InternetauftrittAcht Prüfungen vor dem Website-Relaunch

Diese Fragen sollten Sie klären, bevor Sie eine Webagentur mit dem Relaunch Ihrer Firmen-Webseite beauftragen. Die Antworten sind Voraussetzung für das Agentur-Briefing und die Erfolgsmessung.

Wenn ein Relaunch der Webseite ansteht

Von einem Relaunch spricht man, wenn eine bestehende Website komplett neu gebaut wird, vom System dahinter bis zum Aussehen. Ein neues Logo oder ein paar neue Texte auf der alten Seite zählen nicht dazu. Der Anlass ist oft derselbe:

  • Die Website ist sechs oder acht Jahre alt,
  • ein Kunde hat sie nebenbei als altmodisch bezeichnet, oder
  • der Mitbewerber hat seit Kurzem eine neue Webseite.

Also holt die Geschäftsführung Angebote ein. Darin stehen Design und Seitenzahl, dazu ein Preis.

Das Problem dabei: Was an der alten Seite gut funktioniert und was Interessenten vertreibt, fehlt, weil es der Agentur niemand gesagt hat.

Genau diese Angaben sind besonders wichtig. Sie bestimmen, ob sich der Relaunch bezahlt macht. Und sie lassen sich in ein paar Stunden zusammentragen, mit einem Smartphone und einem Rechner.

Voraussetzung ist, dass Sie die folgenden sechs Prüfungen durchführen. Notieren Sie die Ergebnisse mit Datum. Sie brauchen die Notizen zweimal, einmal für das Gespräch mit der Agentur und einmal ein Jahr später, wenn Sie wissen wollen, ob sich der Relaunch gelohnt hat.

1. Versteht ein Fremder auf dem ersten Bildschirm, was Sie anbieten?

Öffnen Sie Ihre Startseite auf dem Smartphone und scrollen Sie nicht. Was jetzt zu sehen ist, entscheidet bei vielen Besuchern darüber, ob sie bleiben.

Häufig stehen dort ein Slogan und ein großes Foto. Was das Unternehmen verkauft, für wen und in welcher Region, kommt erst weiter unten oder gar nicht.

Ob das reicht, können Sie selbst nicht beurteilen, Sie wissen zu viel. Der Test braucht jemanden von außerhalb, etwa einen Bekannten aus einer anderen Branche, der nach wenigen Sekunden in einem Satz sagt, was er gesehen hat.

Vergleichen Sie diese Antwort mit den Worten, die Ihre Kunden am Telefon verwenden, wenn sie ihr Anliegen schildern. Liegen beide weit auseinander, spricht die Seite nicht die Sprache der Kunden.

Der erste Satz der neuen Startseite sollte deshalb möglichst feststehen, bevor jemand ein Design entwirft. Er kommt von Ihnen, denn die Agentur kennt Ihre Kunden nicht.

2. Findet ein Besucher am Smartphone in einer Minute den Weg zu Ihnen?

Die meisten Besucher landen von Google aus auf einer Unterseite, etwa bei einer Leistung oder einem Ratgeberbeitrag, nicht auf der Startseite.

Nehmen Sie eine dieser Seiten und versuchen Sie am Smartphone, Ihr eigenes Unternehmen zu erreichen. Stoppen Sie die Zeit. Prüfen Sie:

  • Lässt sich die Telefonnummer antippen und startet dann der Anruf? Oft steht sie nur ganz unten oder in einer Grafik.
  • Gibt es auf der Seite selbst einen Weg zur Anfrage oder nur im Menü?
  • Und wenn Sie das Formular ausfüllen, kommt Ihre Nachricht vollständig im Postfach an, und bekommt der Absender eine Bestätigung?

Es kommt vor, dass Anfragen an eine Mailadresse gehen, die seit dem letzten Personalwechsel niemand mehr liest. Dann läuft das Formular monatelang ins Leere und es fällt nicht auf, weil keine Beschwerde kommt.

Telefonnummer und Anfrage gehören deshalb auf jeder Seite der neuen Website nach oben. Und schicken Sie vor der Abnahme selbst eine Testanfrage, das dauert eine Minute.

3. Nennt die Seite eine Preisgrößenordnung?

Sehen Sie sich die letzten zehn Anfragen an, die per Telefon oder Mail gekommen sind. In vielen Betrieben lautet

  • die erste Frage, was es kostet, und
  • die zweite, ob der Betrieb für einen Auftrag dieser Größe überhaupt infrage kommt.

Beides beantwortet die Website oft nicht, weil kein Auftrag dem anderen gleicht und keiner sich auf eine Zahl festlegen will.

Suchen Sie auf Ihrer Seite nach irgendeinem Anhaltspunkt, was eine Leistung kostet:

  • Eine Angabe wie „Preis ab …“,
  • eine Preisspanne,
  • ein Stundensatz,
  • ein Beispielprojekt mit Summe oder
  • wenigstens ein Absatz dazu, wovon der Preis abhängt.

Findet sich nichts, bleibt nur der Anruf. Ein Teil der Interessenten greift zum Telefon. Andere suchen weiter, bis irgendwo eine Zahl steht.

Ob Preise auf die Website gehören, ist von Branche zu Branche anders zu beantworten. Entscheiden sollten Sie sie vor dem Relaunch, weil eine Leistungsseite mit Preisangabe anders aufgebaut wird als eine ohne.

4. Werden Sie auch ohne Ihren Firmennamen gefunden?

Ein neuer Kunde sucht nach der Leistung und dem Ort, etwa „Dachdecker Bielefeld“ oder „Steuerberatung für Ärzte Hamburg“, nicht nach Ihrem Namen.

Machen Sie dasselbe, in einem privaten Browserfenster und ohne Google-Konto, damit Ihre eigenen Besuche das Ergebnis nicht verfälschen. Wo erscheinen Sie, in der Kartenansicht oder in den normalen Ergebnissen, und wer steht vor Ihnen?

Eine Seite, die nur über den Firmennamen gefunden wird, erreicht Menschen, die das Unternehmen schon kennen. Für alle anderen ist sie nahezu unsichtbar.

Mit Zugang zur Google Search Console sehen Sie, bei welchen Suchbegriffen Ihre Webseite erschienen ist und wie oft jemand geklickt hat. Das Werkzeug ist gratis, muss aber über die Website freigeschaltet werden, weshalb viele Betriebe es nie eingerichtet haben.

Taucht Ihre Webseite für keinen Begriff auf, gibt es beim Umzug wenig zu verlieren und viel aufzubauen. Steht sie schon vorn, ist die nächste Prüfung umso wichtiger.

5. Wissen Sie, welche Seiten Ihrer Website Google kennt?

Ein Relaunch ist für Google ein Umzug. Fast jede Seite bekommt eine neue Adresse, und die Sichtbarkeit der alten geht verloren, wenn dort keine Weiterleitung liegt.

Google empfiehlt in seiner Dokumentation dauerhafte Weiterleitungen für jede bisherige Adresse, mindestens ein Jahr lang. Es kann auch vorkommen, dass Google eine alte Adresse noch Monate später anzeigte.

Damit die Agentur das einplanen kann, braucht sie alle bestehenden Web-Adressen. Eine Auswertung ist dafür nicht nötig. Geben Sie bei Google site:ihre-domain.de ein, mit Ihrer eigenen Web-Adresse hinter dem Doppelpunkt.

Google zeigt dann, welche Seiten es von Ihnen kennt, nicht zwingend vollständig, aber oft mehr, als im Menü stehen. Alle kommen auf Ihre Liste. Darunter sind auch Seiten, die im Haus keiner mehr kennt, etwa ein Ratgeberbeitrag von 2019.

Dazu kommen die Treffer aus Prüfung Nummer 4 (oben). Liegt eine Besucherauswertung vor, ergänzen Sie die meistbesuchten Seiten der letzten zwölf Monate.

Steht im Angebot der Internetagentur nichts dazu, wie die alten Adressen behandelt werden, fragen Sie nach. Mit „das erledigt das System automatisch“ sollten Sie sich nicht zufriedengeben.

6. Gehören Domain und Zugänge Ihrem Unternehmen?

Nicht selten hat die frühere Agentur oder ein ausgeschiedener Mitarbeiter die Domain vor Jahren registriert, und im Unternehmen weiß niemand, bei welchem Anbieter. Das muss geregelt werden, bevor eine neue Agentur anfängt.

Für .de-Domains zeigt die Abfrage bei der Vergabestelle DENIC bei Unternehmen an, wer als Inhaber eingetragen ist und welcher Anbieter die Domain verwaltet. Steht dort Ihre Firma, prüfen Sie, ob Sie sich im Kundenkonto dieses Anbieters anmelden können.

Ist jemand anderes eingetragen, klären Sie das rechtzeitig, weil eine Übertragung Zeit kostet, besonders wenn der bisherige Inhaber nicht mehr erreichbar ist.

Dasselbe gilt für Hosting, Redaktionssystem, Google-Unternehmensprofil und Search Console. Erstellen Sie eine Liste mit den Angaben, wer worauf Zugriff hat.

Fehlt Ihnen alles davon, fangen Sie damit an, noch bevor Sie Angebote lesen. Ohne Zugang zur Domain entscheidet ein Dritter darüber, ob und wann die neue Website unter Ihrer Adresse erreichbar wird.

Eine schriftliche Bitte an den Anbieter aus der DENIC-Abfrage und an die bisherige Agentur reicht meist, solange der Kontakt noch besteht. Ansonsten wird es mühsam.

7. Welche Inhalte bleiben, welche fallen weg und wer schreibt die neuen?

Texte und Fotos kommen beim Relaunch meist aus dem Unternehmen, die Agentur baut nur die Seite. Der Aufwand für das Unternehmen wird gern unterschätzt.

Gehen Sie Ihre bestehende Website Seite für Seite durch und vermerken Sie zu jeder, was mit ihr passieren soll. Klären Sie dabei:

  • Sind die beschriebenen Leistungen noch im Angebot?
  • Arbeiten die genannten Ansprechpartner noch im Unternehmen?
  • Stimmen Jahreszahlen, Preise und Öffnungszeiten?

Danach legen Sie fest, wer die neuen Texte schreibt und bis wann. Ist dafür keine Zeit, nehmen Sie die Texterstellung in den Auftrag für die Webagentur oder verschieben Sie den Projektstart.

Klären Sie außerdem:

  • Gibt es brauchbare Fotos von Team, Räumen und Projekten?
  • Oder muss ein Fototermin in den Zeitplan?

Ohne fertige Inhalte verzögert sich das Projekt meist um Monate oder die alten Texte wandern unverändert in das neue Design.

8. Kennen Sie die Zahlen, an denen Sie den Relaunch später messen?

Nach dem Relaunch stellt bestimmt jemand die Frage, ob er etwas gebracht hat. Beantworten lässt sie sich nur mit Zahlen und einem Vorher-Nachher-Vergleich.

Einen Teil der Frage davon können Sie ohne spezielle Werkzeuge beantworten. Halten Sie dazu vorab fest:

  • Wie viele Anfragen kommen im Monat über Formular, Telefon und Mail? Führen Sie notfalls eine Strichliste.
  • Wie gut wird Ihre Webseite gefunden? Das sind die Ergebnisse aus Prüfung Nummer 4 (oben).
  • Wie schnell laden die Startseite und zwei wichtige Unterseiten am Smartphone? Die Ladezeit misst PageSpeed Insights von Google für jede öffentliche Adresse.

Für den wichtigsten Messwert, die Zeit, bis das größte sichtbare Element angezeigt ist, gilt laut Google ein Wert unter 2,5 Sekunden als gut. Maßgeblich ist die Ansicht für Mobilgeräte.

Die neue Seite sollte mindestens so schnell sein wie die alte, was nicht selbstverständlich ist, weil neue Designs oft große Bilder und zusätzliche Skripte mitbringen.

Mit einer Besucherauswertung erkennen Sie, wie sich die Besucherzahlen jeden Monat verändern. Wenn sie sich nicht erhöhen, ist das selbst ein Ergebnis.

Vereinbaren Sie mit der Agentur, dass für die Seite von Anfang an eine Auswertung erfolgt und die Search Console eingestellt wird. Die Zugänge für die Auswertung liegen bei Ihnen, sonst fehlen die Zahlen auch nach dem Relaunch.

Aus diesen Zahlen werden nachprüfbare Ziele, etwa mehr Anfragen oder eine kürzere Ladezeit. Ohne sie entscheidet später das Bauchgefühl.

Die Prüfungsergebnisse gehören in den Agenturauftrag

Am Ende liegt eine Liste vor, die zeigt, was die bestehende Seite kann und wo sie Interessenten verliert. Außerdem sind die Web-Adressen benannt, die beim Umzug geschützt werden müssen, sowie die aktuellen Kennzahlen.

Erst damit holen Sie Angebote ein. Die Agenturen, die darauf eingehen, lassen sich vergleichen, und zwar an mehr als am Preis.

Wenn der Relaunch (erst einmal) überflüssig ist

Manchmal braucht es gar keinen Relaunch. Eine Telefonnummer, die am Smartphone keinen Anruf auslöst, ein Formular, dessen Anfragen ungelesen bleiben, oder ein fehlender Preishinweis lassen sich auch ohne Relaunch innerhalb weniger Tage ändern.

Wer das zuerst erledigt, merkt am Telefon und im Postfach, ob die kleinen Änderungen etwas bewirken und die Anfragen zunehmen.

Im Anschluss gehen Sie mit einer klareren Vorstellung in den Relaunch.

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