KI im MittelstandKennzahl zur Bewertung der Arbeit mit KI

Geschäftsführer und Führungskräfte im Mittelstand, die Künstliche Intelligenz bereits einsetzen oder gerade einführen, sollten wissen, ob ihre Teams damit besser werden oder nur schneller.

Das Problem: Eine geeignete Kennzahl fehlt

Wenn Mittelständler über ihre KI-Einführung berichten, nennen sie eine Zahl: gesparte Zeit. Diese Zahl ist echt und meistens erfreulich.

Aber sie ist nur die halbe Messung. Die fehlende Hälfte: Merken die Mitarbeitenden noch, wenn die KI daneben liegt?

KI-Ergebnisse sind nämlich auf typische Weise falsch. Sie

  • erfinden Quellen,
  • geben veraltete Stände als aktuell aus und
  • ziehen aus richtigen Unterlagen falsche Schlüsse.

Keiner dieser Fehler meldet sich selbst. Jeder muss von einem Menschen gefunden werden – von einem Menschen, der heute ein Vielfaches an Ergebnissen freigibt, und zwar genau in der Zeit, die „gespart“ wurde.

Der Leistungssport kennt dieses Problem seit Jahrzehnten und hat es gelöst: Kein Trainer misst Leistung ohne Belastung. Ein Trainingsplan, der die Ergebnisse steigert und den Athleten dabei still erschöpft, heißt nicht Fortschritt, sondern Übertraining – und er fällt früh auf, weil beide Zahlen nebeneinander stehen.

In vielen Büros läuft derzeit genau dieses Experiment, nur ohne die zweite Kennzahl.

Frage 1: Woran erkennen Sie, dass ein KI-Ergebnis daneben liegt?

An drei wiederkehrenden Fehlerbildern.

  • erfundene Quellen: Die zitierte Studie, das Urteil, die Norm existiert nicht oder sagt etwas anderes.
  • veraltete Stände: Die Auskunft war vor zwei Jahren richtig, aber heute ist sie falsch oder nicht mehr aktuell.
  • falsche Schlüsse aus richtigen Unterlagen: Die Dokumente stimmen, die selbstbewusste Schlussfolgerung daraus nicht.

Wer diese drei Muster kennt, hat einen praktikablen Startpunkt für die Prüfung; sie ersetzen aber keine fachliche Kontrolle.

Frage 2: Wir prüfen Sie, ohne den Arbeitsfluss zu bremsen?

Mit einer festen Routine aus fünf Schritten, die sich bei kurzen Ergebnissen in wenigen Minuten anwenden lässt:

  • Herkunft: Welche Quelle stützt die Kernaussage, und existiert sie?
  • Stand: Von wann ist diese Quelle?
  • Stützung: Sagt die Quelle wirklich, was das Ergebnis behauptet?
  • Gegenprobe: Eine einzige unabhängige Kontrollfrage an anderer Stelle.
  • Vermerk: Eine Zeile: was geprüft wurde, was offen blieb, wer als Nächstes draufschaut.

Diese eine Zeile ist der Unterschied zwischen „ein Mensch hat freigegeben“ und „ein Mensch hat geprüft“ – und sie ist es, die bei Rückfragen von Kunden, Prüfern oder Aufsicht den Unterschied macht.

Frage 3: Wie messen Sie, ob das Prüfen funktioniert?

So, wie der Sport Fähigkeiten misst: durch Tests statt Vertrauen. Nutzen Sie in transparent angekündigten, nicht-produktiven Testaufgaben einen bekannten Fehler – etwa eine erfundene Quelle oder eine veraltete Zahl. Zählen Sie, wie viele Prüfer ihn finden.

Dieser Anteil ist die Fangquote, die zweite Kennzahl. Sie gehört neben die gesparte Zeit in denselben Quartalsbericht.

Steigt die gesparte Zeit, während die Fangquote fällt, werden Ihre Mitarbeitenden gerade hinter einer steigenden Produktivitätskurve ausgehöhlt. Steigen beide, ist Ihre KI-Einführung das, was sie sein soll: eine echte Verstärkung.

Was Sie als Erstes tun können

Wählen Sie einen einzigen Arbeitsablauf mit vielen Freigaben.

  • Führen Sie den Ein-Zeilen-Vermerk ein.
  • Planen Sie einen transparenten Test pro Quartal, getrennt von realen Kunden- und Beschäftigtendaten.
  • Berichten Sie beide Zahlen nebeneinander.

Das kostet keine neue Software und keinen Berater – nur die Disziplin, die jeder gute Trainer aufbringt: den Gewinn nie ohne seinen Preis zu messen.

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