KreativitätstechnikSo geht die Kartenumlauftechnik

Die Kartenumlauftechnik ist eine Kreativitätstechnik, die zur Ideenfindung in Workshops eingesetzt wird. Wie ist der Ablauf?

Die Kartenumlauftechnik ist eine Kreativitätsmethode zur Ideenfindung. Sie kann gut im Rahmen von Innovations- oder Kreativitätsworkshops eingesetzt werden, wenn nach neuen und erfolgsträchtigen Ideen für Produkte und Dienstleistungen gesucht wird. Die Kartenumlauftechnik ist als schriftliches Brainstorming (Brainwriting) sehr effizient – und macht viel Spaß. In einer Stunde können erfahrungsgemäß ohne Mühe 50 wirklich gute (Produkt-)Ideen gefunden werden.

Bei der Kartenumlauftechnik schreibt jeder Teilnehmer seine Ideen auf Karten. Der Nachbar nimmt die Karten auf, kommt auf neue Ideen, die er auf neue Karten schreibt und gibt die Karten an seinen Nachbarn weiter. Wie ist der Ablauf im Einzelnen?

Problemklärung

Im ersten Schritt erfolgt die gemeinsame Problemklärung. Die Aufgabenstellung beziehungsweise Zielsetzung sowie schon bekannte Fakten und Lösungsanforderungen werden auf einem Flipchart festgehalten. Es kann sein, dass dies schon vom Moderator oder Auftraggeber des Kreativitätsworkshops vorgegeben wird – andernfalls werden diese Punkte gemeinsam mit der Gruppe erarbeitet. Damit sind die Teilnehmenden im Bilde und wissen, was Ausgangsbasis und Zielsetzung ist. Erfolgsentscheidend sind eine ganz klare Zielsetzung und eine eindeutige Frage.

Erste Lösungsideen aufschreiben

Im zweiten Schritt fordert der Moderator dazu auf, mit Flipchart-Stiften Lösungsvorschläge auf Moderationskarten zu schreiben. Wichtig dabei ist es, auf jede Karte wirklich nur eine Idee zu schreiben. Oft genügen Stichworte, manchmal braucht es Halbsätze. Auf gute Lesbarkeit und eine große Schrift muss geachtet werden. Das Brainwriting beginnt und die Teilnehmenden schreiben beliebig viele Lösungsideen auf die Karten. Die Karten werden dem Nachbarn zur Linken in Griffweite hingelegt. In den ersten Minuten arbeitet jeder für sich. Die Karten werden vom Nachbarn noch nicht aufgenommen.

Ideen lesen und neue Ideen entwickeln

Wenn der Ideenfluss der Teilnehmenden nachlässt, spätestens jedoch nach fünf Minuten, fordert der Moderator dazu auf, die Karten des rechten Nachbarn aufzugreifen. Sie lesen die Karten durch und lassen sich durch die Ideen der anderen zu neuen Ideen anregen. Die neuen Ideen schreiben sie auf neue Karten und reichen sie an den linken Nachbarn weiter. Die schon beschriebenen Karten werden ebenfalls an den linken Nachbarn weitergereicht und keinesfalls ergänzt oder kommentiert. Die Karten laufen so einige Zeit im Kreis um. Dabei wird nicht diskutiert. Allenfalls kann der Moderator einen langsameren Teilnehmer, bei dem sich ein Kartenstapel bildet, dazu auffordern, diesen ganz oder teilweise an den linken Nachbarn weiterzugeben, damit der Fluss erhalten bleibt.

Kartenumlauf beenden

Kommt der Ideenfluss schließlich zum Erliegen, beendet der Moderator den Kartenumlauf. Der Moderator erkennt das Ausbleiben von neuen Ideen daran, dass die Karten des Nachbarn nach dem Lesen gleich weitergeben werden, ohne dass neue Karten geschrieben werden. Typischerweise passiert das nach etwa 20 Minuten.

Unklare Ideen erläutern

Im nächsten Schritt werden die Karten vom Moderator eingesammelt und auf einem oder mehreren großen Tischen ausgelegt. Doppelnennungen werden entfernt. Wenn nicht allen Teilnehmenden klar ist, was mit der Idee auf einer Karte genau gemeint ist, dann erläutert der Autor die Idee. Nach der Erläuterung ist nun ein gemeinsames Verständnis der Karten gegeben, ohne welches die Bewertung der Ideen nicht sinnvoll ist.

Karten thematisch bündeln

Nun sortiert der Moderator gemeinsam mit den Teilnehmenden die Ideen. Die Karten werden thematisch gebündelt (geclustert). Jedes Bündel erhält eine Überschriftskarte, die das Bündel und die darin beschriebene Idee oder Lösung stichwortartig beschreibt. Zur besseren Übersicht werden nun die Bündel an eine Pinnwand geheftet.

Bündel bewerten

Die Vielzahl der gefundenen Ideen muss nun bewertet werden. Denn im Regelfall können nur wenige oder gar nur ein Lösungsvorschlag umgesetzt werden. Auf jeden Fall ist eine Festlegung der Priorität hilfreich.

Vor der Bewertung werden die zwei bis vier wichtigsten Bewertungskriterien festgelegt, welche Grundlage der Bewertung sind. Beispielsweise können das sein: Innovationsgrad, Neuheitswert, vermutete Erfolgschance am Markt, Schnelligkeit der Umsetzung, Kosten, Synergieeffekte mit schon bestehenden Produkten.

Wenn allen klar ist, anhand welcher Kriterien die Bewertung erfolgen soll, werden nun von den Teilnehmenden Bewertungspunkte auf die Überschriftskarten geklebt. Die Teilnehmenden bekommen dazu etwa halb so viele Klebepunkte wie es Cluster gibt. Vorab sollte auch geklärt werden, ob es erlaubt ist, Punkte zu „häufeln“, also mehr als einen Punkt auf eine Karte zu kleben. Die Bewertung eines Ideenbündels ergibt sich nun aus der Summe der Klebepunkte an diesem Bündel – je mehr Punkte, desto höher wird eine Idee bewertet.

Hinweise für den Moderator

Die Umlaufrichtung der Karten kann beliebig festgelegt werden. Es empfiehlt sich eine etwa kreisrunde Anordnung der Teilnehmenden.

Benötigtes Material:

  • Flipchart
  • Moderationskarten
  • Flipchart-Stifte
  • große Tische
  • mehrere Pinwände
  • Nadeln
  • Klebepunkte

Fazit

Die Kartenumlauftechnik ist eine methodisch einfache, aber sehr effiziente Methode der Ideenfindung und Ideenbewertung. Gegenüber einem herkömmlichen Brainstorming oder einer klassischen Kartenabfrage bringt sie deutlich mehr Ideen und eine wesentlich höhere Qualität der Ideen.

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