FührungWorin sich Manager und Führungskräfte unterscheiden

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Manager müssen andere Aufgaben lösen als Führungskräfte. So ist Führung ein Prozess, der zu einem Ergebnis führt. Wer managt, sorgt unter anderem für die Sicherstellung des laufenden Betriebs. Eine Unterscheidung.
erschienen: 11.04.2016
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Manager sollen charismatisch, durchsetzungsfähig, lösungsorientiert, flexibel, empathisch und innovationsfreudig sein sowie jede Menge Fachwissen besitzen. Darüber hinaus werden Führungsqualität und Führungskompetenz verlangt. Doch sind Führung und Management tatsächlich das gleiche, oder gibt es Unterschiede zwischen Managern und Führungskräften?

Ein Blick auf die Aufgaben und Herausforderungen der heutigen Berufswelt zeigt: Generell lassen sich einfache und komplizierte Herausforderungen unterscheiden. Einfache Herausforderungen können (theoretisch) durch gelernte und erprobte Mittel gelöst werden, unabhängig von deren Komplexität. Komplizierte Herausforderungen sind neu. Jemand wird damit das erste Mal konfrontiert und bislang gibt es keine bekannten Reaktionen darauf, keine richtige oder falsche Lösung.

Der Unterschied zwischen Management und Führung

Eine einfache Herausforderung ist beispielsweise die Durchführung einer Bankinsolvenz. Die geordnete Abwicklung ist natürlich kompliziert und für die betroffenen Beteiligten nicht einfach. Im Verlauf der Wirtschaftsgeschichte jedoch sind schon einige Banken insolvent gegangen und es existieren ausreichend Erfahrungswerte, was in einem solchen Fall zu tun oder besser nicht zu tun ist. Eine komplizierte Herausforderung jedoch ist es, eine weltweite Bankenkrise zu verhindern. Diese Unterscheidung in einfache und komplizierte Herausforderungen ermöglicht auch die Trennung von Management und Führung.

Die Aufgaben des Managements umfassen das Durchführen und Überwachen von Abläufen, das Personalmanagement und die Sicherstellung des laufenden Betriebs. Zusätzlich legen Manager auch Rahmenbedingungen fest, innerhalb derer ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbstständig agieren können. Management bedeutet also, gelernte und anerkannte Methoden auf bereits dagewesene und wiederkehrende Herausforderungen anzuwenden.

Führung hingegen beschäftigt sich mit neuartigen und unbekannten Herausforderungen. Zu den Führungsaufgaben gehören unter anderem das Festlegen einer bestimmten Marschrichtung im Unternehmen sowie der Umgang mit Neuem und Unvorhergesehenem. Dazu sind auch immer Mut und Bereitschaft für Veränderungen notwendig. Führungskräfte müssen daher oft auch Überzeugungsarbeit gegen bestehende Widerstände im Unternehmen leisten.

Wenn Manager zu Führungskräften werden und umgekehrt

Doch worin besteht die Konsequenz, wenn Management und Führung verwechselt oder synonym verwendet werden? Die Antwort liegt im Entstehen von Reibungsverlusten und in Fehlbesetzungen. So soll ein Manager etwa, der die klassischen Managementaufgaben wie Koordinieren und Steuern von Routineaufgaben gut erledigt, einen neuen Absatzmarkt finden und erschließen. Ob er auch auf dieser Position Erfolg haben wird, ist ungewiss. Von Seiten des Vorstands wurde aus seiner Fähigkeit zu Managen darauf geschlossen, dass er auch eine gute Führungskraft ist. Scheitert er aber an dieser Aufgabe, hat dies negative Auswirkungen auf seine Motivation. Gleichzeitig hat der Vorstand eine wichtige Chance in der Unternehmensentwicklung vertan. Im Ergebnis steht das Unternehmen also genauso da wie vor der Neuverteilung der Aufgaben. Auch wenn der Manager in einer solchen Situation seine früheren Aufgaben wieder übernimmt, kann es sein, dass seine Motivation und Leistungsfähigkeit durch den Misserfolg beschädigt sind.

Im umgekehrten Fall kann eine Führungskraft, die sehr gut in der Lage ist, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren und erfolgreich neue Wege zu gehen, immer mehr Managementaufgaben zugeteilt bekommen. Da das Lösen von Managementaufgaben auf bekanntem Wissen basiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Führungskraft eventuell fehlende Methoden lernt und auch erfolgreich anwendet. Doch auf der anderen Seite fehlen ihr nun immer mehr Ressourcen, um ihre Führungsaufgaben zu erfüllen. Zusätzlich wird ihre Motivation in Mitleidenschaft gezogen, wenn ihr Wille zu Führung und Veränderung quasi unter Routinearbeiten erstickt wird. Folge: Dem Unternehmen geht eine gute Führungskraft verloren und mittelfristig eventuell auch eine Managerin, die aus Frustration und Unterforderung das Unternehmen verlässt.

Ein anderer Grund, warum die beiden Begriffe Management und Führung nicht das gleiche meinen, ist die Art und Weise, wie Management beziehungsweise Führung passiert. Management bezeichnet das, was der Inhaber einer Managementposition tut. In dem Moment, in dem eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter auf die Managerposition gesetzt wird, können sie oder er die Aufgaben des Managements (Durchführen und Überwachung von Prozessen) übernehmen. Über die Resultate entscheidet hauptsächlich ihre Methodenkompetenz.

Führung führt zu einem Ergebnis

Führung geschieht nicht aus einer Position heraus, sondern ist ein Prozess. Sie befasst sich mit neuen, noch nie dagewesenen Herausforderungen. Der Prozess, diese Herausforderung zu bewältigen, ist die eigentliche Führungsarbeit. Dieser Prozess hängt auch nicht notwendigerweise von einem Stelleninhaber ab. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zur Führungsperson ernannt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass er oder sie auch führt. Es gibt auch Fälle, in denen Führung von einem Mitglied aus dem Team heraus passiert. Management orientiert sich also an Ergebnissen, die aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit bewertet werden können, während Führung den Prozess beschreibt, der zu einem bestimmten Ergebnis führt.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Management‐ beziehungsweise Führungskräfteausbildung und die Personalpolitik? Da Management auf erlernten Methoden beruht, können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Ausbildung und Training auf Managementaufgaben vorbereitet werden. Hierzu gehören nicht nur eine hohe Methodenkompetenz, sondern auch soziale Fähigkeiten wie Menschenkenntnis, Empathie und Durchsetzungskraft. Andererseits kann nicht jede und jeder durch Ausbildung, Training und Wissen zu einer guten Führungskraft werden. Um gute Führungskräfte für das Unternehmen zu entwickeln, sollten vorhandene und identifizierte Stärken gefördert und entwickelt werden.

Doch umgekehrt können auch gute Führungskräfte bei ihrer Arbeit kaum auf Wissen aus dem Management‐Werkzeugkasten verzichten. Natürlich lassen sich die Aufgaben und Begriffe von Management und Führung im praktischen Berufsleben nicht immer exakt voneinander abgrenzen, da Vorgesetzte sowohl Managementfertigkeiten als auch Führungskompetenz benötigen. Doch es gibt Aufgaben, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbereitet werden können und solche, die nicht jede oder jeder lösen kann, unabhängig von der Ausbildung. Mit diesem Wissen ist es möglich, die Personalauswahl und Personalentwicklung genauer zu steuern und dadurch die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und so den Erfolg des Unternehmens zu erhöhen.

Führungskompetenz entwickeln im Management-Handbuch
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Über den Autor
Florian Bliefert

Florian Bliefert ist Dozent und Lehrbeauftragter in München sowie Autor diverser Fachartikel. Er kombiniert die trockene Zahlenwelt der BWL mit dem menschlichen Faktor im Unternehmen, damit Entscheidungen nicht lebensfremd nur am grünen Tisch entschieden werden. In seinen Trainings und Vorlesungen zeigt er, wie dieser Aspekt in der Welt der Finanzen berücksichtigt werden kann.

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