Kontinuierliche VerbesserungSo funktioniert Kata Coaching

Das von Toyota entwickelte Kata Coaching setzt auf Lern- und Verhaltensroutinen. Verbesserungen werden systematisch und nachhaltig möglich.

Weil sich das wirtschaftliche Umfeld und die Rahmenbedingungen für Unternehmen immer häufiger und immer schneller ändern, ist vor allem Problemlösungskompetz gefragt. Diese wird zunehmend zu einer Kernkompetenz, um am Markt zu bestehen. Damit Mitarbeiter aber kontinuierlich nach neuen Problemlösungen, nach Verbesserung streben, bedarf es einer Veränderung ihres Denkens und Handelns. Das Streben nach Verbesserung muss ihnen sozusagen in Fleisch und Blut übergehen.

Ein Instrument zum Erreichen dieses Ziels ist das beim japanischen Autobauer Toyota entwickelte Kata Coaching. Es zielt darauf ab, bei den Mitarbeitern die Kompetenz zu entwickeln, mit Unsicherheiten, Problemen und Veränderungen produktiv und kreativ umzugehen. Das Unternehmen soll sich zu einer lernenden Organisation entwickeln, das seine Performance permanent erhöht.

Kata Coaching

Kata Coaching leitet sich vom Begriff „Kata“ ab. Dieser stammt aus dem asiatischen Kampfsport und bezeichnet Denk- und Verhaltensweisen, die sich durch stetiges Üben und Anwenden zu Routinen entwickeln, die beinahe reflexartig ausgeführt werden. Kata Coaching bedeutet dabei, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen und das Streben nach Verbesserung in den Köpfen der Mitarbeiter so zu verankern, dass es ein integraler Bestandteil ihrer Alltagsarbeit wird.

Der Vorteil von Kata Coaching: Führungskräfte und Unternehmensleitung brauchen nicht permanent neue Impulse setzen. Sie werden in ihrer Arbeit entlastet. Kata Coaching unterscheidet man in Verbesserungskata und Coachingkata.

Verbesserungskata: Was ist und was soll sein?

Die Verbesserungskata zielt darauf ab, bei Mitarbeitern und Führungskräften schrittweise eine Routine darin zu entwickeln, wie man sich einem definierten Ziel-Zustand nähert. Dabei ist der Weg zum Ziel nicht vorgegeben. Er wird vielmehr im Rahmen eines experimentellen Vorgehens Schritt für Schritt gefunden. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind eine möglichst genaue Beschreibung des Ist- und des Ziel-Zustands.

Beim Verbesserungskata ist ein Zielzustand herausfordernd und erreichbar. Die Lösung ist noch unbekannt und wird in einer regelmäßigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun und den gegebenen Rahmenbedingungen allmählich entwickelt. Das Streben nach Verbesserung erfordert von den Mitarbeitern eine bewusste und angstfreie Auseinandersetzung mit ihrem (Noch-)Nicht-Wissen beziehungsweise ihren noch bestehenden Inkompetenzen. Sie müssen die eigene Wissensgrenze Schritt für Schritt ausdehnen und so ihre Komfortzone verlassen.

Bei der Verbesserungskata geht es darum, zwei Denksysteme des menschlichen Gehirns in Zusammenhang zu bringen:

  • Das schnelle, unterbewusste System, das abgespeichertes Wissen anhand von Mustern schnell erkennt und uns intuitiv handeln lässt.

  • Das langsamere System, das systematisch vorgeht und durch eine gezielte Analyse und Verknüpfung neue Erkenntnisse und Ergebnisse schafft.

Hierbei benötigen die Mitarbeiter Unterstützung in Form des Kata Coachings.

Coachingkata: Experimentell zu eigenen Lösungen gelangen

Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter auf dem Weg vom Ist-Zustand hin zu einem angestrebten Ziel-Zustand unterstützen. Sie müssen ihren Mitarbeitern mit Hilfe einer Coachingkata das Anwenden der Verbesserungskata erleichtern. Das heißt: Durch ein gezieltes Coaching arbeiten sie darauf hin, dass das Anwenden der Verbesserungskata zur Gewohnheit, zur Selbstverständlichkeit wird, was wiederum eine Entlastung der Führungskräfte bedeutet. Eine Coachingkata basiert auf folgenden Fragen:

  • Was ist der Ist- und was der Ziel-Zustand?
  • Welche Hindernisse stehen dem Erreichen des Ziel-Zustands im Weg?
  • Welche nächsten Schritte können daraus abgeleitet und welche Erkenntnisse daraus gewonnen werden?
  • Bis wann können erste Ergebnisse betrachtet werden und was wurde daraus gelernt?

Die Coachingkata gibt also keinen konkreten Lösungsweg vor. Vielmehr werden die Mitarbeiter dabei unterstützt, durch ein experimentelles Vorgehen eigene Lösungen zu finden. Eine zentrale Erfolgsvoraussetzung des Kata Coachings ist mithin auch eine vertrauensvolle, von wechselseitigem Respekt geprägte Beziehung zwischen Coach und Coachee beziehungsweise Führungskraft und Mitarbeiter. Denn es erfordert Mut, sich immer wieder gezielt mit der Grenze seines persönlichen Wissens zu befassen.

Kata Coaching ist kein neuer Trend im Lean Management. Es wird von vielen Unternehmen, die den Lean-Gedanken und das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung verankern wollen, bereits praktiziert. Kata Coaching steht auch nicht im Widerspruch zu traditionellen Lean-Tools und Lean-Methoden wie SMED, 5S oder Kanban. Im Gegenteil: Kata Coaching ist ein Instrument, das die erforderlichen Voraussetzungen schaffen soll, um die bewährten Lean-Management-Methoden zielführend zu nutzen. Gerade weil die Mitarbeiter das Streben nach Verbesserung verinnerlicht haben.

Fazit

Das übergeordnete Ziel von Kata Coaching lautet: Beim Lernen und im Umgang mit Veränderung soll eine Alltagsroutine entwickelt werden. Der Weg dorthin erfordert eine professionelle und systematische Instruktion und Anleitung (Coachingkata) und setzt ein kontinuierliches Üben voraus.

Kata Coaching erfordert folglich auch ein neues Führungsverständnis, eine veränderte Art zu führen. Auch diese muss von den Führungskräften eingeübt werden. Sie entwickeln sich Schritt für Schritt zu Lernmotivatoren und Lernbegleitern, die lösungsfrei führen und ihren Mitarbeitern ein schrittweises Erweitern ihrer Wissenszone ermöglichen.

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