InnovationskulturWie Sie Innovationen durch kreative Freiräume fördern

Unternehmen fördern Innovation, indem sie ihren Beschäftigten einen Teil ihrer Arbeitszeit für das Entwickeln neuer Ideen zur Verfügung stellen. Wie kleine und mittlere Unternehmen Schritt für Schritt eine Innovationskultur etablieren.

Kleine und mittlere Unternehmen steigern mit der Umsetzung neuer Ideen die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Freiräume erhalten, innerhalb derer sie an neuen Produkten, Dienstleistungen oder Systemen zur Optimierung von Prozessen arbeiten können, entstehen signifikante Mehrwerte.

Wie eine solche Innovationskultur entsteht, zeigt das Beispiel Google mit seinem „20 %-Projekt“. Google stellt dabei seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mittelpunkt von Innovation. Wie funktioniert das Modell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)?

Warum eine Innovationskultur für KMU wichtig ist

Ein Schwerpunkt der innovativen Unternehmenskultur liegt auf einer verbesserten Mitarbeiterzufriedenheit. Viele Start-ups entstehen, weil deren Gründerinnen und Gründer mit den Prozessen oder Produkten des alten Unternehmens unzufrieden waren. Wird ihnen ermöglicht, ihre Ideen innerhalb des Unternehmens zu entwickeln, so profitieren beide Parteien davon: Die Beschäftigten erhalten zeitliche und finanzielle Ressourcen, um Ideen zu entwickeln, was auch deren Loyalität und Zufriedenheit fördert. Und das Unternehmen erhält im Optimalfall ein rentables Produkt und behält die Innovation im eigenen Haus – ohne Gefahr zu laufen, dass aus Mitarbeitern Konkurrenten werden.

Bei Google dürfen alle Mitarbeitenden 20 Prozent ihrer Arbeitszeit darauf verwenden, neue Ideen auszuarbeiten und weiterzuentwickeln. Das Unternehmen bietet dafür die Rahmenbedingungen. Neben der Arbeitszeit stehen den Beschäftigten weitere Ressourcen wie ein kleines Budget, Räumlichkeiten und Feedback-Runden zur freien Verfügung.

Chancen und Möglichkeiten für Innovationen gibt es für KMU immer

Jedes mittelständische Unternehmen kann sofort mit dem Innovationsmanagement beginnen. Die Herausforderungen und Chancen, die das Umfeld und technologische Entwickelungen wie die Digitalisierung bieten, lassen sich oft in neue Produkte und Dienstleistungen überführen. Wer erkennt die Möglichkeiten dafür besser als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Markt und die Kundenbedürfnisse sehr gut kennen?

Die Einführung einer Innovationskultur braucht Zeit. KMU sollten deshalb frühzeitig anfangen, ihr Innovationsmanagement vorzubereiten.

Wie Sie Innovationsmanagement in KMU einführen

Zunächst entscheidet das Management darüber, welche Art von Innovationen gefördert wird und welche Ziele damit verbunden sind.

Anschließend starten Sie mit einer Testphase. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten sich für die Testphase bewerben, um deren intrinsische Motivation auf den Prüfstand zu stellen. Im Anschluss an das Bewerbungsverfahren startet die ausgewählte Gruppe mit der Projektarbeit. Sie können den Mitgliedern dafür beispielsweise den Freitag in besonderen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Wichtig ist eine offene Feedback-Kultur. Aus der Testphase sollten Sie viele Learnings ziehen, mit denen Sie die zukünftige Innovationskultur formen.

Nach dem Abschluss der Testphase werden die Ergebnisse den anderen Beschäftigten vorgestellt. Danach können Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Das Unternehmen definiert Innovationsprojekte und Interessierte bewerben sich für die Mitarbeit.
  • Projekte können von den Beschäftigten selbst nach Absprache initiiert werden.

Es sollte pro Projektgruppe ein fester Tag und eine Personenzahl definiert werden. Am festgelegten Tag wird an der Idee gearbeitet. Gestalten Sie einen aktiven Austausch zwischen den Gruppen, um gegenseitig von Fehlern lernen zu können und sich stetig zu verbessern.

Innovation durch unternehmensinternen Wettbewerb fördern

Regelmäßige unternehmensinterne Innovationswettbewerbe zwischen den Beschäftigten fördern das Entwickeln von Innovationen im Unternehmen. Das Unternehmen gibt beispielsweise ein Thema vor und die Beschäftigten entwickeln in Gruppen Ideen, die zu einem festgelegten Zeitpunkt eingereicht und in einem Pitch vorgestellt werden. Danach wird ein Gewinnerteam gewählt, das mit einem Budget an der Idee arbeiten darf.

Fördern Sie den sportlichen Charakter des Wettbewerbs, damit die Teams mit positiven Emotionen an die Herausforderung herangehen können. Kommunizieren Sie die Aktionen darüber hinaus über Ihre Social-Media-Kanäle und stärken Sie so Ihre Marke – bei Ihren Kunden und potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern.

Wie Sie die Projektteams zusammenstellen

Was die Anzahl der Teilnehmenden eines Projekts betrifft, gilt: Das Team sollte so klein wie möglich und so groß wie nötig sein. Kleine Teams arbeiten effizienter. Achten Sie zudem auf ein diverses Team. Nur Marketer oder ausschließlich Programmierer in einem Projekt zu haben, ist zu einseitig. Das schadet der Kreativität und führt oft zu unbefriedigenden Produkten. Mit einer Ausnahme: Geht es um eine spezifische Prozessinnovation im Unternehmen, zum Beispiel die Umstellung auf Cloud-Lösungen, dann ist ein Fokus auf Technik-Spezialisten sinnvoll.

Die Teamgröße ist auch abhängig von der Komplexität des Projekts. Je umfangreicher das Projekt, desto mehr Ressourcen werden benötigt. Die Teamgröße kann im Laufe des Projekts angepasst werden und sollte nicht zu statisch definiert werden.

Welche KPIs den Innovationserfolg messen

Ein wichtiger Erfolgsfaktor liegt in der Messung des Erfolgs mit einer Idee. Legen Sie direkt zum Projektstart Key Performance Indicators (KPIs) fest, anhand derer nach Ablauf einer bestimmten Zeitperiode gemessen werden kann, ob die Idee sich rentiert hat oder sich voraussichtlich rentieren wird. KPIs für den Innovationserfolg können sich auf folgende Bereiche beziehen:

  • Verkaufszahlen und Umsatzerlöse (bei neuen Produkten)
  • Einfluss auf Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Umsatz/Arbeitseinsatz)
  • Steigerung der Prozesseffizienz
  • Sichtbarkeit des Unternehmens (Erfolg einer Kampagne, Bekanntheitsgrad)

Welche KPIs Sie verwenden, hängt vom Zweck der Innovation ab. Wer beispielsweise ein neues Produkt entwickelt oder ein bestehendes Produkt weiterentwickelt, orientiert sich am Umsatz. Sollen mit der Innovation bestehende Prozesse oder die Mitarbeiterproduktivität optimiert werden, sind andere Kennzahlen aussagekräftiger.

Es sollte von vornherein feststehen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein Projekt nach Ablauf der festgelegten Zeit fortgeführt wird. Beschäftigte sollten transparentes Feedback erhalten. Ansonsten droht Unzufriedenheit und schlimmstenfalls Kündigungen, die sich negativ auf das Unternehmensimage auswirken können.

Wem die Innovation gehört

Die Innovation gehört grundsätzlich dem Unternehmen. Das sollte allen klar sein, um Enttäuschungen von vornherein zu vermeiden. Vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genügen zwar die kreativen Freiräume als Kompensation. Jedoch sollten Sie zusätzliche Anreize setzen, um den Erfolg der Innovationsarbeit zu erhöhen. Folgende Anreize können Sie Ihren Beschäftigten bieten:

  • Auszahlung von Boni bei Erreichen von Zielen
  • Beteiligung an generierten Umsätzen des neuen Produkts oder Services
  • zusätzliche geldwerte Vorteile
  • Beförderungen
  • Weiterbildungen

Auf diese Risiken sollten Sie achten

Nicht jede Idee verdient es, verfolgt zu werden. Unternehmen müssen ihre Ressourcen effizient einsetzen. Dieser Aspekt muss bei der Einführung der Innovationskultur kommuniziert werden. Ideen sollten außerdem einen transparenten Auswahlprozess durchlaufen. Je nach Unternehmen können nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter parallel an Innovationen arbeiten – denken Sie dran: Das bindet Ressourcen. Diese Ressourcen müssen dort eingesetzt werden, wo der größtmögliche Output erwartet wird.

Eines sollte aber feststehen: Alle haben die Chance, an einer Innovation zu arbeiten – ob als Ideengeberin oder Projektmitarbeiter. Mit einer Einschränkung: Der Zeitpunkt, wann dies möglich ist, sollte immer abhängig davon sein, welche Themen im Unternehmen aktuell Priorität genießen. Eine festgelegte Zahl von Mitarbeitenden sollte aber immer Zeit für Innovationsprojekte haben; so wie Google es mit seinem 20 %-Projekt vormacht. Ansonsten leidet die Innovationskultur.

Fazit

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aufgrund ihrer Branchenkenntnisse bestens geeignet, um Innovationen voranzutreiben. Je nach Branche und Unternehmen können unterschiedliche Modelle infrage kommen. Hier ist eine Trial-and-Error-Strategie und eine gesunde Fehlerkultur gefragt, um langfristig davon profitieren zu können.

Besonders wichtig: Viel Freiheit braucht viel Vertrauen – aber auch konkrete Regeln, an die sich alle Beteiligten halten müssen.

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