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Führungskompetenz entwickeln

Was gute Führung ausmacht

In Hinblick auf das Führungsverhalten gibt es kein eindeutiges „Richtig“ oder „Falsch“. Es gibt aber Prinzipien und Kompetenzen, die im Führungsalltag hilfreich sind. Der Management-Vordenker Peter F. Drucker nannte beispielsweise eine Reihe von wichtige Tugenden für Führungskräfte. Nützlich ist vor allem, die eigene Führungskompetenz durch regelmäßige Selbstreflexion zu verbessern.

Auch wenn es für den Führungsstil und das Führungsverhalten keine allgemeingültigen und feststehenden Regeln gibt, können die folgenden Tugenden, Kompetenzen und vorgelebte Werte nützliche Begleiter für den Führungsalltag sein.

Tugenden für Führungskräfte

Der Management-Vordenker Peter F. Drucker fasst gute Führung als das Verhalten der idealen Führungskraft in zwei Regeln zusammen:

  • Gute Führungskräfte denken oder sagen nicht „ich“, sondern „wir“.
  • Gute Führungskräfte sind die ersten, die zuhören, und die letzten, die reden.

Als weitere wichtige Tugenden für Führungskräfte erachtet Peter F. Drucker:

  • Führungskräfte fragen sich: Was ist zu tun?
  • Führungskräfte fragen sich: Was ist gut für das Unternehmen?
  • Führungskräfte entwickeln einen Aktionsplan.
  • Führungskräfte übernehmen Verantwortung und treffen Entscheidungen.
  • Führungskräfte sorgen für effektive Kommunikationsstrukturen.
  • Führungskräfte konzentrieren sich auf die Chancen.
  • Führungskräfte gestalten Besprechungen produktiv.

Soft Skills für Führungskräfte

Der Experte für Leadership, Daniel Goleman, befasst sich seit vielen Jahren mit dem Phänomen, dass es neben den kognitiven Kompetenzen eines Menschen auch andere gibt. Er entwickelte mit anderen Wissenschaftlern das Modell der „weichen Kompetenzen“ (Soft Skills). Diese Kompetenzen sind gewissermaßen die Grundausstattung der guten Führungskraft. Zu ihnen zählen:

  • Selbstbewusstheit: Fähigkeit eines Menschen, seine Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu akzeptieren und zu verstehen, und die Fähigkeit, deren Wirkung auf andere einzuschätzen.
  • Selbstmotivation: Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit, sich selbst unabhängig von finanziellen Anreizen oder Status anfeuern zu können.
  • Selbststeuerung: Planvolles Handeln in Bezug auf Zeit und Ressourcen.
  • Soziale Kompetenz: Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, gutes Beziehungsmanagement und Netzwerkpflege.
  • Empathie: Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.

Führungskräfte haben Vorbildfunktion

Der Experte für Leadership, Bruce Tulgan, weist darauf hin, dass „weiche Kompetenzen“ nichts mit nachlässiger Führung zu tun haben. Er rät allen Führungskräften: „Machen Sie es sich zur Gewohnheit, jeden Tag zu managen.“ Das bedeutet, machen Sie sich jeden Tag klar, dass Sie der Chef oder die Chefin sind und stellen Sie sich die Frage: „Was für ein Chef will ich sein?“ Sie müssen ihre eigenen Werte, Einstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen als Führungskraft haben und gegebenenfalls so entwickeln, wie Sie diese für richtig halten.

Alexander Groth, ein weiterer Experte für Leadership und Autor des Buches „Führungsstark in alle Richtungen“ setzt an die erste Stelle: Führungskräfte sollten integer handeln, also so, wie es ihren Überzeugungen entspricht. Sie sollten sagen, wofür sie stehen, und zu dem stehen, was Sie sagen. Das drückt sich in den eigenen Werten aus. Wenn eine Führungskraft will, dass ihre Mitarbeiter sich so verhalten, wie sie es von ihnen erwartet, muss sie drei Dinge tun: 1. Es vorleben. 2. Es vorleben. 3. Es vorleben.

Werte für Führungskräfte

Für die Führungskraft stellt Alexander Groth folgende Werte als besonders wichtig – und hilfreich für die eigene Führungskompetenz – heraus:

  • Übernehmen Sie Verantwortung, geben Sie die Schuld nicht anderen, wenn etwas schief läuft oder wenn Ziele nicht erreicht werden.
  • Erledigen Sie Unangenehmes selbst. Delegieren Sie unangenehme Aufgaben nicht an Ihre Mitarbeiter.
  • Halten Sie Ihre Versprechen. Und versprechen Sie nur das, was Sie auch sicher einhalten werden.
  • Behalten Sie Vertrauliches für sich. So zeigen Sie, dass man Ihnen vertrauen kann. (Wenn Sie erkennen, dass dem Unternehmen oder Personen Schaden droht oder wenn Sie in einen persönlichen Konflikt durch dieses Wissen geraten, dann sagen Sie das offen gegenüber der Person, die Ihnen etwas anvertraut hat und sagen Sie, dass Sie das nicht für sich behalten können.)
  • Sprechen Sie Mangel an Leistung oder Fehlverhalten offen an. Geben Sie Ihren Mitarbeitern unmittelbar eine Rückmeldung, wenn Sie mit ihrer Arbeit nicht zufrieden sind und sagen Sie, wie es verbessert werden kann.
  • Sprechen Sie über Abwesende nicht negativ. Und machen Sie gegenüber Ihren Mitarbeitern deutlich, dass diese es auch nicht tun sollten.

Wissen über Führung kritisch hinterfragen

Die Quellen mit Tipps und Hinweisen zu „Good Leadership“ sind unerschöpflich. Sie beschreiben und erläutern alle, was eine gute Führungskraft auszeichnet, welche Werte sie mitbringen sollte, welche Verhaltensweisen sie zeigen sollte, wie sie handeln sollte und was sie tun und was sie lassen sollte. Der Wissenschaftler Oswald Neuberger formuliert es in seinem Theorie-Buch über Führung „Führen und führen lassen: Ansätze, Ergebnisse und Kritik der Führungsforschung“ so: „Es gibt mehr Bücher als Wissen über Führung.“

Gehen Sie mit allen Büchern und Ratgebern kritisch um. Lassen Sie sich anregen, aber überprüfen Sie immer, was davon zu Ihrer Person und Ihrer Situation passt. Führungskompetenzen und Leadership-Qualitäten sind Puzzlebausteine, die zueinander passen müssen und die nach und nach ein stimmiges Bild ergeben sollten.

Führungskompetenz durch Selbstreflexion verbessern

Arbeiten Sie immer an Ihrer Führungskompetenz. Diese Arbeit ist nie wirklich abgeschlossen. Sie können sich durch folgende Formen der Selbstreflexion immer verbessern:

  • Überprüfen Sie immer wieder Ihr Verhalten und Ihr Auftreten als Führungskraft. Wie handeln Sie in konkreten Situationen? Wie handeln Sie, wenn es schwierig wird? Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
  • Machen Sie sich Ihre Grenzen bewusst. Sie sollten Ihre Stärken kennen, aber auch Ihre Defizite. Überprüfen Sie, ob Sie diese Defizite beheben müssen oder ob Sie diese anders kompensieren können.
  • Nehmen Sie wahr, wie Sie auf Ihre Mitarbeiter, auf Ihre Führungskollegen und auf Ihre Vorgesetzten wirken. Was stellen Sie fest? Wie begegnen Ihnen diese Personen? Und ebenfalls wichtig: Wie reagieren Sie selbst auf das Verhalten der anderen Personen? Versuchen Sie in die Beobachterposition zu sich selbst zu schlüpfen.

Praxis

Werte als nützliche Begleiter für den Führungsalltag

Als Führungskraft haben Sie eine besondere Verantwortung Ihren Mitarbeitern, aber auch anderen Personengruppen gegenüber. Daher sollten Sie wissen, was Ihnen persönlich wichtig ist – privat und im Berufsleben.

  • Versuchen Sie, Ihre Werte zu benennen und zu beschreiben.

Zur Unterstützung können Sie die folgende Vorlage nutzen, um Ihre Werte zu erörtern.

Führungsverhalten reflektieren

Beobachten Sie Ihr eigenes Führungsverhalten im Berufsalltag und machen Sie sich Notizen:

  • Wie reagieren Ihre Mitarbeiter auf Ihr Führungsverhalten?
  • Wie verhalten sich Ihre Kollegen aus den anderen Abteilungen?
  • Welche Verhaltensweisen schätzen Sie an anderen Führungskräften? Welche nicht?
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