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Resilienz stärken

Resilienzfaktor Optimismus: Erwartungsvoll in die Zukunft blicken

Resiliente Menschen gehen bei schwierigen oder belastenden Situationen davon aus, dass sie diese Situationen gut durchstehen werden. Positive Ergebnisse bestärken sie und ihr Vertrauen wächst, auch künftige Krisen zu meistern. Unsere Übungen helfen Ihnen, an einer optimistischen Haltung zu arbeiten.

Der Unterschied zwischen Optimisten und Pessimisten liegt in einer unterschiedlichen Erwartungshaltung. Während die einen positive Ergebnisse erwarten und in ihrem Vertrauen darauf bestärkt werden, sobald diese eintreten, erwarten die anderen negative Ergebnisse und werden in dieser Haltung bestärkt, weil sie diese vermehrt wahrnehmen. Optimisten meinen, das Leben wird ihnen mehr Gutes als Schlechtes bescheren. Ähnlich erwarten resiliente Menschen (unbewusst) positive Ergebnisse in Hinblick auf ihre Bewältigungsstrategie bei Stress oder in einer Krise.

Optimismus als Lebenseinstellung

Optimismus ist eine Lebenseinstellung mit dem Nebeneffekt, Chancen wahrzunehmen, da Vertrauen und Hoffnung in einen guten Ausgang gelegt werden. Das bestärkt Menschen darin, in schwierigen oder belastenden Situationen durchzuhalten oder weiterzumachen. Damit hängen auch die Fähigkeiten resilienter Menschen zusammen, Probleme und Konsequenzen realistisch einzuschätzen sowie Ursachen richtig zuzuschreiben. Es geht also um einen realistischen Optimismus.

Ein Beispiel dazu erläutert die Expertin für Veränderungskompetenz Jutta Heller in ihrem Buch „Resilienz“: Ein Mitarbeiter bereitet eine wichtige Präsentation vor. Gedanklich sagt er sich: „Ich möchte mit meiner Präsentation beeindrucken. Also darf ich keine Fehler machen!“ Der Mitarbeiter richtet seine Aufmerksamkeit auf ein Ziel und eine Vermeidungsstrategie, wie er dieses Ziel erreichen möchte.

Bei negativ formulierten Zielen filtert das menschliche Gehirn Wörter wie „keine“ oder „nicht“ heraus. Was hängen bleibt ist „Fehler machen“. Im Unterbewusstsein beachtet der Mitarbeiter während der Präsentation sein aus dem Kontext gerissenes Gebot an sich: „Fehler machen“. Der Druck wächst und nach dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung tritt gerade das ein, was der Mitarbeiter vermeiden wollte.

Ein optimistischer Mitarbeiter hätte sich an ähnlich erlebte Situationen erinnert. Zum Beispiel ist ihm bei einer wichtigen Präsentation ein Versprecher unterlaufen, der den Zuhörern gar nicht aufgefallen ist. Der hatte auch keine negativen Konsequenzen auf seine Karriere oder ähnliches. Kleine Fehler sind in Präsentation nichts Außergewöhnliches, sie sind menschlich und können sogar als authentisch wahrgenommen werden.

Glaubenssätze mit einer optimistischen Haltung verinnerlichen

Der Grundstein für Resilienz wird in der Kindheit gelegt. Wem beim Heranwachsen nichts zugetraut wird oder wer statt gelobt, herabgewürdigt wird, verinnerlicht Glaubenssätze, die die Entwicklung einer optimistischen Haltung behindern. Das sind Sätze wie „Dafür bist du zu dumm!“ oder „Das ist zu schwer für dich. Das schaffst du nie!“ Auch wenn das nicht zutrifft, nicht zutreffen kann, halten Menschen daran fest. Glaubenssätze liegen (meist unbewusst) dem Handeln zugrunde. Zum Beispiel verhindern sie, dass eine Person eine angebotene Position mit Führungsverantwortung annimmt. Pessimisten suchen die Ursachen für ihre Probleme dann bei sich, während Optimisten die Ursachen für ihre Probleme äußeren Umständen („Das war Pech!“, „Das war Zufall!“) und Ursachen für ihre Erfolge sich selbst zuschreiben („Ich bin einfach gut!“).

Tipps für eine optimistische Lebensweise

In ihrem Buch „Die Bambusstrategie“ gibt die Coachin Katharina Maehrlein einige einfache Tipps für eine optimistische Lebensweise:

Halten Sie sich von Miesepetern und Rechthabern fern.

Während Sie an einem kniffligen Problem arbeiten, sagt der Miesepeter „Das geht nicht, das ist nicht zu schaffen.“ Wenn Sie begeistert von Ihren Plänen erzählen, sagt der Rechthaber „Also, das würde ich mir noch einmal gut überlegen. Da kann dies und jenes passieren.“ Begrenzen Sie den Kontakt zu solchen Menschen so gut es geht. Die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten oder zusammeleben, haben einen großen Einfluss auf unsere Stimmung – im positiven wie im negativen Sinne.

Auf Distanz mit der schlechten Laune der Mitmenschen gehen

Jammerer, Lästerer und Negativschwätzer teilen ihre Launen und negativen Gedanken ungefragt mit. Sie ziehen den anderen dabei in ihren „Schlechte-Laune-Sog“. Das kostet Energie und hemmt die Leistungsfähigkeit. Denn Stimmungen färben ab. Der Zweck dieses sogenannten Resonanzphänomens soll eigentlich für Empathie sorgen, ist aber nicht immer sinnvoll. Machen Sie sich bewusst, dass es sich bei dem, was Ihr Gesprächspartner Ihnen mitteilt, nur um eine Information über sein Befinden handelt. Je nachdem, ob Ihnen dieser Mensch nahe steht oder nicht, sollten Sie bewusst entscheiden, ob Sie auf seine Stimmung eingehen möchten oder lieber auf Distanz zur mitgeteilten Information gehen.

Dem Trübsinn etwas entgegensetzen

Pendler kennen die miese Atmosphäre morgens am Bahnhof. Es herrscht verkrampftes Schweigen, man schaut in starre und gestresste Gesichter. Menschen anzulächeln ist eine Technik, um sie wieder zu lebendigen Wesen zu erwecken. Auch wenn Sie sich an ein schönes Erlebnis erinnern oder an das denken, für das Sie dankbar sind, kann das Ihre Laune heben.

Machen Sie sich klar, wie gut es Ihnen geht

Menschen verfallen schnell in Selbstmitleid, wenn sie gestresst sind oder ihre Urlaubspläne durchkreuzt werden. Dann hilft es, sich Menschen wie den Psychologen Viktor E. Frankl ins Gedächtnis zu rufen, denen es wirklich schlecht geht beziehungsweise schlecht ging. In der Resilienzliteratur wird er gerne als eine besonders resiliente Person zitiert. Er hat mehrere Konzentrationslager überlebt und dort seine ganze Familie verloren. Und trotzdem hatte er das Leben bejaht.

Eine optimistische Haltung ist gesund

Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen Optimismus und Gesundheitszustand. Die Seele beeinflusst also den Körper – und dessen Haltung: Wer niedergeschlagen ist oder mit einer negativen Einstellung durchs Leben geht, der wirkt entsprechend. Die Mimik ist ernst, die Haltung zusammengesunken. Eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbilds kann einen positiven Wandel des inneren Gemütszustands bewirken, was wiederum nach außen ausstrahlt. Bereits ein bewusstes Lächeln verhilft zu einer positiven Stimmung. Ein schöner Nebeneffekt: Die Umwelt wird entsprechend positiv darauf reagieren.

Praxis

Schritt 1: Ziele positiv formulieren

Bereiten Sie sich auf Ihr nächstes Projekt vor: Visualisieren Sie Ihr Ziel und formulieren Sie es positiv. Befürchtungen oder Ängste sollten Sie keinesfalls benennen oder sich gar ausmalen.

Schritt 2: Glaubenssätze umformulieren

Notieren Sie in der folgenden Vorlage:

  • Welche Ihrer Glaubenssätze sind hinderlich, welche hilfreich?
  • Welche Beispiele fallen Ihnen ein, die Ihren hinderlichen Glaubenssätzen widersprechen?
  • Formulieren Sie hinderliche Glaubenssätze in hilfreiche um.

Schritt 3: An einer optimistischen Haltung arbeiten

Sagen Sie sich: „Fake it ’til you make it!“ („Tu einfach so, als ob!“). Vor einer wichtigen Präsentation könnte der Spruch lauten: „Tu einfach so, als ob du der perfekte Redner wärst!“ Oder in einem anderen Kontext: „Kleide dich für die Position, die du haben willst!“ Wer diesen Spruch einige Zeit jeden Tag wiederholt, stärkt sein Vertrauen in sich. Das färbt auch auf die innere und äußere Haltung ab.

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