VerkaufsprozessWie Verkäufer Angeboten nachfassen sollten

Was Verkäufer statt „Haben Sie schon entschieden?“ fragen sollten, damit sie Klarheit über den Stand der Kaufentscheidung bekommen. Mit diesen Fragen und Formulierungen erfahren Sie, was wirklich fehlt.

Ein Angebot ist verschickt, die vereinbarte Rückmeldung bleibt aus. Viele Verkäufer greifen dann zum Telefon und fragen: „Haben Sie schon entschieden?“

Die Frage ist verständlich, bringt das Gespräch aber oft kaum weiter. Wer ein Angebot sinnvoll nachfassen will, sollte nicht nur nach dem Ergebnis fragen, sondern herausfinden, was für die Entscheidung noch fehlt.

Warum „Haben Sie schon entschieden?“ wenig Erkenntnis bringt

Die Frage lässt dem Kunden im Kern nur wenige Antworten: Ja, nein oder noch nicht. Für den Verkäufer bleibt damit offen, warum die Entscheidung aussteht.

Vielleicht fehlt intern noch eine Freigabe. Vielleicht wird ein Wettbewerbsangebot verglichen. Vielleicht ist ein technischer Punkt ungeklärt. Vielleicht hat sich die Priorität geändert. Oder der Kunde sieht den Nutzen noch nicht deutlich genug.

Ein gutes Nachfassgespräch soll deshalb keinen Druck erzeugen. Es soll Klarheit schaffen. Verkäufer brauchen Informationen darüber, wie der Entscheidungsprozess tatsächlich aussieht und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

Vor dem Nachfassen: Prüfen Sie die Vereinbarung aus dem letzten Gespräch

Bevor Sie anrufen oder schreiben, lohnt sich ein Blick in Ihre Gesprächsnotizen. Prüfen Sie drei Punkte:

  • Was wurde konkret vereinbart?
  • Wer sollte bis wann etwas prüfen oder entscheiden?
  • Welche offenen Punkte gab es beim Versand des Angebots noch?

Wenn bereits ein Rückmeldetermin vereinbart wurde, knüpfen Sie daran an. Das wirkt verbindlicher als eine allgemeine Nachfrage. Beispiel:

„Wir hatten vereinbart, dass Sie die technische Variante intern mit der Produktion prüfen. Mich interessiert, ob dabei noch Fragen entstanden sind.“

Damit erinnern Sie nicht nur an das Angebot. Sie setzen das Gespräch an der letzten gemeinsamen Vereinbarung fort.

Frage 1: „Was fehlt Ihnen noch für die Entscheidung?“

Diese Frage ist offen, ohne beliebig zu sein. Sie richtet den Blick auf die konkrete Entscheidungssituation. Mögliche Antworten können sein:

  • eine technische Klärung,
  • ein Preisvergleich,
  • eine interne Freigabe,
  • ein Gespräch mit Einkauf oder Geschäftsführung,
  • ein fehlender Terminplan,
  • Unsicherheit über den tatsächlichen Nutzen.

Wichtig ist, die Antwort nicht sofort zu bewerten. Fragen Sie nach, bis Sie verstehen, was tatsächlich fehlt. Wenn der Kunde sagt: „Wir müssen intern noch sprechen“, können Sie ergänzen:

„Welche Punkte möchten Sie intern noch klären?“

So wird aus einer allgemeinen Aussage eine verwertbare Information.

Frage 2: „Wer ist an der Entscheidung noch beteiligt?“

Bei B2B-Angeboten entscheidet selten nur eine Person. Technik, Einkauf, Geschäftsführung, Nutzer oder Projektleitung können unterschiedliche Kriterien haben.

Wenn weitere Personen beteiligt sind, sollten Verkäufer wissen, welche Fragen diese Personen voraussichtlich stellen. Eine mögliche Formulierung lautet:

„Wer schaut sich das Angebot neben Ihnen noch an und was ist für diese Person besonders wichtig?“

Die Frage dient nicht dazu, den Ansprechpartner zu umgehen. Sie hilft dabei, den Entscheidungsprozess zu verstehen und fehlende Informationen gezielt bereitzustellen.

Frage 3: „Welcher Punkt ist für Sie aktuell noch nicht eindeutig?“

Manche Kunden sagen nicht von selbst, dass ihnen etwas unklar ist. Sie schieben die Entscheidung auf oder holen weitere Angebote ein. Fragen Sie deshalb konkret nach Unsicherheit:

„Welcher Punkt im Angebot ist für Sie aktuell noch nicht eindeutig genug?“

Das kann technische Details, Leistungsumfang, Lieferzeit, Verantwortlichkeiten oder den Preis betreffen.

Erst wenn klar ist, worin die Unsicherheit besteht, lässt sich sinnvoll darauf reagieren. Ein pauschaler Rabatt löst zum Beispiel kein Problem, wenn der Kunde eigentlich Zweifel an der technischen Umsetzung hat.

Frage 4: „Welche Alternativen vergleichen Sie gerade?“

Diese Frage sollte sachlich gestellt werden. Es geht nicht darum, den Wettbewerb schlechtzureden. Entscheidend ist, welche Kriterien der Kunde beim Vergleich verwendet. Fragen Sie anschließend:

„Was ist Ihnen beim Vergleich besonders wichtig?“

So erfahren Sie, ob der Kunde vor allem auf Preis, Lieferzeit, technische Sicherheit, Service, Aufwand oder ein anderes Kriterium achtet.

Das ermöglicht eine gezieltere Einordnung des eigenen Angebots. Gleichzeitig kann deutlich werden, dass zwei Angebote auf den ersten Blick ähnlich wirken, aber unterschiedliche Leistungen enthalten.

Frage 5: „Was müsste geklärt sein, damit Sie einen nächsten Schritt gehen

Diese Frage verlagert das Gespräch von der abstrakten Entscheidung auf eine konkrete Voraussetzung.

Der Kunde muss noch nicht sofort zusagen. Er kann benennen, welche Bedingung erfüllt sein muss, damit der Prozess weitergeht. Beispiele:

  • ein Vor-Ort-Termin,
  • eine technische Prüfung,
  • eine überarbeitete Variante,
  • eine Wirtschaftlichkeitsrechnung,
  • eine interne Freigabe,
  • ein geklärter Liefertermin.

Damit entsteht ein sinnvoller nächster Schritt statt eines unverbindlichen „Wir melden uns“.

Frage 6: „Bis wann brauchen Sie für das Projekt Klarheit?“

Ein Angebot kann fachlich passen und trotzdem keine hohe Priorität haben. Deshalb ist es wichtig, den zeitlichen Rahmen zu verstehen. Fragen Sie nicht nur: „Wann entscheiden Sie?“ Sondern:

„Bis wann brauchen Sie für das Projekt Klarheit, damit Ihr Zeitplan funktioniert?“

Der Unterschied ist klein, aber hilfreich. Die Frage orientiert sich am Projekt des Kunden und nicht am Verkaufsdruck des Anbieters.

Wenn es keinen zeitlichen Bedarf gibt, ist auch das eine wichtige Information. Dann sollte das Angebot nicht künstlich als kurzfristige Verkaufschance behandelt werden.

Frage 7: „Was ist aus Ihrer Sicht jetzt der sinnvollste nächste Schritt?“

Diese Frage eignet sich besonders am Ende des Nachfassgesprächs. Sie zwingt nicht zu einer Bestellung, schafft aber Verbindlichkeit. Mögliche Ergebnisse sind:

  • ein weiterer Termin,
  • eine Anpassung des Angebots,
  • eine technische Klärung,
  • die Einbindung einer weiteren Person,
  • ein verbindlicher Entscheidungstermin,
  • oder auch die Erkenntnis, dass das Projekt aktuell nicht weiterverfolgt wird.

Auch ein klares Nein ist für den Vertrieb wertvoller als ein Angebot, das über Monate ohne realistischen nächsten Schritt in der Pipeline bleibt.

Nachfassen per E-Mail oder Telefon?

Welcher Kanal sinnvoll ist, hängt von der Situation ab.

  • Eine kurze E-Mail eignet sich, wenn nur eine kleine Information fehlt oder ein vereinbarter Termin bestätigt werden soll.
  • Ein Telefonat ist meist besser, wenn mehrere Punkte offen sind, der Kunde ausweichend reagiert oder sich die Entscheidung verzögert, ohne dass der Grund klar ist.

Je komplexer die Entscheidung, desto weniger sollte das Nachfassen aus einer Standardnachricht bestehen. Formulierungen wie „Ich wollte nur mal nachhören“ liefern selten neue Informationen.

Was Verkäufer beim Nachfassen vermeiden sollten

Drei Verhaltensweisen erschweren ein gutes Nachfassgespräch besonders:

  • Druck ohne neuen Nutzen. Wiederholte Fragen nach der Entscheidung verändern die Entscheidungssituation nicht.
  • Vorschnelle Rabatte. Wenn noch gar nicht klar ist, warum der Kunde zögert, ist ein Preisnachlass keine gezielte Lösung.
  • Endlose Wiedervorlagen ohne nächsten Schritt. Ein Angebot sollte nur dann als aktive Verkaufschance behandelt werden, wenn ein nachvollziehbarer Entscheidungsprozess und ein konkreter nächster Schritt erkennbar sind.

Eine einfache Struktur für das Nachfassgespräch

Ein gutes Nachfassgespräch kann sehr kurz sein. Eine mögliche Struktur besteht aus vier Schritten:

  1. An die letzte Vereinbarung anknüpfen.
  2. Fragen, was für die Entscheidung noch fehlt.
  3. Einen offenen Punkt konkret klären.
  4. Den nächsten Schritt mit Verantwortlichkeit und Termin festhalten.

Beispiel für ein Nachfassgespräch

„Wir hatten vereinbart, dass Sie das Angebot intern prüfen. Was fehlt Ihnen aktuell noch für die Entscheidung?“

Der Kunde nennt einen technischen Punkt.

„Wer muss diesen Punkt bei Ihnen noch bewerten?“

Danach wird vereinbart, dass der Verkäufer bis Mittwoch eine technische Ergänzung schickt und beide Seiten am Freitag zehn Minuten telefonieren.

Damit ist das Nachfassen kein Erinnerungsanruf mehr. Es wird zu einem Arbeitsgespräch über die Entscheidung.

Fazit: Ziel des Nachfassens ist Klarheit

Verkäufer sollten beim Nachfassen nicht möglichst oft nach einer Entscheidung fragen. Sie sollten verstehen, wie die Entscheidung zustande kommt. Hilfreiche Fragen zeigen:

  • was noch fehlt,
  • wer beteiligt ist,
  • welche Kriterien zählen,
  • welche Unsicherheit besteht und
  • welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

So entsteht Verbindlichkeit, ohne künstlichen Druck aufzubauen. Und der Vertrieb erkennt schneller, welche Angebote tatsächlich eine realistische Chance haben.

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