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Six Sigma

Der Six Sigma-Werkzeugkasten

Im Mittelpunkt der Analyse bei Six Sigma stehen die sogenannten Critical-to-Quality Characteristics (CTQs). Sie sind ein zentraler Baustein für Six Sigma. Das sind alle wichtigen Überwachungspunkte im Unternehmen, die zeigen, ob die kundenkritischen, prozesskritischen und vorgabenkritischen Merkmale und Qualitätsstandards auch eingehalten werden. Sie werden anhand geeigneter Messgrößen regelmäßig überprüft und gemessen. Sie zeigen durch Abweichungen vom Soll-Wert die Ansatzpunkte für Verbesserungsmaßnahmen und Six Sigma-Projekte.

Die wichtigen Begriffe, die bei der Messung eine Rolle spielen, sind:

  • Critical-to-Quality Characteristics (CTQs)
  • Defects
  • Opportunities for Defects (OFD)
  • Defects per Million Opportunities (DPMO)
  • Parts per Million (PPM)

Um die Ziele zu erreichen und die Aufgaben zu erfüllen, wie sie von Six Sigma vorgegeben sind, kann eine Vielzahl von Werkzeugen genutzt werden. Im Six Sigma-Werkzeugkasten (Toolbox) sind 7 mal 7 Werkzeuge so strukturiert, dass sie alle Bereiche eines Unternehmens abdecken. Das sind im Einzelnen:

  • Kunden-Werkzeuge: Kano-Modell, Anforderungsstrukturierung, House of Quality, Taguchi-Verlustfunktion, Kundeninterviews, Kundenfragebögen, Conjoint-Analyse
  • Projekt-Werkzeuge: Projektbeschreibung und Teambeschreibung, Netzplan, CTQ-Analyse, Baumdiagramm, Fähigkeitsanalyse, Kosten-Nutzen-Analyse, Qualitätsregelkarten
  • Schlankheits-Werkzeuge: Standardisierung, Verschwendungsanalyse, Engpassanalyse, Flussdiagramm, Versorgungskettenmatrix, Rüstzeitanalyse, Red-Tag-Analyse
  • Management-Werkzeuge: Entscheidungsbaum, Affinitätsdiagramm, Beziehungsdiagramm, Baumdiagramm, Matrixdiagramm, Matrix Daten Analyse, Netzplantechnik
  • Design-Werkzeuge: Robustes Design, Quality Function Deployment, TRIZ, Konzeptauswahlanalyse nach Pugh, Varianz- (VMEA) bzw. Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), Fehlerbaumanalyse, Toleranzanalyse und Toleranzdesign
  • Grafik-Werkzeuge: Prüfformulare inkl. Messplan, Histogramm, Paretodiagramm, Ursache-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa- bzw. Fishbone-Diagramm), grafischer Vergleich, Relationendiagramm, Qualitätsregelkarten
  • Statistik-Werkzeuge zur Prozesssteuerung (SPC): Faktorielle Versuche, Fähigkeitsanalyse, Regressionsanalyse, multivariate Analyse, statistische Testverfahren wie beispielsweise Messsystemanalyse (MSA), Mittelwert- (ANOM) und Varianzanalysen (ANOVA), Hypothesentest, Gage R&R-Analyse

Hinweis

Eine Vielzahl von Werkzeugen für das Qualitätsmanagement finden Sie auch in unserer Lösungshilfe:

Qualitätsmanagement mit Excel

Welche dieser Methoden und Werkzeuge kennen Sie oder sind in Ihrem Unternehmen bekannt? Wie fundiert sind Ihre Kompetenzen? Welche Kompetenzen bringen Kollegen aus Ihrem Unternehmen mit?

Welche Werkzeuge setzen Sie in Ihrem Unternehmen bereits ein?




Einige Werkzeuge sind einfach und schnell einsetzbar. Sie haben eine eindeutige Funktion und helfen dabei, einzelne Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen. Beispiele sind hier:

  • Ursache-Wirkungs-Diagramm
  • Paretodiagramm
  • Beziehungsdiagramm
  • Histogramm
  • Flussdiagrammm

Hinter anderen Werkzeugen stehen komplexe Modelle und Methoden. Sie erfordern Expertenwissen und ihr Einsatz ist umfassender und weitreichender. Beispiele sind hier:

  • Statistische Prozesskontrolle
  • TRIZ
  • Quality Function Deployment
  • Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA)
  • Conjoint-Analyse

Neben dem Wissen um Hintergründe und Anwendungsweise ist auch Erfahrungswissen mit dem jeweiligen Werkzeug von großem Vorteil. Schulungen für die Mitarbeiter, konsequente Anwendung im Unternehmen und regelmäßiger Erfahrungsaustausch sind deshalb unabdingbar.

Hinweis

Viele Werkzeuge basieren statistische Methoden. Hier hat sich inzwischen die Statistik-Software MINITAB als Standard für Six Sigma herausgestellt. Sie wird von vielen Schulungsanbietern und von Unternehmen eingesetzt. Mehr finden Sie unter http://www.minitab.com.

Das Qualitätsmanagement insgesamt und insbesondere das nach dem Six Sigma-Konzept basiert zu einem großen Teil auf diesem methodischen Vorgehen und profitiert vom Einsatz der Werkzeuge. Denn:

  • Sie helfen dabei, einen Verbesserungsprozess anzustoßen.
  • Sie rücken das Kernproblem in den Mittelpunkt und machen es sichtbar.
  • Sie unterstützen die systematische Analyse, wenn unbekannte Probleme auftauchen.
  • Mitarbeiter, die sie anwenden, fühlen sich in das Thema eingebunden.
  • Sie fördern die Zusammenarbeit im Team.
  • Sie fördern die Kommunikation unter allen Beteiligten.
  • Sie fördern das qualitätsorientierte Denken aller Mitarbeiter.
  • Sie unterstützen die qualitätsorientierte Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und machen sichtbar, welche Standards in einem Unternehmen gültig sind.

Es ist gerade die systematische Vorgehensweise und die strenge Orientierung an solchen Verfahren und Werkzeugen, die den Erfolg von Six Sigma kennzeichnen. Die Systematik wird auch im wichtigen Six Sigma-Kernprozess sichtbar. Aus den einzelnen Schritten leitet sich der Name ab: DMAIC. Dieser Kernprozess kommt immer dann zur Anwendung, wenn der zugrunde liegende Unternehmensprozess bereits beschrieben und etabliert ist.

Der Six Sigma-Kernprozess: DMAIC

Das sind die Aufgaben im Rahmen der einzelnen Arbeitsschritte:

Define

  • Projekt definieren
  • Zeitplan analysieren
  • Variablenermittlung

Measure

  • Variablen reduzieren
  • Datenerhebungsplan bestimmen
  • Messsystem festlegen
  • Messsystem analysieren
  • Prozessdaten im Ist-Zustand aufnehmen

Analyze

  • Prozessdaten analysieren
  • Ursachen erkennen

Improve

  • Maßnahmen im Team festlegen und umsetzen
  • Ursachen beseitigen
  • Verbesserungen nachweisen

Controll

  • Prozess neu standardisieren
  • Lerneffekte sicherstellen
  • Einsparungen nachweisen

Ist der Unternehmensprozess als solcher noch nicht definiert und etabliert, dann kommt der sogenannte DMADV-Prozess zum Tragen. Er ist der Kernprozess nach dem sogenannten Design for Six Sigma (DfSS):

  • Definieren der Projektziele und Kundenwünsche (intern und extern)
  • Messen und Festlegen von Kundenbedürfnissen und Spezifikationen
  • Analysieren der Prozessmöglichkeiten, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen
  • Design (detailliert) des Prozesses, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen
  • Verify als Sicherstellen der Designleistung und Möglichkeit, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

Wir haben für Sie einige Werkzeuge als Arbeitsvorlage aufbereitet, für andere gibt es eine gesonderte Lösungshilfe auf business-wissen.de. In der folgenden Arbeitsvorlage finden Sie eine kurze Beschreibung aller Werkzeuge und Links zu unseren Vorlagen und Lösungshilfen.

Der Einsatz der Six Sigma-Werkzeuge ist meist sehr aufwendig. Wenn Sie diese (oder einen Teil davon) im Rahmen Ihres Qualitätsmanagements nutzen, sollten Sie deshalb besonders darauf achten, dass dies zweckorientiert erfolgt. Werkzeuge sind dazu da, um bestimmte Ziele zu erreichen; sie sind kein Selbstzweck. Prüfen Sie also genau, welche Fragen oder Probleme Sie mit dem Werkzeug lösen wollen. Und prüfen Sie, ob Sie die notwendigen Konsequenzen, die Lösung des Problems oder die Umsetzung von Maßnahmen, auch realisieren können.

Sparen Sie nicht bei der Schulung Ihrer Mitarbeiter, wenn es um das Lernen der Werkzeuge und um das Sammeln von Erfahrungen geht. Weil diese Werkzeuge aufwendig in der Anwendung sind, sollten sie nicht falsch oder nachlässig eingesetzt werden. Wenn sich Mitarbeiter in der Anwendung einer Methode nicht sicher fühlen, vermeiden sie deren Einsatz.

Sorgen Sie für Anwendung. Setzen Sie die Werkzeuge konsequent für die vorgesehenen Zwecke ein. Stellen Sie dafür die notwendigen Ressourcen (insbesondere Zeit) zur Verfügung. Sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeiter Erfahrungen sammeln können. Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Werkzeuge für das Unternehmen und die jeweiligen Fragestellungen nützlich sind. Hat sich die Qualität verbessert? Wurden Kosten eingespart? Laufen die Prozesse besser ab? Beachten Sie, dass ein einzelnes Werkzeug oft keinen großen Nutzen bringt. Erst der kombinierte Einsatz von Werkzeugen hilft, Qualität und Unternehmensprozesse zu verbessern.

Um das zu erreichen und sicherzustellen, wird im Six Sigma-Konzept besonderes Augenmerk auf die Ausbildung der Mitarbeiter gelegt. Diese ist standardisiert und wird unternehmensübergreifend zertifiziert.

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