EntscheidungsfindungDie Unconscious Bias erkennen und vermeiden
Unbewusste Vorurteile und Denkmuster – Unconscious Bias – beeinflussen Ihr Führungshandeln und so gut wie jeden Entscheidungsprozess. Mit teils dramatischen Folgen, etwa im Recruiting, in Vorstellungsgesprächen, bei Beförderungen und in wichtigen Problemlösungsprozessen.
Unterscheiden Sie zwischen bewussten und unbewussten Vorurteilen
Dass wir Vorurteile haben und bestimmten Denkmustern anhängen, ist wahrscheinlich jedem von uns klar. Dieses Bewusstsein ermöglicht es uns, Vorsorge zu treffen und zu verhindern, dass solche Vorurteile unsere Entscheidungen beeinflussen.
Wie jedoch schaut es mit den unbewussten Vorurteilen aus? Die Unconscious Bias? Die wir darum gar nicht bemerken? Und die darum umso verheerender wirken können?
Gefährlich wird es zum Beispiel, wenn Sie in Ihrer verantwortungsvollen Rolle als Führungskraft nicht merken, wie sehr Ihre Sympathien, Ihre Gewohnheiten oder Schnellurteile Ihre Entscheidungen prägen.
Darum gilt: Werden Sie sich des Unterschiedes zwischen Ihren bewussten und Ihren unbewussten Vorurteilen bewusst.
Häufige, unbewusste Bias in der Führungspraxis
Affinity Bias
Mit dem Affinity Bias ist die unbewusste Tendenz gemeint, Menschen zu bevorzugen, die ähnliche Interessen, Hintergründe oder Erfahrungen wie wir haben.
Für Sie heißt das: Dieses Bias kann dazu führen, im Recruitingprozess Personen zu bevorzugen und letztendlich einzustellen, die so ähnlich denken wie Sie und die so ticken wie Sie.
Mit der unerwünschten Folge, nicht die am besten geeigneten Kandidaten für eine vakante Position einzustellen, sondern diejenigen, die so argumentieren und handeln wie Sie selbst.
Was im schlimmsten Fall passieren kann: Sie sind irgendwann nur noch mit Jasagern und Klonen umgeben.
Likeability Bias
Verwandt mit dem Affinity Bias ist das Likeability Bias. Dieses Bias beschreibt die unbewusste Tendenz, Menschen positiver zu bewerten, wenn sie uns sympathisch sind, unabhängig von der Leistung.
Confirmation Bias
Diesem Bias, sollten wir gerade in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen auf die Spur kommen. Wir nehmen vor allem Informationen wahr, die unsere Meinung bestätigen, lesen also nur noch Artikel, die unsere Meinungen und Haltungen spiegeln.
Widerspruch wird ausgeblendet, die berühmt-berüchtigte Filterblase oder Echokammer entsteht, in der nur noch das als wahr deklariert wird, was die eigene Ansicht stützt.
Perception Bias
Aufgrund des Perception Bias beurteilen wir andere Menschen immer nur auf der Grundlage ihres Aussehens oder ihrer Herkunft.
Gender Bias
Durch dieses Vorurteil werden Männer und Frauen lediglich aufgrund ihres Geschlechts wahrgenommen, was zu systematischen Verzerrungen und zur Voreingenommenheit führt.
Authority Bias
Das Authority Bias beschreibt die Tendenz, den Meinungen von Autoritätspersonen ein stärkeres Gewicht beizulegen, und zwar selbst dann, wenn andere Argumente besser sind.
Vielleicht haben Sie schon eine ähnliche Situation erlebt: Sie sitzen im Meeting und verkünden: „Okay, das Ganze wird jetzt so gemacht, wie Herr Meyer das vorgeschlagen hat.“
Herr Meyer, als ranghöchste Person – und damit als Autoritätsperson – im Raum, hat seine Meinung und Präferenz klar zum Ausdruck gebracht. Plötzlich folgen ihm alle.
Selbst die Mitarbeitenden, die bisher über bessere Vorschläge zu verfügen glaubten – und dies auch kundgetan haben –, verstummen. Die meisten Teilnehmenden tragen nur noch Argumente vor, die den Vorschlag von Herrn Meyer stützen. Kritische Fragen werden nicht mehr gestellt. Am Ende herrscht Einigkeit.
Aber Achtung: Die Einigkeit ist nur eine scheinbare. Der „Autoritätsvorschlag“ hat eine erschlagende Wirkung. Nun droht die Gefahr, dass andere Perspektiven verdeckt und potenzielle Risiken nicht erkannt werden sowie Alternativen unter den Tisch fallen.
Schritt 1: Hinterfragen und reflektieren Sie konkrete Situationen
Gehen Sie in die Selbstreflexion, rufen Sie sich typische Führungssituationen in Erinnerung und prüfen Sie, ob dabei unbewusste Verzerrungen eine Rolle gespielt haben.
Schritt 2: Holen Sie sich Unterstützung bei einem Sparringspartner
Hilfreich ist es, die „blinden Flecken“ besser erkennen zu können. Vielleicht kann Sie ein Sparringspartner dabei unterstützen, Ihre Bias zu identifizieren, um Mitarbeitende in Zukunft besser einschätzen zu können.
Schritt 3: Erweitern Sie Ihr Know-how zu Unconscious Bias
Klar ist: Je mehr Sie über Ihre potenziellen Vorurteile und Denkmuster wissen, desto eher sind Sie in der Lage, sie zu erkennen. Darum sollten Sie Ihr Wissen zu den unbewussten Verzerrungen erweitern.
Schritt 4: Ergreifen Sie Gegenmaßnahmen
Gerade das Authority Bias verhindert oft gute Lösungen. Daher gilt es, sich gegen diesen und die anderen Bias zu wappnen.
In dem Beispiel zum Authority Bias hilft die folgende einfache Vorgehensweise:
- Die ranghöchste Führungskraft sollte ihre Präferenz nicht als Erste nennen.
- So wird der „Autoritätsvorschlag“ verhindert.
- Meistens öffnet sich so der Raum für Widerspruch und Fragen, durch welche die Diskussion möglich wird, welche Lösung wirklich die beste ist.
Sie erkennen im Meeting:
- Welche Argumente gibt es für und gegen die verschiedenen Optionen?
- Welche Alternative sollten wir noch gründlicher prüfen?
- Wer (und warum) zweifelt und sieht das Ganze vollkommen anders?
Bias verschwinden nicht allein dadurch, dass Sie ihre Namen kennen. Erforderlich ist vielmehr, alltägliche Beispiele zu reflektieren, um konstruktive Gegenmaßnahmen zu ergreifen und umzusetzen.
Schritt 5: Institutionalisieren Sie die Selbstreflexionsprozesse
Ob bei der Teamführung, im Recruiting oder der Führung allgemein: Entwickeln Sie die Gewohnheit, bei wichtigen Diskussionen und Entscheidungsprozessen die Frage zu stellen, ob Unconscious Bias eine Rolle spielen und wie sie erkannt und ausgemerzt werden können.
Hinterfragen Sie mithin stets, wie sich Ihr Verhalten und auch das Verhalten Ihrer Mitarbeitenden diesbezüglich (noch) professioneller gestalten lässt.


