Warum wird ein Organigramm entwickelt?

Organigramme sind ein hilfreiches Kommunikationsinstrument. Sie nutzen dies insbesondere bei

  • Umorganisationen,
  • Reorganisation,
  • Change-Management,
  • neuen strategischen Initiativen oder
  • Zusammenschlüssen von Unternehmen oder Abteilungen.

Organigramme sind dafür eine wichtige Grundlage, um gemeinsam neue Strukturen und Abläufe zu entwickeln. Mithilfe des Organigramms wird die bisherige Struktur des Unternehmens dargestellt und dann erklärt, was sich warum und wofür ändern soll.

Mit dem Organigramm schaffen Sie zudem ein (neues) Verständnis von Aufgaben und Prozessen für Ihre Mitarbeitenden und Ihre Kunden. Wenn Sie merken, dass Sie Ihr Unternehmen und seine Funktionen nur schwer erklären können, ist ein Organigramm eine gute Hilfe. Wenn Sie bisher dafür gar kein Organigramm hatten, dann ist die Entwicklung sinnvoll.

Warum beteiligen Sie die Mitarbeitenden?

Wenn mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Organigramm gemeinsam entwickeln, ergeben sich wichtige Lerneffekte und das Verständnis für das Unternehmen wird gefördert. Es ist wie eine Entdeckungsreise durch das eigene Unternehmen.

Die Beteiligten werden erkennen, wie das Unternehmen funktioniert, wer welche Aufgaben ausführt, wie die Zusammenarbeit und Abstimmung erfolgen und wer wofür Entscheidungen trifft. Alle verstehen, warum Aufgaben, Befugnisse und Entscheidungsfunktionen so verteilt sind, wie sie sind – oder wo und warum es Ungereimtheiten, Probleme und Konflikte gibt.

Dies setzt voraus, dass Sie ins Detail Ihrer Organisation und Ihres Organigramms gehen. Und was genau im Unternehmen passiert, wissen die Betroffenen vor Ort meist am besten.

Wie wird ein Organigramm entwickelt?

Ein (neues) Organigramm wird am besten im Rahmen eines Workshops oder einer Workshop-Reihe erstellt. Sie erarbeiten Ihr Organigramm dabei vom Groben ins Feine.

Entwickeln Sie in einem ersten Treffen die grundlegende Struktur des ganzen Unternehmens oder Ihrer Abteilung. In weiteren Workshops können Sie dann schrittweise die Details ausarbeiten. Folgende Aspekte und Fragen sollten Sie bei der Entwicklung eines Organigramms immer besprechen und klären:

  • Welche Aufgaben fallen an?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Wer ist wofür verantwortlich?
  • Haben die Mitarbeitenden die Befugnisse, die Kompetenzen und Ressourcen, um diese Verantwortung zu übernehmen?
  • Wer muss mit wem zusammenarbeiten?
  • Wer muss an wen welche Informationen weitergeben oder abholen?
  • Wer hat die Personalverantwortung, kann Anweisungen geben, führt Personalgespräche, vereinbart Ziele?
  • Wer vertritt die Einheit nach außen?
  • Wer muss bei Konflikten eingreifen?
  • Wer übernimmt Vertretungen?
  • Wie regelt die Organisationseinheit ihre interne Zusammenarbeit?
  • Wer muss sich mit wem abstimmen?
  • Mit welchen Organisationseinheiten außerhalb des Unternehmens muss sich eine Einheit abstimmen und austauschen?
  • Wo kommen Kunden und andere Stakeholder ins Spiel?
  • Welche Prozesse sind für den Erfolg des Unternehmens entscheidend und wie zeigen sie sich in Ihrem Organigramm?

Besprechen Sie alle Punkte, die Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig erscheinen. Ergänzen Sie im Workshop die Liste dieser zu behandelnden Fragen. Am Ende sollten immer die Fragen stehen:

  • Verstehen alle mithilfe des Organigramms, wie das Unternehmen funktionieren soll?
  • Können alle mit dieser Form der Organisation leben, weil die Realität gut abgebildet wird?

Organigramm um einzelne Personen entwickeln

Manchmal werden Organigramme um einzelne Personen herum entwickelt, die eine Schlüsselrolle für Ihr Unternehmen einnehmen.

Das kann sinnvoll sein, um die Bedeutung dieser Person für Ihr Unternehmen oder Ihre Abteilung herauszustellen. Sie hat sehr viel Erfahrung und Know-how, das Sie nutzen müssen oder wollen. Um die Stärken dieser Person optimal zum Einsatz zu bringen, können Sie die Organisation um sie herum gestalten:

Die Person erhält einen eigenen Verantwortungsbereich und Mitarbeitende, sie wird anderen Abteilungen überstellt oder unterstellt, sie stimmt sich mit anderen Abteilungen ab. Sie sollten dabei aber auch überlegen, was passiert, wenn diese Person Ihr Unternehmen verlässt.

Stellvertretung innerhalb einer Organisationseinheit festlegen

Gliedern Sie Ihre Organisation und Ihre Aufgaben nicht in zu kleine Einheiten. Dies nimmt Ihnen Flexibilität und Möglichkeiten der Vertretung. Die Stellvertretung sollte immer klar geregelt sein.

Sowohl die Führungskraft einer Organisationseinheit als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen klären, wer ihre Aufgaben übernimmt, wenn sie nicht anwesend sind. Diese Mitarbeitenden müssen entsprechend qualifiziert sein und sich fachlich gegenseitig – zumindest in Teilbereichen – vertreten können.

Praxis

Organigramm im Team entwickeln

Entwickeln Sie in Workshops mit der Geschäftsleitung sowie mit Kolleginnen und Kollegen und Mitarbeitenden die Struktur Ihres Unternehmens und bilden Sie diese im Organigramm ab. Orientieren Sie sich für Ihre Vorbereitung und Durchführung der Workshops an folgendem Ablauf (Regieplan).

Klären Sie für den Workshop

  • Wofür benötigen Sie ein Organigramm?
  • Welchen Zweck soll das Organigramm für Sie und Ihr Unternehmen erfüllen?
  • Was wollen Sie mit dem Organigramm regeln, klären oder für alle sichtbar und verständlich machen?
  • Wer wird das Organigramm später sehen (dürfen)? Nur unternehmensinterne Personen oder auch Kunden und Partner?
  • Mit wem wollen Sie darüber sprechen?
  • In welcher Form und für welchen Zweck wollen Sie damit Ihre Organisation erklären?
  • Wie sieht das bisherige Organigramm aus?
  • Welche Darstellungen von Prozessen und Abläufen gibt es?
  • Welche Stellenbeschreibungen gibt es?
  • Welche Probleme oder Konflikte haben sich bei der Zusammenarbeit im Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder gezeigt?
  • Was waren die Ursachen dafür?
  • Welche Erwartungen und Befürchtungen könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, wenn die Organisationsstruktur geändert werden soll?
  • Welche Botschaft soll das Organigramm deshalb insgesamt sichtbar machen?
  • Welche Informationen sollen im Organigramm enthalten sein?

Sammeln Sie sämtliche Informationen im Unternehmen, die zu diesen Fragen Antworten liefern können. Erstellen Sie für sich und für alle Beteiligten und Betroffenen damit ein Bild von Ihrem Unternehmen. Nutzen Sie dafür die folgenden Vorlagen.

Klären Sie dann, wie Sie den Workshop für die Organisationsplanung und Gestaltung und für die Entwicklung des Organigramms durchführen wollen. Halten Sie fest:

  • Wann wollen Sie was wo besprechen?
  • Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Workshop?
  • Wer nimmt am Workshop teil?
  • Wer moderiert den Workshop?
  • Welche Vorinformationen müssen Sie den Teilnehmenden liefern?
  • Mit welchen Methoden und Medien erarbeiten Sie mit den Teilnehmenden die Ergebnisse?

Legen Sie die Themen des Workshops fest

Insbesondere im ersten Workshop zum Organigramm behandeln Sie folgende Themen:

  • Beschreiben Sie die Situation: Welchen Anlass gibt es für den Workshop? Ziel ist, dass alle Teilnehmenden wissen, warum die Entwicklung oder Überarbeitung des Organigramms wichtig ist.
  • Sammeln Sie relevante Einsatzzwecke Ihres Organigramms. Besprechen Sie mit den Teilnehmenden, wofür das Organigramm notwendig ist und wer es zu welcher Gelegenheit und gegenüber welchen Adressaten einsetzt.
  • Sammeln Sie Aspekte, die im Organigramm abgebildet werden müssen. Die Teilnehmenden entwickeln die Funktionsweise des Organigramms und definieren die Zusammenhänge, die abgebildet werden sollen.
  • Entwickeln Sie das Organigramm. Es entstehen erste Skizzen und Entwürfe für das Organigramm – mit unterschiedlichen Zielgruppen.

Reflektieren Sie den Workshop

  • Haben Sie Ihre Ziele und Ergebnisse erreicht?
  • Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
  • Sind die Teilnehmenden mit dem Ergebnis zufrieden?
  • Warum nicht?
  • Waren Sie gut vorbereitet?
  • Worauf müssen Sie beim nächsten Workshop achten?

Erstellen Sie gemeinsam Ihr Organigramm

Erstellen Sie schließlich auf der Grundlage der Ergebnisse aus dem Workshop das Organigramm Ihres Unternehmens und Ihres Verantwortungsbereichs. Zeichnen Sie dies in Form eines Strukturbildes und erläutern Sie die Einheiten in diesem Bild, soweit es für das Verständnis für die Zielgruppe notwendig ist.

Orientieren Sie sich an den Beispielen aus folgenden Vorlagen.

Dazu im Management-Handbuch

Vorlagen nutzen

Weitere Kapitel zum Thema