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Qualitätsmanagement ISO 9001

11 Schritte zum verbesserten Qualitätsmanagement

Hier lesen Sie, wie Sie in elf Schritten Ihr Qualitätsmanagementsystem für die ISO 9001 aufbauen. Sie erkennen jeweils die wichtigen Aspekte und die Aufgaben, die mit dem normierten Qualitätsmanagement verbunden sind. Außerdem finden Sie Hinweise, worauf Sie in der Praxis besonders achten sollten.

Dies ist die kürzeste Anleitung für eine Qualitätsproduktion, die Ihre Kunden zufriedenstellt und die Sie von Zufällen und Schwierigkeiten mit Ihren Prozessen möglichst befreit. Damit implementieren und verbessern Sie nicht nur Ihr Qualitätsmanagement sowie Prozesse und Produkte Ihres Unternehmens. Sie bereiten Ihr Unternehmen auch darauf vor, dass Ihr Qualitätsmanagementsystem so funktioniert, wie es nach der Norm DIN EN ISO 9001 gefordert ist. 

Praxis

Schritt 1

Definieren Sie Ihr Qualitätsmanagement (QM) als eigenständiges Projekt. Legen Sie fest: die Ziele, die einzusetzenden Ressourcen, den Vorgehensplan und den Erfolgsmaßstab.

Beginnen Sie das Projekt mit einem „Kick-Off“. Erläutern Sie in diesem Startworkshop die QM-Prinzipien, Ihre QM-Ziele und den Projektplan. Erarbeiten Sie mit Ihren Mitarbeiter Chancen und Risiken der Einführung eines QM-Systems in Ihrem Unternehmen.

In weiteren Workshops erarbeiten Sie dann die Dokumente Ihres QM-Systems (Handbuchelemente, Verfahrensanweisungen und Arbeitsmittel). Wählen Sie hierzu Mitarbeiter aus, die in den Workshops an den jeweiligen Themen mitarbeiten; idealerweise zwei bis vier Workshop-Teilnehmer pro Gruppe und Teilaufgabe.

Schritt 2

Bestimmen Sie Ihre Qualitätspolitik und definieren Sie Qualitätsziele.

Die Basis Ihrer Qualitätspolitik ist die Kernaussage: „Qualität ist die Erfüllung der Anforderungen des Qualitätsnachfragers durch den Qualitätslieferanten.“ Das ist Ihr Fundament für Ihr gesamtes QM-System. Die Qualitätspolitik enthält verbindliche Aussagen zu den Zielen Ihres QM-Systems. Sie ist für alle verbindlich und muss von allen Mitarbeitern gelebt werden. Wenn Sie bereits eine Unternehmensphilosophie, eine Vision, Mission oder Leitbilder, formuliert haben, können Sie hieraus Ihre Qualitätspolitik ableiten.

Die Ziele müssen so formuliert sein, dass ihre Erreichung oder Nichterreichung überprüfbar ist. Diese Prüfung ist Bestandteil des Elements „Bewertung des QM-Systems“ in Schritt 10.

Schritt 3

Versichern Sie sich, dass alle im Unternehmen diese Ziele kennen und teilen.

Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter an der Vorbereitung und der Durchführung des QM-Projekts. Beteiligte bringen bessere Beiträge als Betroffene. Unter dem Aspekt Beteiligung geht es nicht allein darum, Akzeptanz zu schaffen, es geht auch darum, die Sachkenntnis und die Kreativität Ihrer Mitarbeiter für das Projekt zu nutzen.

Verlagern Sie die Verantwortung für Qualitätsmanagement nicht vollständig auf den QM-Beauftragten. Als Geschäftsleitung stehen Sie ganz besonders in der Verantwortung: arbeiten Sie also konsequent mit dem QM-System, machen Sie Verbesserungsvorschläge und diskutieren Sie mit Ihren Mitarbeitern.

Schritt 4

Charakterisieren Sie Ihre Organisation und deren Kontext.

Die knappste Darstellung Ihrer Organisation ist ein Organigramm. Das muss eindeutig sein. Es zeigt die Struktur und hilft allen Mitarbeitern, dass Verantwortungsebenen und Weisungsbefugnisse deutlich erkennbar sind. Der QM-Beauftragte ist direkt der Führung des Unternehmens zuzuordnen.

Beschreiben Sie außerdem Ihre Kunden, Ihre wesentlichen Ressourcen sowie die Infrastruktur des Unternehmens. Und erläutern Sie, wie die Kommunikation innerhalb des Unternehmens und mit externen Partnern erfolgt.

In der Prozesslandschaft stellen Sie Ihre Kernprozesse dar, mit denen Sie Geld am Markt verdienen.

Schritt 5

Arbeiten Sie die Chancen und Risiken Ihrer gesamten Unternehmenstätigkeit heraus.

Chancen von wirklicher Bedeutung sind solche, die vom Unternehmen auch genutzt werden können, da sie mit den strategischen Ressourcen und Werten in Einklang gebracht werden können. Echte Risiken sind jene, mit denen sich das Unternehmen unweigerlich befassen muss und wofür es nicht gut ausgestattet ist.

Arbeiten Sie am besten mit einer SWOT-Analyse.

Schritt 6

Erstellen Sie die Qualitätsanforderungsdokumente.

In Ihrer Prozesslandschaft haben Sie die Kernprozesse erfasst. Nun müssen für jeden Prozess Verfahrensanweisungen verfasst werden, zum Beispiel aus den Bereichen:

  • Marketing
  • Produktion
  • Vertrieb
  • Einkauf
  • Lagerhaltung
  • Finanzierung
  • Controlling
  • Rechnungswesen

Arbeitsanweisungen und Arbeitshilfen erleichtern den Beteiligten eine qualitätsgerechte Bearbeitung der Aufgaben des Kernprozesses. Überprüfen Sie, ob Ihr Dokumentenmanagement qualitätsgerecht ist. Und sichern Sie, dass nur die gültigen und freigegebenen Unterlagen verwendet werden. Bedenken Sie, dass Personal-Computer kein Privateigentum sind, in denen eine individuelle Ordnung zugelassen werden kann. Erstellen Sie eine Ablagesystematik für die Bereiche, in denen die Programme die Systematik nicht schon vorgeben. Zu der Ablagesystematik gehört zum einen die Ordnerstruktur im Datei-Manager, zum anderen der Name einer Datei, mit dem sie gespeichert wird. Passen Sie Ihre Ablagesystematik Ihrer Aktenordnung möglichst an. Und dokumentieren Sie Ihr System zur Sicherung der Daten.

Erfassen Sie die ausgesonderten Qualitätsdokumente in einem Archiv. Prüfen Sie: Entspricht es den gesetzlichen Normen (zum Beispiel den Aufbewahrungsfristen) und Ihrem QM-System?

Völlig ausreichend ist, wenn Sie die tatsächlichen Prozesse in den Qualitätsdokumenten abbilden. Damit sichern Sie die Wiederholbarkeit des IST. Wenn Sie jeden Prozess durchdenken, um ihn zu beschreiben oder in einem Ablaufdiagramm abzubilden, können Verbesserungen sofort durchgeführt werden. Bedenken Sie: schon die Einführung des QM-Systems stellt eine große Herausforderung dar; überfrachten Sie diesen Prozess nicht.

Schritt 7

Starten Sie mit der Inkraftsetzung Ihres QM-Systems.

Die Vorbereitung Ihres QM-Systems hat vielleicht ein ganzes Jahr in Anspruch genommen. Das QM-System ist beschrieben, Handbuch, Verfahrensanweisungen, Checklisten und Vorlagen sind erstellt, alle Dokumente sind an den Orten verfügbar, wo sie gebraucht werden. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, dieses Managementsystem zum Unternehmensgesetz zu machen:

  • Wählen Sie einen für Ihr Unternehmen passenden Zeitpunkt.
  • Nutzen Sie die Inkraftsetzung als Maßnahme, um allen Mitarbeitern die Bedeutung von Qualität bewusst zu machen.
  • Unterstützen Sie den Anfangselan, indem Sie Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter willkommen heißen.
  • Setzen Sie Verbesserungen sofort um und dokumentieren Sie das.

Nutzen Sie die internen Audits, um einzelne, abgegrenzte Bereiche auf den Erfolg mit dem QM-System zu überprüfen.

Schritt 8

Umgang mit Fehlern.

Ihre Unternehmenskultur ist gut: Fehler werden nicht vertuscht, sondern besprochen. Denn seit Konfuzius ist ein Fehler erst dann ein wirklicher Fehler, wenn man aus ihm nichts lernt.

Sie haben ein Formblatt „Fehlermeldung“, werten die Fehler hinsichtlich Schadensumfang sowie Eintrittshäufigkeit aus. Sie suchen nach den offensichtlichen und den verborgenen Ursachen der Fehler, möglicherweise mit statistischen Methoden der Qualitätsregelkarte. Und Sie haben mit dem Formblatt „Verbesserungsvorschlag“ ein Instrument, dass allen erlaubt, auf ihre künftige Vermeidung hinzuarbeiten. Daraus entsteht ein Maßnahmenplan, der abgearbeitet wird.

Schritt 9

Ihr Unternehmen entwickelt sich; was ist zu tun bei Veränderungen?

Auch wenn Sie kein F&E-Unternehmen sind und seit Jahren immer nur die gleichen Produkte herstellen – Veränderungen ergeben sich ständig am Markt, bei den Lieferanten und bei den Kunden. Aber auch intern: im Maschinenpark, bei der IT-Ausstattung, bei Ihren Mitarbeitern. Überlegen Sie, wie Sie Ihre operativen Reaktionen auf solche Veränderungen strategisch unterfüttern können, also langfristig agieren statt kurzfristig reagieren:

  • Welche Instrumente setzen Sie für eine Marktbeobachtung ein?
  • Wie erkennen Sie Ihre Schwächen und wie können Sie diese reduzieren oder gar beseitigen?
  • Haben Sie einen Entwicklungsplan für Ihr Unternehmen? Was wollen Sie in diesem, im nächsten und im darauffolgenden Jahr unternehmen und erreichen?
  • Können Sie mit den Forderungen des Abschnitts 8.3 der ISO 9001 „Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen“ Ihre Position im Wettbewerb verbessern?
  • Besitzen Sie (objektive) Kriterien für die Evaluierung von Veränderungsanforderungen und Verbesserungsvorschlägen?
  • Reichen dafür Ihre Ressourcen?

Schritt 10

Ist Ihr QM-System ein Erfolg? Bewerten Sie!

Wenn Sie Ihre Prozesse im materiellen Sinne betrachten, muss Ihre Qualitätsproduktion nachweisliche Vorteile zeigen; anhand von messbaren Kriterien wie den sogenannten Key Performance Indicators erkennen Sie, ob der Prozess das leistet, wofür er da ist. Wenn Sie die Prozesse im immateriellen Sinne, als Managementaufgabe, betrachten, müssen gleichfalls Vorteile nachzuweisen sein.

  • Erfassen Sie die Kundenzufriedenheit und legen Sie ein höheres Maß fest, auf dass die Kundenzufriedenheit steigt!
  • Vergleiche Sie Ihre Reklamationsraten, Ihre Ausschuss- und Fehlerproduktion!
  • Können Sie die Prüfzyklen vergrößern?
  • Ist die Rückverfolgbarkeit vollständig und zeitsparend zu absolvieren?
  • Sind Schnittstellenprobleme im Haus und mit Externen seltener geworden?
  • Wird weniger Zeit mit überflüssigen Tätigkeiten verbraucht? (zum Beispiel mit Dokumentensuche, Einhalten von Formalitäten, die niemand braucht, oder dem Schreiben von Berichten, die niemand liest)
  • Ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter gestiegen, sind der Krankenstand, die Zahl der Fehlstunden gesunken?
  • Ist die Identifikation aller Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen und der Unternehmenskultur gestiegen?
  • Gibt es mehr Verbesserungsvorschläge?
  • Kommen interessante Angebote von außen?
  • Gibt es bei der Führung der Mitarbeiter eine höhere Zufriedenheit, weniger Klagen, weniger Stress?
  • Sind Reibungsverluste durch Ausnahmesituationen geringer geworden?

Die Norm zwingt Sie, regelmäßig Ihr QM-System zu auditieren. Nehmen Sie sich wichtige Kernprozesse für interne Audits vor. Erstellen Sie mit dem QM-Beauftragten und anderen Beteiligten jeweils einen Auditplan. Kommen Sie nicht in die Versuchung, „Auditüberfälle“ in Ihrem Unternehmen durchzuführen. Das interne Audit ist ein partnerschaftliches Verfahren mit dem Ziel der gemeinsamen Verbesserung!

Nutzen Sie Ihre Arbeitsanweisung „Internes Audit“. Und kommen Sie gemeinsam zu einem Maßnahmenplan. Denn sicher wird es Verbesserungsbedarf geben. Aber halten Sie die Balance zwischen Aufschieberitis und Aktionismus.

Damit solche Audits keine Monsterveranstaltungen werden, sollten Sie sich auf einzelne Kernprozesse fokussieren. Sie werden im Verlauf von drei Jahren durchaus einige solcher Audits durchführen. Lassen Sie als Verantwortlicher im Unternehmen einmal pro Jahr alle Prozesse Revue passieren. Das Managementreview ist eine solche Gelegenheit.

Das gleiche Verfahren wie bei internen Audits wird für externe Audits angewandt. Hier haben alle die Chance, ihre Prozesse durch die Augen eines externen Experten überprüfen zu lassen und dann zu verbessern.

Schritt 11

Verbesserungen des QM-Systems.

Stellen Sie den Qualifizierungsbedarf Ihres QM-Systems fest. Dazu haben Sie mit den jährlichen Managementreviews gute Gelegenheit. Aber beziehen Sie alle Beteiligten und wenn möglich auch die Betroffenen mit ein.

Dokumentieren Sie den ermittelten Qualifizierungsbedarf, überwachen Sie, ob er durch geeignete Maßnahmen erfüllt wird und sichern Sie den neuen Status. Sofern dazu eine Weiterbildung Beteiligter nötig wird, fixieren Sie dies im Weiterbildungsplan. So wird das QM-System perfektioniert, die Anwendung der DIN EN ISO 9001 zur Selbstverständlichkeit und Ihr Unternehmen zu einem Erfolgsmodell und (Hidden) Champion.

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