Business-EcosystemeSo werden Sie zukunftsfit
Der Medici-Effekt
Im Italien des 15. Jahrhunderts gab es einen bemerkenswerten Schub an Reichtum und wirtschaftlicher Prosperität. Ausgelöst wurde er von der Medici-Dynastie in Florenz. Sie
- versammelte die Besten ihres Fachs aus Philosophie, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Design,
- gab ihnen Freiraum für schöpferisches Handeln und
- ließ ihnen die dafür erforderlichen Ressourcen zukommen.
So bildete sich ein intersektionales Netzwerk vielfältigster Talente, die einander befruchten konnten, indem sie die unterschiedlichsten Kompetenzen, Fachrichtungen, Denkarten und Kulturen miteinander verknüpften.
Es entstanden Stätten der Inspiration, der Kreativität, der Diversität, der Innovation, der Transformation und des Wachstums von epochaler Bedeutung. Der schwedisch-amerikanische Autor und Harvard-Absolvent Frans Johannsson nennt dies den Medici-Effekt.
Wo sich intersektionale Kreativität bilden kann
Im Gegensatz zur direktionalen Kreativität, bei der man der Richtung einer Grundidee folgt, verbindet intersektionale Kreativität zwei oder mehr unterschiedliche Konzepte miteinander.
Solche Überkreuzbefruchtung treibt völlig neue Ideen voran und sorgt für unerwartete Neukombinationen. Intersektionale Kreativität entsteht vor allem an Schnittstellen und Knotenpunkten, dort also, wo sich Bahnen kreuzen.
Im kleinen Stil passiert das bereits
- in der Kaffeeküche,
- beim unkomplizierten Austausch auf Messen und Events,
- auch auf Barcamps und
- in Coworking-Spaces sowie
- überall da, wo Fach-, Branchen- und Silobarrieren abgebaut werden.
In großem Stil entwickelt sich intersektionale Kreativität überall dort, wo Ökosysteme für Innovationen entstehen, etwa in
- Technologiezentren,
- Innovationsparks und
- an den digitalen Hotspots der Welt.
Wie in Business-Ecosystemen Zukunft entsteht
Schnittstellen sind die dynamischsten Orte für Fortschritt und Wandel:
- Sie gestatten einen Ausbruch aus vorherrschenden Denkmustern und etablierten Vorgehensweisen.
- Sie bieten beste Chancen für die Neuverknüpfung von Möglichkeiten.
- Sie erweitern, wie bei einer Straßenkreuzung, den Horizont und
- lassen neue Blickwinkel entstehen.
Man kommt auf neue Gedanken und kann in neue Richtungen gehen.
An Schnittstellen treten überraschende, kühne, außergewöhnliche, bahnbrechende Ideen zutage, die den Lauf der Dinge stark beeinflussen oder sogar radikal verändern können. Sie ermöglichen das Andocken weiterer Ideen im gesamten System und zugleich die Fortentwicklung an den einzelnen Strängen.
Wer sich auf den Weg zu solchen Schnittstellen macht, wer sie findet und clever besetzt, macht sich unschlagbar.
Kluge Vernetzung erzeugt Wettbewerbsvorteile
In einer hochdigitalisierten und zugleich hypervernetzten Welt ist niemand mehr eine Insel. So wird die Businesswelt fortan nicht länger ein Allerlei von Einzelanbietern sein, sondern eine Welt von Ecosystemen.
Wenn sich alles miteinander vernetzt, tun sich isolierte Einheiten schwer. Die Grenzen zwischen den Branchen fallen und ihr Zusammenspiel wird ganz und gar neu definiert.
Inzwischen verbinden sich ganze Industrien miteinander, um fortan am Markt zu bestehen. Selbst ehemalige Konkurrenten arbeiten durchdacht zusammen, um für die Kunden attraktiver zu werden.
Statt Mono-Produkte zu pushen, werden Servicepakete um ein Kernleistungsversprechen herum zusammengestellt und von verschiedenen Anbietern gemeinsam erbracht.
So werden Business-Ecosysteme zur nächsten evolutionären Stufe einer erfolgreichen Wirtschaft.
Ecosysteme erschaffen höheren Kundennutzen
Business-Ecosysteme umkreisen die anvisierten Käufergruppen mit einer Auswahl von Lösungen. Sie stammen zwar von verschiedenen Anbietern, ergeben jedoch aus Kundensicht ein perfekt aufeinander abgestimmtes Komplettangebot, das Passendes
- nahtlos miteinander verknüpft und
- bequem zugänglich macht.
Biologische Ökosysteme, wie zum Beispiel Meeresbiotope, dienen Business-Ecosystemen als Vorbild und Analogie. Business-Ecosysteme umfassen ein kollaboratives Netzwerk aus wirtschaftlichen Akteuren, die
- rechtlich autonom sind,
- lose gekoppelt agieren und
- sich ergänzen.
So schaffen sie im Miteinander einen höheren Kundennutzen als jeder Einzelne für sich allein, weil der Kunde alles aus einer Hand erhält. Das Ganze funktioniert wie aus einem Guss.
Beispiele für erfolgreiche Business-Ecosysteme
Für vorausdenkende Firmenlenker eröffnen solche unternehmensübergreifenden Organisationsformate immense Möglichkeiten, auf Kundenbedürfnisse einzugehen und einzigartige Komplettlösungen anzubieten.
Die Fähigkeit, solche Systeme zu gestalten, zählt zu den Schlüsselkompetenzen der Zukunft. „Bis 2030 werden mehr als 30 Prozent der weltweiten Umsätze in Business-Ecosystemen erwirtschaftet werden“, meint Michael Lewrick, ein international tätiger Experte für Innovationsstrategien.
Wie hoch die Anziehungs- und Ertragskraft derartiger Systeme ist, zeigen frühe Protagonisten seit Jahren.
Ein Paradebeispiel dafür ist Apple. Mit diversen Endgeräten, einer Vielzahl von Services und mehr als 500 Stores weltweit hat das Unternehmen ein Universum erschaffen, aus dem eingefleischte Fans nicht mehr desertieren. Auch rund um das iPhone selbst ist in Zusammenarbeit mit Drittanbietern ein für den User höchst attraktives Ecosystem entstanden.
Ein weiteres exzellentes Beispiel ist Fressnapf. Und das Ecosystem von Red Bull machte seinen Begründer zum reichsten Mann Österreichs.
Ecosysteme profitieren von Netzwerkeffekten
Partnerschaften zwischen Unternehmen gab es natürlich auch früher, doch diese verfolgten meist eigennützige Ziele. Vor allem ging es um Kostenersparnisse oder die Erhöhung der Absatzzahlen, also um Eigeninteressen.
Moderne Business-Ecosysteme hingegen werden um die heutigen und zukünftigen Bedürfnisse der Menschen herum entwickelt. So erschaffen sie über die Firmengrenzen hinaus gemeinsam mit anderen Partnern einen größeren Mehrwert für die Kunden, als einer allein das je könnte.
Infolgedessen werden alle beteiligten Akteure eine höhere Wertschöpfung und bessere Ergebnisse erzielen. Denn solche Ecosysteme unterliegen dem Netzwerkeffekt:
- Bessere Angebote locken mehr Käufer an,
- diese locken mehr Anbieter an und
- deren Angebote wiederum locken immer weitere Käufer an.
Ergo: Die Attraktivität steigt für alle.
Was ein Business-Ecosystem generell braucht
Perfekte Basis für ein funktionierendes Business-Ecosystem sind
- maximale digitale Unterstützung,
- eine Online-Plattform und
- die Nutzung gemeinsamer Daten.
Die Verknüpfung von Disziplinen, Industrien und Technologien, verbunden mit der exponentiellen Zunahme von Rechenleistungen, lässt dabei mehr Möglichkeiten entstehen als jemals zuvor.
Zugleich sind die Kosten zukunftstauglicher Technologien inzwischen teils dermaßen hoch, dass man sie nur noch gemeinsam stemmen kann, wenn man weiterhin profitabel sein will.
Die hohe Komplexität vernetzter Systeme und der dafür notwendige Zuwachs an Kompetenz stemmt ein Unternehmen oft kaum mehr allein. Beides kann nur noch im Verbund mit Partnern bewältigt werden.
Nicht Übertrumpfen und Dominanz, sondern Augenhöhe und Miteinander sind dabei entscheidend.
Miteinander und Kollaboration sind Trumpf
So weicht das alte Feindbilddenken von Konfrontation, Marktanteilen und Wettbewerb in Business-Ecosystemen einem Handeln, bei dem Kollaboration eine entscheidende Rolle spielt.
Unternehmen erzeugen eine Aufpreisbereitschaft und binden Kunden dauerhaft, wenn sie
- aus dem Mindset von Konkurrenz und Einzelunternehmertum ausbrechen,
- ein branchenübergreifendes Miteinander zugunsten der Kunden als neue Marschrichtung akzeptieren und
- dies mit sozialer Verantwortung und dem Schutz unseres Heimatplaneten verknüpfen.
Kunden wollen aus solchen Systemen gar nicht mehr raus, weil sie eine emotionale Heimat gefunden haben. Zudem entsteht eine engagierte Community, die enorme Multiplikatoreneffekte erzeugt, sprich: Die Kunden werden zu Botschaftern und kostenlosen Verkäufern.
Im zweiten Teil erfahren Sie, wie Business-Ecosysteme in der Praxis funktionieren. (Erscheint demnächst)



