Todesfall im UnternehmenTrauerrede für verstorbene Kollegen

Eine Trauerrede für verstorbene Kollegen drückt Gedenken und Wertschätzung aus. Welchen Inhalt sollte die Trauerrede haben, und was ist bei Formulierungen wichtig?

Wenn ein Mitarbeiter verstirbt, müssen Führungskräfte die Kollegen nicht nur über den Todesfall informieren, sondern mitunter auch in einer Trauerrede des Toten gedenken. Für eine angemessen wirkende Ansprache sind der richtige Stil und die passenden Worte wichtig.

Wer hält die Trauerrede?

Die Formulierung der Trauerrede und den Vortrag sollte übernehmen, wer sich der Aufgabe gewachsen sieht. Eine steif und unemotional vorgetragene Trauerrede nützt keinem, sie schadet eher der Reputation der betreffenden Führungskraft und der Geschäftsleitung. Ideal dafür ist ein sich freiwillig meldender Vorgesetzter auf hoher Hierarchiestufe oder ein Vertreter der Personalleitung oder Geschäftsführung.

Die Trauerrede kann auch auf mehrere Sprecher verteilt werden. So können sich zum Beispiel ein dem Verstorbenen besonders nahestehender Kollege, sein direkter Vorgesetzter oder ein Mitarbeiter seines Teams zu Wort melden und ihre persönliche Rückschau auf die Zusammenarbeit mit dem Betrauerten halten. Diese Arbeitsteilung wirkt nicht nur authentisch, sondern entlastet auch den Einzelnen.

Beispiel: Sprecherwechsel bei einer Trauerrede

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich habe Ihnen jetzt meine Erinnerung aus Sicht der Geschäftsführung geschildert. In der täglichen Zusammenarbeit hat aber jeder von Ihnen Fred M. auf seine persönliche Weise kennengelernt. Zu Wort kommen sollen daher auch seine Stellvertreterin Anne F. sowie Karl S., der sich als Projektleiter laufend mit ihm abgestimmt hat, aber auch privat mit ihm befreundet war.“

Eine klar gegliederte Trauerrede vermittelt den Hörenden, dass sorgfältig über den Verstorbenen nachgedacht wurde. Wer die Dramaturgie einer Rede beachtet, stellt sicher, dass sich die Hörenden auf den Gedankengang mitgenommen fühlen und die vielfältigen Gefühle zwischen Trauer, Fassungslosigkeit und Trostbedürfnis einen Ort bekommen.

Beispiel für die Gliederung einer Trauerrede:

1. Begrüßung und Nennen des Anlasses

Alle Anwesenden werden herzlich begrüßt. Dabei sollten die Namen der für das Unternehmen oder den Verstorbenen selbst besonders bedeutsamen Personen genannt werden. Der Redner nennt außerdem den Traueranlass, mit Namen, gegebenenfalls akademischen Titeln und Funktionsbezeichnung des Betrauerten. Sinnvoll ist es auch, zu äußern, warum das Bedürfnis entstand, einen solchen Gedenkanlass zu gestalten, und welche Gefühle die Todesnachricht im Unternehmen bei den direkt Betroffenen auslöst.

Eine Trauerrede soll den Lebenden nützen und emotionale Bewältigung erleichtern, daher passt es im Einzelfall gut, als Redner im Vortrag recht früh zu nennen, in welcher Gemütsverfassung etwa das Team gerade ist (vor allem bei plötzlichen Todesfällen).

2. Einleitung

Klassisch ist die Einleitung über ein literarisches Zitat. Das können Zeilen aus einem Gedicht oder Lied sein, Aphorismen, Spruchweisheiten, eine kurze Passage aus einem Stück Prosaliteratur oder auch eine Sentenz eines prominenten Zeitgenossen aus der Presse. Möglich ist auch ein Zitat des Verstorbenen selbst, wenn es überlieferte prägnante Äußerungen von ihm gibt. Das Zitat sollte nicht nur ästhetisch gefällig sein, sondern leicht auf seine Person oder die Umstände des Trauerfalls beziehbar sein. Manche Redner stellen das literarische Zitat auch ganz an den Anfang.

3. Umstände des Todesfalls

Es ist eine Frage des Fingerspitzengefühls (und oft auch der Wünsche der Angehörigen), wie genau die Umstände des Todes benannt werden. Die Spanne reicht von allgemeinen Formeln wie „... verstarb plötzlich und unerwartet“ oder „... nach kurzer schwerer Krankheit“ bis hin zur detaillierteren Beschreibung von Krankheit oder Unfall.

Bei besonders traumatischen oder von der Öffentlichkeit stark beachteten Todesfällen, wie zum Beispiel Suizid eines CEOs, kann es die anspruchsvolle Aufgabe eines ganzen Führungsteams sein, die richtige Formulierung zu finden.

4. Rückblick auf Person, Leben und Leistungen

In diesem Redeteil, der meistens der längste ist, wird der berufliche Werdegang des Verstorbenen nachvollzogen, gegebenenfalls mit Seitenblicken auf sein Privatleben. Auch dieser Punkt sollte idealerweise mit den Angehörigen abgestimmt werden. Man denke nur an den Fall eines komplizierten Partnerschaftslebens, bei dem die Frage entsteht, ob Details daraus überhaupt in die Rede einfließen sollen.

Traditionell werden positive Erinnerungen an den Betrauerten wesentlich stärker betont als kritikwürdige Erlebnisse mit ihm. Nicht selten würdigt es eine Hörerschaft aber, die den Menschen gut kannte, wenn das, was nicht „pflegeleicht“ an dem Menschen war, authentisch widergespiegelt wird. Im Vordergrund stehen sollten aber die Wesenszüge oder Leistungen, die den Menschen in guter Erinnerung verbleiben lassen. Ausdrucksstarke Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit ihm sind in diesem Redeteil am besten untergebracht. Damit ist dieser Teil auch der Zeitpunkt, an dem sich andere Sprecher leicht einbringen können.

Formulierungsbeispiel: Rückblick auf Person, Leben und Leistungen

„Ich habe Ihnen gerade dargestellt, wie rasch Hermann F. seine Firma aus dem Nichts heraus aufgebaut hat. So etwas gelingt keinem, der allen nach dem Mund redet. In unserer Region, in der er verwurzelt war wie kaum ein zweiter, war er als knorriger Charakter bekannt. Sein aufbrausendes Temperament braucht man nicht zu beschönigen. 'Dem Chef läufst du heute am besten nicht über den Weg!', warnte so mancher Mitarbeiter mitunter die Kollegen. Aber sein Temperament lieferte ihm sicher auch das Feuer, das nötig war, die schwierigen Zeiten in den 90ern zu meistern, als das Geschäft beinahe unterging (…)."

5. Ausblick auf die Zeit ohne den Verstorbenen

Der Redner sollte nicht nur auf die Vergangenheit zurückblicken, sondern gemeinsam mit den Hörenden auch nach vorne schauen. Wenn es Kollegen gibt, die vom Todesfall stark in Mitleidenschaft gezogen sein sollten, brauchen diese ein Signal der Zuversicht. Relevant kann das in Fällen sein, wo der unerwartete Verlust eines Firmenmitglieds Arbeitsabläufe komplett durcheinanderbringt. Das Mindeste ist auszudrücken, dass die Leitungsebene sich bemüht, schnellstmöglich die Basis für Handlungsfähigkeit und Zusammenarbeit wiederherzustellen.

6. Mitgefühl, Dankbarkeit und Gedenken

Der letzte Redeteil sollte kurz, aber besonders achtsam formuliert sein. Auf glaubwürdige, herzliche Weise wird denjenigen das Mitgefühl ausgedrückt, die von dem Todesfall am stärksten betroffen sind. Das sind in vielen Fällen die privaten Angehörigen. Mitunter gibt es aber auch Konstellationen, in denen ein ganzer Betrieb oder ein Team durch eine spezielle Todesnachricht stark verunsichert ist (zum Beispiel bei einem schweren Betriebsunfall mit potenzieller Gefährdung mehrerer Personen oder bei einer Selbsttötung vor Zeugen).

Wenn der Geschäftsleitung und/oder dem Redner eine solche Verunsicherung bewusst ist, sollte auch ausgedrückt werden, dass sie wahrgenommen wird. Die Trauerrede ist kein Ort für schnelle Lösungen. Aber sich im bestehenden Gemütszustand gesehen zu fühlen ist für eine Belegschaft von hoher Bedeutung. Nichts ist in solchem Kontext schlimmer als der Eindruck im Publikum, etwas werde kleingeredet oder unter den Teppich gekehrt.

Dankbarkeit, den Verstorbenen kennengelernt und seine Leistungen erlebt zu haben, kann gut im Schlusswort untergebracht werden, zusammen mit der Zusicherung, dem Menschen ein bleibendes Andenken zu bewahren.

Die Trauerrede vorlesen oder frei sprechen?

Weil eine Trauerrede eine formelle Ansprache ist, bei der die Kollegen des Verstorbenen sehr aufmerksam darauf achten, ob Mensch und Leistung angemessen gewürdigt werden, ist es ratsam, die Worte auszuformulieren. Eine schriftliche Fassung der Rede sollte vorliegen. Der beste Vortragsstil ist jedoch, so frei als möglich zu sprechen. Das setzt genügend Übung voraus; daher ist sinnvoll, dass der Redner seinen Part mehrfach vorher übt.

Hilfreich ist, ein Deutsch zu wählen, das den mündlichen Alltagsformulierungen im betreffenden Unternehmen nicht zu fern steht. Dann fällt es auch leichter, sich vom Manuskript zu lösen und phasenweise spontan zu sprechen beziehungsweise so, als ob man gerade spontan formuliert.

Beispiel: Zu formelle Sprache in einer Trauerrede

„Herr M. wird uns mit seiner Kommunikationsstärke und Teamorientierung immer ein unvergessliches Vorbild sein. Seine diesbezüglichen Leistungen waren allzeit hervorragend, allen voran sein moderatives Talent.“

Besonders in den emotionalsten Passagen der Rede, in denen es um individuelle Eindrücke von der Person des Verstorbenen geht, sollte die Ausdrucksweise natürlich wirken und der Blick des Vortragenden ins Publikum gehen anstatt aufs Manuskript. Unbedingt vermieden werden sollte ein monotones Ablesen. Das Publikum verzeiht „Fehler“ und Stockungen, die durch spontane Rührung entstehen, viel eher als den Eindruck von Kälte und Formalismus.

Beispiel: Gehobener, aber natürlich wirkender Stil in einer Trauerrede

„Wahrscheinlich werden viele von euch sich an Fred M's Talent erinnern, die Wogen zu glätten, wenn im Team wieder einmal die Stimmung hochkochte. Er fand immer die richtigen Worte, um alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Ihr wisst, wie oft sich das bewährt hat und wie wir ihn als einen Fels in der Brandung empfunden haben.“

Der beste Zeitpunkt für die Trauerrede

Ideal ist, die Trauerrede so früh wie möglich zu halten, sich aber die Zeit für eine solide Vorbereitung und Rahmensetzung zu geben. Viele Unternehmen werden das in einem Zeitraum von ein bis vier Wochen realisieren können.

Bei der Planung der Gedenkveranstaltung sollte allerdings die Zeitplanung der Angehörigen des Verstorbenen hinsichtlich der Bestattung berücksichtigt werden. Ist die Beisetzung etwa recht schnell nach dem Tod angesetzt und möchten aufgrund der Begleitumstände viele Kollegen dem Begräbnis beiwohnen, wird die innerbetriebliche Trauerfeier ohne Nachteil mehrere Tage bis Wochen danach stattfinden können. Soll aber zum Beispiel eine Urnenbeisetzung erst viele Monate nach dem Todesfall stattfinden, gibt es für das Unternehmen keine kurzfristige Möglichkeit, präsent zu sein. Entsprechend früher kann die Trauerrede im Unternehmen gehalten werden – auch, um die Gefühlslage der betroffenen Kollegen aufzufangen. Diese bekämen ansonsten keine Gelegenheit, mit ihrer Trauer in einem offiziellen Rahmen umzugehen.

Es gibt keine Regeln für die Zeitspanne, in der die Rede abgehalten werden sollte. Gefühlt sollte die Erinnerung an den Verstorbenen noch frisch sein. Außerdem sollte dem Ereignis eine gewisse Priorität eingeräumt werden, das heißt, die Gedenkveranstaltung zum Beispiel nicht unbedingt ans Ende eines mehrmonatigen Projekts geschoben werden, weil man dann meint, die Zeit dafür zu haben. Ein Todesfall unterbricht die Alltagsroutinen, und es wird als angemessen und den Verlust würdigend empfunden, wenn die alltäglichen Abläufe dafür angehalten werden.

Dazu im Management-Handbuch

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