Online-ModerationTipps für interaktive Online-Veranstaltungen

Online-Workshops, virtuelle Meetings und Webkonferenzen ermüden die Teilnehmenden schnell. Tipps für Ihre Online-Moderation, mit denen Sie die Konzentration und Interaktion der Teilnehmenden fördern.

Virtuelle Workshops, Online-Schulungen und Webkonferenzen gehören zu einer neuen, digitalisierten Normalität. Eine Online-Veranstaltung bietet dabei viele Vorteile wie Zeitersparnis und einfachere Planbarkeit und Organisation. Die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmenden fällt online allerdings kürzer aus als bei klassischen Präsenzveranstaltungen. Was können Sie tun, damit sich keine „ Zoom-Müdigkeit“ in Ihrem Publikum ausbreitet? Die folgenden Tipps helfen.

Zoom-Müdigkeit

Zoom Fatigue, deutsch Zoom-Müdigkeit oder allgemein als Concentration Fatigue bezeichnet, beschreibt ein Phänomen bei und nach Videokonferenzen: Die Teilnehmenden fühlen sich nach einiger Zeit unkonzentriert und ausgelaugt.

Einführung in die Online-Veranstaltung

Vor dem Einstieg ins Thema brauchen die Teilnehmenden eine kurze Einführung zu den verwendeten Tools. Beantworten Sie alle technischen Fragen und Unklarheiten idealerweise sofort.

Informieren Sie die Gruppe außerdem über den Zeitplan und die Pausenregelung. Stellen Sie Commitment her und weisen Sie darauf hin, dass der Erfolg der Veranstaltung vom Beitrag aller abhängt. Dieses Ziel erreichen Sie am besten, wenn nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilnehmen, deren Anwesenheit unverzichtbar ist. Dafür können einzelne Personen auch themenbezogen und vorübergehend in die Veranstaltung einsteigen.

Hinweis: Zeitplan und Pausen für Online-Veranstaltungen

Beachten Sie für Ihren Ablauf- und Zeitplan: Nach maximal fünfzehn Minuten Präsentation und Input leiten Sie zu einer Diskussion oder Gruppenarbeit über, damit die Teilnehmenden aktiv werden können und müssen. Alle sechzig Minuten folgt eine mindestens zehnminütige Pause.

Dauert eine Veranstaltung länger als einen Tag oder besteht sie aus mehreren Blöcken, planen Sie entsprechend mehr Pausen ein – viel mehr Pausen als für Vor-Ort-Konferenzen.

Ankunft im virtuellen Raum

Damit alle Teilnehmenden im digitalen Konferenzraum ankommen, brauchen Remote-Formate einen Check-in. Er ersetzt den Smalltalk bei Kaffee und Keksen. Überlegen Sie sich eine Frage, die alle gleichzeitig über den Chat beantworten sollen und gehen Sie die Rückmeldungen gemeinsam durch. Je besser sich die Gruppe kennt, umso persönlicher und humoriger kann die Frage sein. Eine lockere Atmosphäre und gemeinsames Lachen schaffen die so wichtige Verbundenheit. Beispielfragen für solche Icebreaker sind:

  • „Was würden Sie mit einer Million Euro anstellen?“
  • „Stellen Sie sich vor, Sie wären berühmt. Weshalb wären Sie es?“
  • „Teilen Sie uns eine lustige Eigenschaft von sich oder eine Tatsache mit, die wir noch nicht wissen.“
  • „Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und warum?“

Vorstellungsrunde

Bei Online-Konferenzen mit einander fremden Personen planen Sie etwa zehn bis zwanzig Minuten ein, in denen sich alle Beteiligten kurz und prägnant vorstellen. Die Vorstellungsrunde können Sie auch auf einem virtuellen Whiteboard dokumentieren.

Im Rahmen regelmäßiger Remote-Treffen eines Teams, das sich bereits kennt, stärkt eine solche Runde das Wir-Gefühl und das Commitment. Sie ist jedoch nicht zwingend notwendig.

Der Vortrag

Stehen Sie als Online-Moderatorin oder Online-Moderator, wenn Sie einen Vortrag halten. Die Stimme erhält dadurch mehr Volumen und Sie wirken präsenter. Das ist wichtig, weil die Zuhörenden vor allem die Folien auf dem Bildschirm sehen und nicht Sie als Person. Sammeln Sie während des Online-Vortrages Fragen im Chat und beantworten Sie diese im Anschluss.

Themen interaktiv präsentieren

Je früher Sie die Anwesenden einbinden, umso besser. Probieren Sie dafür folgende Methoden aus:

Cyberstorming

Cyberstorming ist die virtuelle Version des Brainstormings. Nutzen Sie das Cyberstorming, um miteinander Ideen auszutauschen oder ein Themengebiet zu sondieren. Diese Methode eignet sich auch gut für einen spielerischen Zugang in die Zusammenarbeit. So können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise neue Definitionen für gängige Kürzel aus ihrem Fachgebiet überlegen oder aus jedem Buchstaben ein Wort bilden und daraus einen ganzen Satz formulieren.

Skalenfragen

Skalenfragen helfen Ihnen und der Gruppe, den aktuellen Wissensstand zu einem Thema zu klären. Zum Beispiel: Ich beschäftige mich mit dem Thema … nie; täglich; wöchentlich; einmal pro Monat.

Mindmaps

Mindmaps auf dem digitalen Whiteboard zeigen Ihnen, welche Begriffe und inhaltlichen Aspekte die Teilnehmenden bereits kennen. Besprechen Sie die Beiträge in der Gesprächsrunde und bringen Sie damit alle Beteiligten auf denselben Kenntnisstand.

Interaktion und Zusammenarbeit fördern

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen den Kontakt zu ihren Kollegen. Bei der Begegnung im virtuellen Raum ist eine hohe Qualität der Veranstaltung daher noch wichtiger als im firmeneigenen Konferenzraum. Denn wer von seinem Gegenüber nur das Gesicht auf einem kleinen Bildschirm sieht, hat kaum Möglichkeiten, nonverbale Signale wahrzunehmen. Die Körperhaltung bleibt verborgen, genauso wie das Wackeln der Beine oder Gesten mit der Hand.

Das bedeutet, die Teilnehmenden konzentrieren sich unbewusst darauf, die wenigen erkennbaren Zeichen aufzunehmen. Dazu gehört auch, den Raum im Hintergrund zu betrachten. Gleichzeitig ist allen klar, dass auch die eigene Person auf den sichtbaren Bildausschnitt reduziert ist. Erschwerend kommt hinzu, das viele Video-Call-Tools einem selbst immer auch das eigene Bild zeigen. Deshalb wird regelmäßig kontrolliert, wie die eigene Person und die Räumlichkeiten auf die anderen Teilnehmende wirken.

Nutzen Sie die folgenden Methoden flexibel, um Interaktion und Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden zu aktivieren. Sie sorgen für einen intensiven Austausch und stellen sicher, dass alle Beteiligten die Veranstaltung konzentriert mitgestalten.

Bewegungsspiele

Sollten Sie während des Online-Seminars merken, dass die allgemeine Konzentration nachlässt, bauen Sie spontan ein interaktives Bewegungsspiel ein. Besonders bewährt haben sich aktivierende Körperübungen, bei der zum Beispiel jede Person einige Male um den eigenen Stuhl läuft oder die aktuelle Stimmung über Gesten und Mimik ausdrückt. Erfahrungsgemäß lässt sich der Großteil mit Spaß auf fast jede Aktion ein.

Gruppenarbeiten

Für Gruppenarbeiten können Sie sogenannte Breakout-Räume nutzen. Dafür teilen Sie die Teilnehmenden in Kleingruppen auf und jedes Team zieht sich in seinen Breakout-Raum zurück, um an seiner Aufgabe zu arbeiten. Die Ergebnisse werden auf einem digitalen Whiteboard festgehalten und dem Plenum im Anschluss vorgestellt.

Zu den bekanntesten Whiteboard Tools gehören Mural, Conceptboard und Padlet. Möchten Sie Brainstorming-Runden mit vielen Beteiligten durchführen, können Sie die Chatfunktion einsetzen. Beim Chat Waterfall senden alle Anwesenden gleichzeitig ihren Kommentar auf eine Frage ab. Lesen Sie währenddessen möglichst viele Beiträge vor. Round Robin dagegen zielt darauf ab, dass die Antworten dynamisch nacheinander gegeben werden und wirklich alle Teilnehmenden mitmachen. Dazu nominiert jede Person, die gerade spricht die nächste Person, die anschließend an der Reihe ist.

Hinweis: Stimmungsbilder festhalten

Kurze Feedbackrunden oder ein Blitzlicht zwischendurch erhöhen die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden. Um diese Meinungs- und Stimmungsbilder festzuhalten, eignet sich das Tool mentimeter. Es funktioniert ähnlich wie Zuschauerabstimmungen in Quizshows. Alle Teilnehmenden geben ihre Antwort via Knopfdruck ab und mentimeter visualisiert das Ergebnis für alle sichtbar in Form einer Grafik.

Abschluss und Check-out

Am Ende der Online-Konferenz werden die zentralen Themen und Ergebnisse zusammengefasst präsentiert. Informieren Sie die Teilnehmenden auch, wie sie auf die Dokumentation zugreifen können.

Stellen Sie abschließende Fragen, die zur Reflexion anregen und im Chat beantwortet werden, etwa: „Welcher Aspekt war für Sie heute besonders relevant?“ Dann beenden Sie die Sitzung.

Fazit

Online-Veranstaltungen werden dauerhaft eine zentrale Rolle im Unternehmensalltag spielen. Deshalb ist es wichtig, die Besonderheiten von Konferenzen im virtuellen Raum zu beachten. Die Online-Moderation sollte eine Person mit ausreichender digitaler Kompetenz übernehmen, um mit interaktiven Tools und einer optimalen Agenda nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Bedenken Sie außerdem: Zu viele Online-Termine hintereinander oder zu lange Einheiten im Rahmen mehrtägiger Online-Seminare mindern die Aufnahmefähigkeit und die Beteiligten werden zunehmend passiv. Die Taktik „Durchhalten und Zeit absitzen“ ersetzt eine aktive Teilnahme. Das bedeutet nicht, dass die Teilnehmenden grundsätzlich unmotiviert sind, sondern fordert Unternehmen heraus, die Besonderheit von Online-Veranstaltungen zu berücksichtigen. 

Nutzen Sie die Verlagerung von Besprechungen in den virtuellen Raum, um alle Veranstaltungen auf ihren aktuellen Nutzen hin zu überprüfen. Setzen Sie ausschließlich wichtige Termine auf die Agenda und fokussieren Sie sich bei jedem Meeting inhaltlich auf wenige relevante Punkte.

Agenda für Online-Veranstaltungen

Wie Ihre Agenda für die nächste Online-Veranstaltung aussehen kann und welche Methoden Sie jeweils einsetzen können:

  • Begrüßung, technischer Einstieg, Check-in im Plenum
  • Vorstellungsrunde und erstes Statement zum Thema im Plenum; Kennenlernen der Teilnehmenden in Breakout-Räumen, danach Zusammenfassung im Plenum mit Chat Waterfall
  • Einstieg in das Thema im Plenum; ergänzt mit Skalenfrage oder Mindmap
  • Vortrag halten oder Input geben im Plenum, ggf. Bildschirm selektiv teilen
  • Diskussion und Arbeitsphase in Breakout-Räumen und mithilfe digitaler Whiteboards
  • Arbeitsergebnisse präsentieren im Plenum, ggf. Bildschirm teilen
  • Feedback einholen mit einem Umfragetool und/oder Chat Waterfall
  • Verabschiedung, Abschluss, Check-out, Ende im Plenum

Viel Erfolg für Ihre nächste Online-Veranstaltung!

Dazu im Management-Handbuch

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