ArgumenteDuzen oder Siezen am Arbeitsplatz?

Duzen oder Siezen ist jeweils mit Vorteilen und Nachteilen verbunden. Auch das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter kann von der Art und Weise der Anrede tangiert sein.

Gerade in Unternehmen mit jüngeren Mitarbeitern und Führungskräften ist „Du“ als Anredeform oft selbstverständlich. Es ist Teil der spezifischen Unternehmenskultur und soll ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schaffen.

Vor- und Nachteile des Duzens

Vorteile:

  • Schafft Vertrautheit und Zusammengehörigkeit
  • Baut Distanzen oder Hemmschwellen bei Hierarchien ab
  • Fragen gegenüber Vorgesetzten werden unbeschwerter gestellt
  • Schnellere Integration, unabhängig vom Alter oder der Nationalität
  • Partnerschaftliches Klima kann zu besseren Arbeitsergebnissen führen

Nachteile:

  • Respektvolles Miteinander kann erschwert werden
  • Vertrautheit kann suggeriert werden, obwohl sie gar nicht gelebt wird
  • Neigung, private Dinge am Arbeitsplatz zu thematisieren
  • Gefahr einer plumpen Vertraulichkeit (Beispiel: „Na, hast du abgenommen?“)

Vor- und Nachteile des Siezens

Vorteile:

  • Wirkt respektvoller und diskreter, gerade in Konflikten oder schwierigen Gesprächen
  • Unterstützt ein freundlich-distanziertes Miteinander
  • Erschwert das Äußern negativer Emotionen (Beispiel: „Sie Angeber“ statt „Du Angeber“)

Nachteile:

  • Bei uneinheitlicher Praxis – duzen und siezen verschiedener Mitarbeiter – kann die Botschaft lauten, mit dem einen oder anderen nicht klar zu kommen
  • Wirkt ablehnend (kontextabhängig)
  • Kann steif und altmodisch wirken
  • Vorgesetzte werden dadurch nicht automatisch zu Autoritätspersonen

Arbeitgeber müssen einzelne Mitarbeiter nicht zum Siezen anhalten

Arbeitgeber, die das „Du“ einführen, sind nicht verpflichtet, dem Wunsch einzelner Mitarbeiter, weiterhin gesiezt zu werden, zu entsprechen. Dies gilt auch dann, wenn über viele Jahre im Unternehmen gesiezt wurde. Es handelt sich dann lediglich um eine Gepflogenheit, auf deren Beibehaltung Mitarbeiter aber keinen Anspruch haben. Arbeitgeber sind im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht nicht verpflichtet, die restlichen Mitarbeiter zum Siezen zu bewegen.

Fürsorgepflicht

Mit Fürsorgepflicht wird eine Nebenpflicht von Arbeitgebern aus dem Arbeitsverhältnis bezeichnet. Sie soll dazu beitragen, das Arbeitsverhältnis in sozialer Weise auszugestalten. Im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht nehmen Arbeitgeber auf das Wohl und die Interessen ihrer Arbeitnehmer Rücksicht. Im Vordergrund steht die Bewahrung vor Schäden. Das kann sich auf das Leben und die Gesundheit beziehen und umfasst auch den Schutz vor rassistischen oder sexistischen Äußerungen.

Ungewolltes Duzen ist keine Beleidigung

Wird eine Kollegin oder ein Kollege ungewollt geduzt, stellt das rechtlich gesehen keine Beleidigung dar. Dies wäre erst dann der Fall, wenn mit dem Ziel geduzt wird, um die Würde der Person zu verletzen. Bloße Unhöflichkeiten oder auch Taktlosigkeit an sich reichen für den Tatbestand der Beleidigung nicht aus.

Ungewolltes Duzen könnte gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen

Werden Kolleginnen oder Kollegen gegen ihren Willen geduzt, können sie dadurch aber möglicherweise in ihrem Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 des Grundgesetzes tangiert sein. Denn: Jeder (erwachsene) Mensch hat ein Selbstbestimmungsrecht bezüglich der Art und Weise, wie er angeredet werden möchte. Arbeigeber müssen also eine Abwägung ihrer eigenen Interessen mit denen der betroffenen Mitarbeiter durchführen.

Ist das Duzen sowieso schon fester Bestandteil im Unternehmen, steht dem Persönlichkeitsrecht von Kolleginnen und Kollegen in der Regel das Interesse des Arbeitgebers an der Aufrechterhaltung seiner spezifischen Unternehmenskultur entgegen.

Mitbestimmung des Betriebsrats beim Duzen oder Siezen

Wenn in einem Unternehmen ein Betriebsrat besteht, hat dieser bei der Frage, ob gesiezt oder gedutzt wird, ein Mitbestimmungsrecht. Dieses leitet sich aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) ab.

Regeln beim Wechseln von „Sie“ auf „Du“

Regeln gibt es auch, wenn jemand vom „Sie“ zum „Du“ wechseln möchte. Hierbei ist es entscheidend, dass der in der Firmenhierarchie höher Gestellte das „Du“ anbietet. Dies gilt grundsätzlich, anders als im privaten Leben, auch unabhängig vom Alter.

Sollte der Vorgesetzte das „Du“ anbieten, empfiehlt es sich, dem Angebot auch zu folgen. Ablehnen ist heikel und kann unter Umständen als Affront verstanden werden.

Umgekehrt bedeutet ein vorschnelles Duzen am Arbeitsplatz nicht unbedingt gleich ein freundschaftliches Miteinander. Auch ein „Sie“ kann das im Verhältnis Vorgesetze/Mitarbeiter oder Mitarbeiter/Mitarbeiter leisten.

Dazu im Management-Handbuch

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