InnovationWie aus Behelfslösungen Geschäftsideen werden
Menschen investieren eigene Zeit, damit Softwareprodukte im Alltag auch wirklich funktionieren. Sie übertragen Informationen, gleichen Dateien ab oder beschaffen fehlende Angaben.
Diese Behelfslösungen zeigen, dass die eingesetzte Software die eigentliche Aufgabe nicht wirklich erfüllt. Sie deuten darauf hin, dass eine neue Lösung diese Eigenarbeit übernehmen könnte.
Die folgenden Schritte erläutern, wie Sie solche Hinweise im eigenen Arbeitsumfeld untersuchen und wann sich daraus Geschäftschancen ergeben.
Die Aufgabe hinter den Anpassungen erkennen
Eine Behelfslösung zeigt zunächst, wie jemand mit einer Schwierigkeit umgeht. Für die weitere Untersuchung kommt es darauf an, welche Aufgabe damit erledigt wird.
Beispiel: Ein USB-Stick transportiert Daten. Die dahinterliegende Aufgabe besteht darin, an einem anderen Ort mit den benötigten Dateien weiterarbeiten zu können. Diese Unterscheidung öffnet den Blick für Verbesserungen.
Lassen Sie sich deshalb einen kürzlich abgeschlossenen Vorgang zeigen. Verfolgen Sie, wann die zusätzliche Arbeit begann und welches Ergebnis damit erreicht werden sollte.
Die Aussage „Unsere Daten sind schlecht organisiert“ hilft dabei wenig. Erst ein konkreter Ablauf zeigt, wer welche Information beschaffen, übertragen oder überprüfen musste, damit die eigentliche Arbeit weitergehen konnte.
Schauen Sie also genau hin und notieren Sie
- die einzelnen Handgriffe,
- die verwendeten Daten oder Unterlagen und
- das jeweils erreichte Ergebnis.
Beschreiben Sie anschließend in einem Satz, welche Aufgabe die betroffene Person bewältigen will. Lassen Sie Produktnamen und Ihre bevorzugte Lösung zunächst weg. Wenn sich nur eine Software beschreiben lässt, aber nicht die damit verbundene Aufgabe, ist noch unklar, welchen Zusatzaufwand die neue Lösung tatsächlich reduzieren soll.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Zusatzaufwands prüfen
Zudem müssen Sie klären, ob der zusätzliche Aufwand für den Kunden überhaupt eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Kommt das Problem so oft vor, dass sich eine bessere Lösung für ihn lohnen würde?
Erfassen Sie dazu,
- wie häufig die Zusatzarbeit anfällt,
- wen sie betrifft und
- welche Folgen Fehler oder Verzögerungen haben.
Daraus erkennen Sie, ob eine Verbesserung einen gelegentlichen Handgriff erleichtert oder einen erheblichen Aufwand verringern könnte.
Legen Sie einen Zeitraum fest und zählen Sie die vergleichbaren Vorgänge. Messen Sie die damit verbrachte Arbeitszeit. Ist eine Messung nicht möglich, schätzen Sie und kennzeichnen Sie Schätzungen.
Berücksichtigen Sie auch die Folgen für die nachgelagerte Arbeit:
- Muss jemand warten?
- Wird etwas doppelt bearbeitet?
- Oder fällt ein Fehler erst beim Kunden auf?
Eine lange Wartezeit und tatsächliche Arbeitszeit sind unterschiedliche Belastungen. Beide können wirtschaftlich relevant sein.
Beurteilen Sie die erwartete Entlastung im Vergleich zum bisherigen Ablauf. Bedenken Sie dabei: Auch eine Behelfslösung kann günstig, vertraut und ausreichend zuverlässig sein.
Eine Veränderung muss deshalb den Aufwand für Einführung und laufende Nutzung rechtfertigen. Entscheidend ist, ob die Aufgabe insgesamt besser erledigt wird.
Von der Beobachtung zu einer möglichen Leistung und Geschäftsidee
Ein Beispiel zeigt, wie Sie von einer Beobachtung zu einer neuen Leistung und einer möglichen Geschäftsidee kommen.
Ein Ersatzteillieferant sieht, dass Kunden vor Bestellungen Fotos, alte Rechnungen und Notizen vergleichen. Sie suchen die passende Artikelnummer. Der Aufwand entsteht damit bereits vor dem Bestellformular.
Eine Möglichkeit wäre, die eindeutige Zuordnung des benötigten Teils zu erleichtern. Dafür kämen beispielsweise eine bessere Dokumentation oder ein Identifizierungsservice infrage.
Ob diese Lösungen helfen, hängt davon ab, welche Angaben den Kunden fehlen und wer sie verlässlich bereitstellen kann. Der Nutzen wäre: Kunden könnten mit weniger Rechercheaufwand das passende Teil bestellen.
Diese Beschreibung gibt der weiteren Analyse eine Richtung. Sie erlaubt, unterschiedliche Lösungen danach zu beurteilen, ob sie die beobachtete Aufgabe tatsächlich erleichtern.
Halten Sie am Ende Ihrer Analyse in einem Satz fest,
- welche Arbeit Sie dem Kunden abnehmen und
- welches Ergebnis Sie dafür liefern könnten.
Den nächsten Schritt auf den Kundennutzen ausrichten
Untersuchen Sie bei weiteren möglichen Kunden, ob dieselbe Aufgabe dort vergleichbare Zusatzarbeit verursacht. Klären Sie außerdem, wem die Entlastung zugutekommt und wer über eine Beauftragung entscheiden würde.
Lassen Sie sich dazu bei einem weiteren Kunden eine abgeschlossene Anfrage mit den zugehörigen Rückfragen zeigen. Als Ergebnis sollte eine kurze, belegbare Beschreibung vorliegen:
- Eine bestimmte Kundengruppe
- trägt bei einer bestimmten Aufgabe
- einen beobachteten Aufwand.
Ihre Lösung könnte diesen Aufwand oder seine Folgen verringern. Halten Sie fest, was Sie dazu tatsächlich gesehen haben und welche Annahme noch offen ist. Damit haben Sie eine Grundlage, um über die weitere Angebotsentwicklung zu entscheiden.
Wählen Sie dafür die Annahme aus, deren Klärung Ihre Entscheidung am stärksten verändern würde. Das kann beispielsweise die Frage sein, ob die benötigten Informationen überhaupt zuverlässig verfügbar sind. Oder ob die Schwierigkeiten auch bei anderen Kunden wirtschaftlich ins Gewicht fallen.
Erst danach lässt sich gezielter klären, welcher Leistungsumfang, welcher Preis und welcher Bereitstellungsaufwand zusammenpassen. So wird aus einer Geschäftsidee ein konkretes Geschäftsmodell.


