ProblemlösungSo funktioniert Wicked Problem Solving

Knifflige und schwierige Probleme lassen sich nur kreativ und im Team lösen. Die Wicked-Problem-Solving-Methode nutzt dafür einen umfangreichen Baukasten mit vielen Spielzügen. Entscheidend ist immer: die richtigen Fragen stellen, visualisieren, nächste Schritte festlegen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die treibende Kraft, wenn es darum geht, Herausforderungen zu bewältigen und Veränderungen zu gestalten. Sie können mit Leidenschaft und ihren Fähigkeiten Ideen umsetzen und dazu komplexe, schwierige und knifflige Probleme lösen. Voraussetzung ist: Sie haben die passenden Methoden und Werkzeuge dafür.

Beispiele für knifflige Probleme (Wicked Problems)

Doch was sind komplexe, schwierige und knifflige Probleme? Diese können je nach Unternehmen und Situation die verschiedensten Herausforderungen sein, zum Beispiel: nachhaltiger werden und gleichzeitig Effizienz und Profite erhöhen; eine globale Krise wie zum Beispiel eine Pandemie bewältigen; oder eine neue Team-Strategie aufstellen.

Unternehmen sehen sich unter anderem durch die Digitalisierung und neue Arbeitsmodelle kontinuierlich mit komplexen Problemstellungen konfrontiert. Dabei fühlen sich die Unternehmen unter Druck gesetzt, diese Problemstellungen nachhaltiger und effizienter zu lösen. Gleichzeitig müssen sie traditionelle Herausforderungen wie das Management verteilter Teams, die Anwendung neuer Technologien und die Überbrückung von Silo-Organisationen angehen.

Problemlösen: eine entscheidende Schlüsselqualifikation

Wie gehen wir mit solchen Problemen oder Herausforderungen um? Tagtäglich begegnen uns neue Fragestellungen und nicht alle lassen sich mit einer einfachen Antwort lösen. Dann kommt es darauf an, diese Probleme strukturiert, also mit den richtigen Fragen und kreativen Lösungsansätzen, anzugehen und funktionierende Lösungen zu entwickeln.

Das World Economic Forum sieht im Lösen komplexer Probleme die wertvollste aller Fähigkeiten, um für die zukünftigen beruflichen Herausforderungen gewappnet zu sein. Dafür werden besonders kreative Ansätze und robuste Werkzeuge für die Problemlösung benötigt, die weit über das klassische Brainstorming hinausgehen.

Wicked Problem

Bereits 1973 prägten die Designtheoretiker Horst Rittel und Melvin Webber den Begriff „Wicked Problem“, auf Deutsch sinngemäß ein „vertracktes“ oder „verzwicktes“ Problem. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eine spezielle Art von Problemen, die aufgrund ihrer Komplexität und Ungewissheit mit traditionellen Methoden nicht gelöst werden können.

Vertrackte Probleme brauchen innovative Ansätze

Zur Lösung von vertrackten Problemen eignet sich das Wicked-Problem-Solving-Toolkit. Es befähigt Unternehmen und Individuen, effizient zusammenzuarbeiten und jedes komplexe Problem direkt anzupacken. Dafür nutzt es unterschiedliche Techniken aus Design Thinking, Agile, Lean und Projektmanagement, um geeignete Problemlösungen zu entwickeln. Das Toolkit hilft dabei:

  • durch richtige Fragestellungen
  • das Kernproblem zu identifizieren,
  • Ideen zu visualisieren und
  • die Teams auf dem Weg zur Lösung koordiniert und mit konkreten Schritten zu begleiten.

Ziel ist es, mithilfe von Wicked Problem Solving das Beste aus den beteiligten Teammitgliedern herauszuholen und auf eine ganz neue Art den Herausforderungen zu begegnen. Durch organisierte Handlungsabläufe, sogenannte Spielzüge, wird nicht nur Klarheit geschaffen, sondern es ermöglicht auch komplett neue Sichtweisen auf Dinge und somit vollkommen neue Lösungsansätze.

Mit drei Schritten zur Problemlösung

Wicked Problem Solving stattet Teams genau mit den Fähigkeiten aus, die zur kreativen Problemlösung benötigt werden: die Fähigkeit, schnell zu begreifen und sich anzupassen, Komplexität zu navigieren und mehr Vorstellungskraft und Energie in die Arbeit zu bringen. In drei Schritten lassen sich Aufgaben analysieren, aufteilen und effektiv lösen.

1. Visualisierung des Problems durch die richtigen Fragen

Richtige Fragen stellen ist unerlässlich, um den Umfang und Kern des Problems zu ergründen. Durch die richtigen Fragen gelangen wir zum Ursprung und verstehen das komplexe Konstrukt besser. Insbesondere helfen diese auch, gemeinsam im Team die Aufmerksamkeit für das Problem selbst und das kritische Denken anzuregen – der perfekte Einstieg in die komplexe Problemlösung.

Die Fragestellung variiert stark durch die Art der Problemstellung. Es gibt jedoch grundlegende Fragen wie zum Beispiel:

  • Was ist unsere Vision?
  • Was sind unsere Ziele?
  • Wie ist unsere Strategie aufgebaut?
  • Wie der Prozess?
  • Wie ist unsere Kultur?

Weiter Fragen können auf den Kontext eingehen, auf die Wirkung abzielen (Welche Wirkung hat diese Aktion?) oder sich auf die Vorstellungskraft richten.

2. Ideen sichtbar machen

Durch verschiedene Methoden wie Zeichnungen, Prototypen, Diagramme, Simulationen, Objekte oder Räume können Probleme sichtbar und somit für alle Teammitglieder klarer werden. Das Darstellen und Visualisieren einer Aufgabe zeigt die Struktur derselben und macht diese für alle verständlich. Umso klarer wir Herausforderungen nicht mehr als Probleme, sondern als vernetzte Systeme verstehen, desto besser können wir an der Lösung arbeiten.

3. Aus Problemen Lösungen machen

Der letzte Schritt adressiert die Definition der nächsten Schritte und somit die Lösung des Problems. Durch die Strukturierung in den ersten beiden Schritten haben wir verstanden, wo die Teilbereiche liegen und was unser Ziel ist. Im nächsten Schritt können wir nun klare und vor allem handfeste Maßnahmen ergreifen, um das Problem aktiv anzugehen. Gemeinsam mit dem Team werden kurze und klare Aufgaben verteilt, um die nächsten Schritte zur Lösung des Problems anzugehen.

Spielzüge für das Wicked Problem Solving

Die Wicked-Problem-Solving-Methode besteht aus einem Set von 46 verschiedenen Spielzügen, die jeweils kombiniert, nacheinander oder getrennt verwendet werden können. Jeder Spielzug enthält die drei Basisschritte: Fragen, Visualisierung und mit nächsten Schritten vorankommen. Im Folgenden werden drei einfache Spielzüge vorgestellt, die für jede Art von Problem und Herausforderung verwendet werden können: Post Up, Cluster und Sort It.

Post-Up-Methode

Die Post-Up-Methode beginnt damit, eine zentrale Frage zu stellen. Zum Beispiel: „Was sind eure Ideen, um das Unternehmen nachhaltiger zu gestalten?“ Im nächsten Schritt, der Visualisierung, werden die Teilnehmenden dazu aufgerufen, auf einem digitalen Board Ideen, Antworten und Gedanken auf digitalen Haftnotizen zu sammeln.

In dieser Phase müssen die Ideen noch nicht aktiv besprochen werden. Ein stilles Sammeln sorgt dafür, dass die Kreativität gefördert wird und sich die Gruppe gleichmäßig austauscht. Meist folgt darauf ein zweiter Spielzug wie zum Beispiel Cluster. Die verschiedenen Punkte können aber auch schon nach diesem Spielzug laut vorgelesen und besprochen werden.

Cluster-Methode

Der Cluster-Methode geht immer eine Ideensammlung wie zum Beispiel Post Up voraus. In diesem Spielzug versuchen wir, die Gedankengänge zu sortieren und zu sammeln. Dabei steht die Frage im Zentrum: „Was sind die übergeordneten Themen der Ideen?“ Die Teilnehmenden werden dazu aufgerufen, die gesammelten Impulse zu verschieben, zu sortieren und in Gruppen zu bündeln.

Dabei werden sich einige Ideen überschneiden, einige Gedankengänge ausgebaut und einige Kategorien ergänzt. Sobald auch hier in Stille sortiert wurde, werden die Kategorien gemeinsam beschrieben, besprochen und definiert. So ergeben sich die Kernthemen der Herausforderung.

Sort-Methode

Der Spielzug Sort stellt die zentrale Frage: „Wie wollen wir unsere Ideen ordnen?“ Damit lassen sich die verschiedenen Ideen priorisieren. Die gesammelten Ideen werden in eine Reihenfolge gebracht. Hierbei können zum Beispiel Relevanz, Priorität, Dringlichkeit oder Kosten als Maßstab verwendet werden.

Alle Teilnehmenden versuchen nun, nach diesen Kriterien die Ideen abzuwägen und in eine Reihenfolge zu bringen. Es können in diesem Schritt je nach Komplexität auch verschiedene Priorisierungen aufgegriffen werden. Durch die Reihenfolge gehen die ersten und wichtigsten Schritte hervor, welche zum Schluss nochmals thematisiert werden: „Ist jeder mit der Reihenfolge einverstanden? Gibt es vielleicht noch letzte Änderungen? Und welche ersten Schritte werden dadurch unternommen?“

Dazu im Management-Handbuch

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