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Kennzahlensysteme

Zeitlicher Bezug von Kennzahlen

Viele Kennzahlen erhalten ihre Aussagekraft erst dadurch, dass sie in Beziehung zur Zeit gesetzt werden. Denn dadurch drücken sie eine Leistung aus (wie in der Physik: Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit). Für Unternehmen ist es sehr wichtig, die erbrachte Leistung im Wettbewerb mit anderen Unternehmen und für den Kunden zu ermitteln und abzubilden. Das zeigt sich beispielsweise bei:

  • Umsatz pro Jahr
  • erzeugte Stückzahl pro Stunde
  • Reklamationen pro Woche

Rückblick und Vorausschau

Es gibt einen weiteren wichtigen Bezug von Kennzahlen zurzeit. Einige Kennzahlen bilden eher vergangene Ereignisse ab. Andere sind Indikatoren für zukünftige Entwicklungen.

Hinweis

Das Kennzahlensystem eines Unternehmens sollte ausgewogen sein. Das heißt, es sollte Kennzahlen umfassen, die sich sowohl auf die Vergangenheit, als auch auf die Zukunft des Unternehmens beziehen.

Dem entsprechend werden unterschieden:

1. Frühindikatoren

Diese Kennzahlen bilden Vorgänge ab, die heute maßgeblich Einfluss auf zukünftige Ergebnisse und Leistungen haben; diese Kennzahlen sind also auf die Zukunft ausgerichtet. Sie zeigen frühzeitig auf, ob das Unternehmen auch in Zukunft seine Ziele noch erreichen und seine Leistungen erbringen wird. Deshalb werden sie auch Leistungstreiber genannt.

Gerade die Frühindikatoren spiegeln die Besonderheiten der Strategie eines Unternehmens wider. Sie sind meistens für jedes Unternehmen sehr individuell. Sie sind auch deshalb sehr wichtig, weil man mit ihnen rechtzeitig (re-)agieren kann. Sie zeigen ja frühzeitig eine Entwicklung auf, die vielleicht aus dem Ruder läuft – und dann können Sie gegensteuern.

Beispiele für Frühindikatoren sind:

  • Automobil-Zulieferer: Teilnehmer an einem vom Unternehmen jährlich organisierten Vibrationskongress (für technische Teile). Ein sehr spezifischer Frühindikator, der die Position des Zulieferers als Know-how-Führer in diesem Bereich und damit die Marktposition weltweit ausbauen und absichern will.
  • Kfz-Anhängerhersteller: Konstruktionsänderungsanteil.
    Der Frühindikator signalisiert, inwieweit bereits bei der Auftragsabsprache die Wünsche und Erwartungen des Kunden erforscht und dem Kunden die Möglichkeiten der individuellen Fertigung bekannt waren. Damit soll die kundenorientierte Serviceleistung und darauf aufbauend seine Marktposition entwickelt werden.
  • Beratungsunternehmen: Anzahl der Weiterbildungstage für jeweils einen eigenen Berater in neuen Themenfeldern. Im Management werden ständig neue Themen und Methoden entwickelt, über die die Berater Bescheid wissen müssen; ggf. müssen Studien durchgeführt oder eigene Beratungsprodukte entwickelt werden. Damit soll die Innovationskraft des Unternehmens erhalten oder ausgebaut werden.

2. Spätindikatoren

Spätindikatoren bilden vergangene Ereignisse ab, indem sie die Ergebnisse und Erfolge darstellen. Deshalb werden sie auch als Ergebniskennzahlen oder Endpunkte bezeichnet. Das heißt, sie zeigen auf, ob und wie gut eine Strategie umgesetzt oder ein Ziel erreicht wurde.

Endpunkt meint dabei nicht, dass damit das Ziel endgültig erreicht wurde und alle Bemühungen eingestellt werden können. Da ein Unternehmen ein kontinuierlicher Strom von Aktivitäten ist, geht es auch danach weiter. Endpunkte in diesem Sinn haben also mehr Meilenstein-Charakter.

Viele klassische Kennzahlensysteme in Unternehmen setzen sich fast ausschließlich aus Spätindikatoren zusammen. Meistens sind dies auch typische Kennzahlen, die in vielen Unternehmen angewendet werden.

Beispiele sind:

  • Umsatz
  • Gewinn
  • Marktanteil
  • Kundenzufriedenheit

Eine Frage der Perspektive

In einigen Fällen lässt sich nicht sagen, ob eine Kennzahl ein Früh- oder ein Spätindikator ist. Es ist eine Frage der Perspektive. So kann beispielweise die Kundenzufriedenheit im Nachhinein abbilden, wie gut die Leistung beim Kunden ankam. Sie kann aber auch ein Indikator sein für zukünftige Entwicklungen der Verkaufszahlen, wenn unzufriedene Kunden abwandern.

Aus diesem Grund ist es wichtig, sich über die inhaltliche Bedeutung der Kennzahlen Klarheit zu verschaffen. Diese ergibt sich aus der konkreten Verwendung in Gesprächen oder als Grundlage für Entscheidungen.

Analysieren Sie Ihre Kennzahlen auf ihre zeitliche Perspektive:

  • Frühindikatoren sind in die Zukunft gerichtet, zeigen mögliche Entwicklungen auf;
  • Spätindikatoren bilden die Vergangenheit ab, zeigen die erreichten Ergebnisse und Leistungen.



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