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Kreativitätstechniken

Kreativitätstechniken

Im Mittelpunkt des Kreativitätsprozesses stehen so genannte Kreativitätstechniken. Sie sollen helfen, das kreative Potenzial der Mitarbeiter – bzw. der Anwender der jeweiligen Technik – zu bergen und zu nutzen.

Meistens werden die Kreativitätstechniken in einer Arbeitsgruppe eingesetzt. Dazu arbeiten etwa drei bis sieben Personen gemeinsam an einer Fragstellung und wenden eine (oder mehrere) der folgenden Methoden an. Dem entsprechend ist es hilfreich, die Methoden im Rahmen eines Workshops anzuwenden.

Voraussetzung ist immer, dass alle Teilnehmer umfassend über die Aufgabenstellung informiert sind und möglichst viele Informationen dazu haben. Außerdem ist hilfreich, wenn die Teilnehmer aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen bzw. unterschiedliches Wissen und individuelle Erfahrungen mitbringen können.

Hinweis

Fast alle Kreativitätstechniken setzen voraus, dass man bei ihrer Anwendung in drei Schritten vorgeht

* Beschreibung und Definition des Problems bzw. der Aufgabenstellung: Alle sind sich einig darüber und haben ein gemeinsames Verständnis, worum es geht.

* Kreativ-/Fantasie-Phase: Ideen werden gesammelt, möglichst viele, möglichst unterschiedliche – ohne Bewertung oder Diskussion.

* Diskussion, Auswahl, Bewertung: Alle Ideen werden erläutert, diskutiert, kommentiert und strukturiert sowie bewertet oder ausgewählt für die weitere Analyse.

Es ist außerordentlich wichtig, dass diese drei Schritte immer strikt voneinander getrennt werden!

Brainstorming

 

Brainstorming ist eine einfache und praktikable Kreativitätstechnik. Sie brauchen Kreativität immer dann, wenn Sie ein Problem haben, für das es bislang keine Lösung gibt. Um so mehr kommt es dann auf die richtige Gestaltung des Prozesses an, um eine gute Lösung zu finden.

Der Prozess der Problemlösung hat vier Schritte:

  1. Vorbereitung: Beschreiben Sie das Problem so genau wie möglich. Formulieren Sie die Randbedingungen. Beschreiben Sie die Ursachen, die zu dem Problem geführt haben.
  2. Inkubation: Das ist die Zeit, in der Sie mit dem Problem schwanger gehen. Reden Sie mit möglichst vielen Menschen über Ihr Problem. Holen Sie deren Meinung ein. Schlafen Sie darüber. Überlegen Sie frei, assoziieren Sie. Untersuchungen zeigen, dass der Mensch bei Spaziergängen in der Natur am kreativsten ist. Viele Ideen kommen auch in langweiligen Sitzungen. Anderen fällt es morgens beim Duschen ein.
  3. Illumination: Dies ist der Moment, in dem Ihnen ein guter Lösungsansatz eingefallen ist. Schreiben Sie ihn sofort auf. Deshalb sollten Sie immer ein Notizbuch und Stift bei sich tragen. Nutzen Sie diesen Moment, um so viele Details der Lösung festzuhalten, wie Ihnen einfallen. Bremsen und kritisieren Sie sich nicht in dieser Phase.
  4. Verifikation: Nun bewerten Sie Ihren Einfall. Prüfen Sie, ob es so funktionieren kann. Probieren Sie aus. Diskutieren Sie mit anderen. Vielleicht wird Ihre Lösung verworfen. Wahrscheinlicher ist, dass es ein guter Ansatz ist, den es nun zu verbessern gilt. Kollegen und andere Menschen können Ihnen dabei helfen.

Kreativität besteht meist darin, Vorhandenes zu Neuem zusammenzufügen. Das setzt voraus, dass man nicht nur bei Geläufigem bleibt, sondern neue Assoziationen bildet. Entscheidend ist zunächst die Menge an neuen Assoziationen, nicht die Qualität.

Brainwriting

Beim Brainwriting erhalten die Teilnehmer jeweils ein Blatt Papier, das in drei Spalten (vertikal) und sechs Reihen (horizontal) aufgeteilt wird. Jedes Blatt hat also 18 Kästchen. Die Problem- bzw. Aufgabenstellung wird vorab geklärt und klar und eindeutig festgehalten. Jede Person schreibt dann in die erste Reihe pro Kästchen eine Idee und reicht das Blatt an den Nachbarn zur Rechten weiter. Dieser Vorgang wird fünf Mal wiederholt (6-3-5-Methode: 6 Personen haben 3 Ideen 5 Mal).

Ziel ist, dass die Teilnehmer sich durch die Einträge ihrer Mitstreiter, die sie ja auf jedem Blatt von neuem sehen, anregen lassen und so immer wieder auf neue Ideen kommen.

Während der Schreibphase wird nicht diskutiert oder kritisiert. Insgesamt entstehen 108 Lösungsvorschläge. Sind alle Vorschläge abgegeben, werden von jedem Teilnehmer die besten und interessantesten Ideen herausgeschrieben und diskutiert.

Osborn-Methode

Der Werbefachmann Alexander Osborn hat für die nach ihm benannte Methode einen Fragenkatalog entworfen, der anhand von neun Frage-Komplexen die systematische Suche nach neuen Ideen fördern soll. Die Aufgaben- oder Problemstellung soll nach folgenden Gesichtspunkten analysiert werden:

  1. Wofür kann ich es noch verwenden? Kann ich es anders einsetzen?
  2. Weist das Problem auf andere Ideen hin? Ist es etwas anderem ähnlich?
  3. Was lässt sich ändern? Welche Eigenschaften lassen sich umgestalten?
  4. Lässt sich etwas vergrößern, hinzufügen, vervielfältigen?
  5. Lässt sich etwas verkleinern, wegnehmen, verkürzen?
  6. Was kann ersetzt werden? Welche Rahmenbedingungen können geändert werden?
  7. Kann die Reihenfolge oder Struktur geändert werden?
  8. Kann die Idee ins Gegenteil gekehrt werden? Kann der Ablauf umgekehrt werden?
  9. Können Ideen kombiniert oder Personen verbunden werden?

Morphologischer Kasten

Der Morphologische Kasten ist ein gutes Instrument, um die Ergebnisse des Brainstormings zu strukturieren und um damit weiter zu arbeiten. Mit seiner Hilfe können Sie das Lösungsfeld eines Problems übersichtlich darstellen und Alternativen herausarbeiten und abbilden.

Um einen Morphologischen Kasten zu entwickeln, müssen Sie folgendermaßen vorgehen:

  1. Definieren Sie Ihr Problem: Das haben Sie im Allgemeinen schon getan, wenn Sie vorneweg ein Brainstorming durchgeführt haben.
  2. Bestimmen Sie die Parameter und Kriterien, die das zugrunde liegende Problem allgemein beschreiben. Das sind alle Aspekte und Eigenschaften, die zu Ihrem Problem gehören. Diese Kriterien können beispielsweise das Ergebnis eines Brainstormings sein.
  3. Suchen Sie nach Lösungsmöglichkeiten für jedes Kriterium. Hier können Sie ebenfalls die Ergebnisse Ihrer Brainstorming-Sitzung nutzen.
  4. Dann erstellen Sie eine Tabelle, in deren ersten Spalte sie die Kriterien untereinander eingetragen sind. In allen weiteren Spalten tragen sie für jedes Kriterium denkbare Lösungsmöglichkeiten ein. So entsteht eine Tabelle, wie in der folgenden Abbildung dargestellt (für das Beispiel einer Reiseplanung).
  5. Bewerten Sie die einzelnen Lösungen nach Ihren ausgewählten Kriterien: Technisch machbar, Kosten, Innovationsgrad etc.
  6. Beschreiben Sie dabei die attraktiven Lösungen etwas ausführlicher, um zu erkennen, welche Effekte diese Lösung haben könnte.
  7. Kombinieren Sie die Lösungen zu alternativen Lösungsmöglichkeiten und Konzepten.
  8. Wählen Sie die Erfolg versprechenden Konzepte aus, um sie weiter zu verfolgen.

Beispiel für einen Morphologischen Kasten

Nutzen Sie die folgende Vorlage für die Erstellung eines Morphologischen Kastens, indem Sie Ihr Problem formulieren, die Kriterien bestimmen und die Lösungsmöglichkeiten ermitteln.

Der Morphologische Kasten eignet sich insbesondere, um Alternativen zu entwickeln und Entscheidungsprozesse zur Bewertung und Auswahl der Alternativen transparent zu machen.

Synektik

Bei der Synektik werden Lösungen bzw. Lösungsansätze aus fremden oder ganz unterschiedlichen und nicht zusammenhängenden Fachbereichen genutzt und auf die eigene Fragestellung übertragen. Beispielsweise können Lösungen aus der Tier- und Pflanzenwelt auf die Architektur oder den Anlagenbau übertragen werden.

Ausgehend von der Aufgabenstellung spielt die Gruppe eine Stufenfolge von Analogiebildungen durch, über die man sich sachlich immer weiter vom Problem entfernt. Die am Schluss dieser Kette gefundenen Begriffe dienen als Ausgangspunkte für die eigentliche Ideenfindung.

Die einzelnen Phasen der Synektik sind:

  1. Problemanalyse und -definition: Beispiel: Wie kann eine Glasplatte möglichst einfach auf einem flachen Rahmen befestigt werden?
  2. Spontane Lösungen: Beispiel: Saugnäpfe, Klammern, Klebefolie ...
  3. Neu-Formulierung des Problems: Beispiel: Wie kann erreicht werden, dass die Glasplatte leicht wieder abgenommen werden kann?
  4. Bildung direkter Analogien, z.B. aus der Natur: Beispiel: Schlange streift Haut ab, Geweih wird abgestoßen, Schnee schmilzt ... Gruppe wählt: Schlange streift Haut ab.
  5. Persönliche Analogien, „Identifikationen“: Beispiel: Wie fühle ich mich als häutende Schlange? Es juckt, alte Haut engt ein, endlich frische Luft ... Gruppe wählt: alte Haut engt ein.
  6. Symbolische Analogien, „Kontradiktionen“: Beispiel: bedrückende Hülle, würgendes Ich, lückenlose Fessel ... Gruppe wählt: lückenlose Fessel.
  7. Direkte Analogien, z.B. aus der Technik: Beispiel: Leitplanken der Autobahn, Druckbehälter, Schienenstrang ...
  8. Analyse der direkten Analogien: Beispiel: Leitplanke: Blechprofil, verformbar, auf beiden Seiten.
  9. Übertragung auf das Problem – „Force-Fit“: Beispiel: Profilrahmen, knetartige Kugeln zwischen Glasplatte und Rahmen, Rahmen nur an zwei Seiten, Druckbehälter: steht unter Spannung.
  10. Entwicklung von Lösungsansätzen: Beispiel: gekrümmter Rahmen erzeugt Spannung usw.

[Quelle mit weiteren Hinweisen zur Anwendung: http://www.grauezelle.de/gz_synektik.html]

Reizwortanalyse

Mit der Reizwortanalyse soll angeregt werden, dass man sich mit Dingen und Ereignissen des Umfeldes bewusst und aufmerksam auseinander setzt, um in diesen möglicherweise etwas zu entdecken (ein Prinzip, einen Ablauf, ein Gestaltelement), das eine Idee anstößt.

Mechanismen einer zufälligen Wahl sind beispielsweise:

  • willkürliches Aufschlagen eines Lexikons mit dem Vorsatz, das erste Hauptwort von links oben als „Zufalls-Objekt“ (Reizwort) zu benutzen,
  • blindes Tippen auf die ebenso zufällig aufgeschlagene Seite eines Versandhaus-Kataloges.

Diese Suche nach willkürlichen Reizen und die Nutzung im Kreativitätsprozess sind Kern der Vorgehensweise bei der Reizwortanalyse:

  1. Sorgfältige Analyse und Definition des gestellten Problems.
  2. „Abladen“ aller spontan verfügbaren Ideen (Kurzbrainstorming).
  3. Zufällige Sammlung von 5 bis 7 Reizwörtern.
  4. Analyse des ersten Reizwortes (Zufallsobjektes) und Auflistung der dort gefundenen Eigenschaften, Funktionen, Abläufe, Formen, Gestalten, Anordnungen, Handhabungen etc.
  5. Rückkopplung der Reizwortelemente zum gestellten Problem mit der Frage, ob sich daraus Ideen oder Lösungsansätze ergeben. Je flexibler, vielseitiger und spielerischer diese Vorgänge erfolgen, desto reichhaltiger und kreativer wird das Ergebnis sein.
  6. Wiederholung der Schritte 4 und 5, bis alle Reizwörter durchgearbeitet sind.

[Quelle mit weiteren Hinweisen zur Anwendung: http://www.grauezelle.de/gz_reiz.html]

Problemumkehrung

Bei dieser Methode wird die eigentliche Aufgabenstellung in ihr Gegenteil übersetzt. Wenn es zum Beispiel darum geht, den Produktabsatz zu erhöhen, würde hier die Fragestellung lauten: „Was müssten wir tun, damit der Produktabsatz zurück geht?“

Aus den Ergebnissen lassen sich wiederum in Umkehrung Lösungsansätze ableiten.

Mögliche Techniken der Problemumkehrung sind:

  • Aufgabenstellung in ihr Gegenteil verkehren;
  • Lösungen anwenden, die andere gerade nicht nutzen (also das Gegenteil von dem tun, was alle anderen tun);
  • „Was wäre wenn ...“ fragen und gegenteilige Lösungen einbringen: statt vergrößern – verkleinern, statt einfrieren – schmelzen, statt helfen – missachten, ...
  • Wenn etwas schief läuft oder nicht funktioniert, nach den positiven Seiten der Situation suchen.
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