abbildung 4: Kreatives Feld und damit verbundene Fragestellungen
Abbildung 4: Kreatives Feld und damit verbundene Fragestellungen

Strukturelle Bedingungen und Möglichkeiten für Kreativität

Kreativität setzt keine großen Geldmittel voraus, aber eine Fülle von Faktoren haben auf sie Einfluss, negative und positive. Sie kommen in den unterschiedlichen Phasen der Problemlösung zur Geltung. Die folgende Abbildung 5 zeigt die Faktoren der Organisation, die einen großen Einfluss auf das Kreativitätspotenzial eines Unternehmens haben können.

Abbildung 5: Einflussfaktoren im Kreativitätsprozess
Abbildung 5: Einflussfaktoren im Kreativitätsprozess

Der erfahrene Mitarbeiter wird nicken. „Alles weiche Faktoren!“, wird er murmeln und wissen, dass sie oft schwerer wiegen als Beton und Stahl. „Aber was tun“, fragt er sich vielleicht, um die Kreativität heute zu verbessern? Schließlich haben wir ein dringendes Problem zu lösen.

Das Problem mit dem Problem

Abbildung 5 zeigt, dass der kreative Prozess mit der Problemwahrnehmung startet. Das Problem ist da. Die Geschäftsleitung hat das Problem so eindeutig benannt, dass alle es wahrnehmen mussten. Die Aufgabe der Problemlösung wurde ebenso gestellt. Das Team, das sich um die Problemlösung kümmern soll, hat zuerst recherchiert, ob anderswo Lösungen für ein gleichgeartetes Problem existieren. Es hat nichts gefunden. Das Team hat die Problemformulierung überprüft, weil es schon einmal passiert ist, dass an einer falschen Problemstellung gearbeitet wurde. Seitdem setzt es die Technik Progressive Abstraktion zur Kontrolle ein.

Oft ist die Problemstellung nicht scharf. Jeder hat bei dem Problem etwas Anderes gedacht und folglich gemacht. Um das zu verhindern, braucht es für die jeweilige kreative Problemlösung ein gemeinsames Ziel. Es gibt vor, worauf die Kreativität ausgerichtet sein soll. Es stiftet Sinn und Zweck für den gemeinsamen Kreativitätsprozess und spannt damit einen Lösungsraum auf, der wiederum die Herausforderung für die Kreativität darstellt. Hilfreich für den Kreativitätsprozess ist, wenn die Ziele

  • anspruchsvoll sind,
  • bildlich sind,
  • eine Richtung vorgeben,
  • ohne durch Lösungsansätze schon einzuengen.

Im Unternehmen steht aus diesem Grund am Anfang eines Kreativitätsprozesses ein klarer Auftrag. Er umfasst

  • die ausführliche Beschreibung der Ausgangssituation
  • die Problemformulierung und Aufgabenstellung
  • Hintergründe, ergänzende Informationen über Produkt, Markt, Prozess, Personen – alles, was das Aufgabenfeld betrifft
  • die Zielsetzung

Damit erst ist das Problem klar. Im nächsten Schritt finden die ersten Teambesprechungen statt. Ohne Lösungsansätze. Bis einer sagt: Machen wir doch ein Brainstorming! Außer dem berühmt-berüchtigten Herumprobieren ist Brainstorming die meistbemühte Kreativitätstechnik.

Mit Design Thinking neue Rahmenbedingungen schaffen und Kreativität fördern

Seit einigen Jahren macht das Konzept Design Thinking Furore. Damit soll Unternehmen, die bislang wenig mit einer „kreativen Organisation“ anfangen konnten, das Denken der kreativen und innovativen Branchen vermittelt werden. Manager sollen von kreativen Berufen, von Architekten, Designern und Künstlern, lernen und so innovative und bessere Konzepte und Produkte entwickeln.

StichwortDesign Thinking

Design Thinking ist eine Denkhaltung, Arbeitsweise, Einstellung, Methodensammlung und auch ein Innovationsprozess, der immer von den Menschen und ihren Bedürfnissen ausgeht. In dessen Verlauf werden verschiedene Kreativitätsmethoden angewendet, die divergierendes und konvergierendes Denken unterstützen. Das Konzept besagt, man solle sich die Arbeitsweise und Vorgehensweise von kreativen Menschen, wie Architekten, Designer oder Künstler anschauen und davon lernen. Design Thinking wird in der Ausbildung von Managern gelehrt und in Unternehmen als Modell für die Vorgehensweise bei der Produktentwicklung genutzt.

In der Praxis wird Design Thinking als Prozess realisiert. Die entscheidenden Schritte sind:

  1. Erkenne das Problem
  2. Beobachte die Menschen, wie sie bislang mit dem Problem umgehen
  3. Generiere viele Ideen
  4. Entwickle Prototypen
  5. Teste mit den Anwendern

Praxis

Prüfen Sie die Rahmenbedingungen in Ihrem Unternehmen und Ihrer Organisation. Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat Kreativität? Ist diese oft, gelegentlich oder gar nicht notwendig?

Organisation und kreatives Klima

Wie sehr ist das sogenannte „kreative Feld“ in Ihrem Bereich ausgeprägt. Klären Sie dazu:

  • Wie komplex und veränderlich sind Ihre Tätigkeiten?
  • Welcher Führungsstil wird bei Ihnen gepflegt?
  • Inwiefern unterstützen die Führungskräfte kreative Prozesse und neue Ideen?
  • Wie ist die Stimmung im Team? Erhalten Sie Anregungen von Ihren Kollegen?
  • Gibt es einen spielerischen Wettbewerb der besten Ideen im Team (kreative Konkurrenz, motivierende Herausforderungen)?

Sie können mit dem folgenden Fragebogen eine einfache Selbsteinschätzung durchführen.

Sammeln Sie Ihre Eindrücke anhand der Fragen in der folgenden Übersicht:

Kreative Räume

Für kreative Prozesse spielt die unmittelbare Umgebung eine große Rolle. Prüfen Sie, ob Ihr Büro und Besprechungsräume für kreative Prozesse geeignet sind. Nutzen Sie dazu die folgende Checkliste:

Problembewusstsein als Auslöser für kreative Prozesse

Am Anfang eines kreativen Prozesses steht ein Anlass, Auslöser oder ein mehr oder weniger handfestes Problem.

  • Sind die Probleme in Ihrem Bereich sichtbar und allen bewusst?
  • Werden Sie als solche wahrgenommen?
  • Gibt es Übereinstimmung, dass das Problem gelöst werden muss?
  • Ist geklärt, ob die Lösung für das Problem einfach und klar ist (Routineaufgabe) – oder ist allen klar, dass die Lösung auf herkömmlichen Wege nicht ausreicht oder nicht gefunden werden kann?

Nutzen Sie für die Problemerkennung und für eine erste Problembearbeitung die folgende Methode der Progressiven Abstraktion:

Formulieren Sie dann das Problem oder die Aufgabe, die Sie so ermittelt und eingegrenzt haben als Auftrag für Ihr Team, der dann in einem kreativen Prozess bearbeitet und gelöst werden muss. Nutzen Sie für die Problemformulierung und Auftragsbeschreibung die folgende Vorlage. Damit machen Sie allen klar, worum es gehen soll.

Beachten Sie: Das soll keine Aufforderung sein, das Problem zu einer Formalie zu machen! Es geht nicht darum, ein Formular auszufüllen. Vielmehr soll die Vorlage dabei helfen, das Problem besser zu verstehen und für alle verständlich und anschaulich zu machen.

Design Thinking anwenden

Prüfen Sie schließlich, ob das Konzept Design Thinking für Ihr Unternehmen attraktiv sein kann. Machen Sie sich mit dem Konzept vertraut. Hier zwei Beispiele:

Design Thinking: Denkhaltung, Prozess und Methode

Design Thinking: Der Prozess anhand eines Beispiels aus der Praxis

Design Thinking kann vor allem dann hilfreich sein, wenn es um die Entwicklung komplexer Systeme geht. Das können sein:

  • neue Produkte
  • neue Prozesse
  • neue Technologien

Klären Sie, in welchen Bereichen Ihres Unternehmens solche Systeme oder Produkte entwickelt oder verändert werden und besprechen Sie mit den Verantwortlichen, inwiefern Design Thinking hilfreich sein kann.

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