Arbeits- und Organisationspsychologie Wofür braucht es Arbeits- und Organisationspsychologie?

Unternehmen sind eine besondere Form der Organisation. Dort arbeiten Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zusammen. Um die Zusammenarbeit im Unternehmen besser zu verstehen, helfen Theorien, Modelle, Methoden und Erkenntnisse aus dem Gebiet der Psychologie weiter.

Die Zusammenarbeit von Menschen besser verstehen

Im Unternehmen arbeiten Menschen miteinander – manchmal auch gegeneinander. Im Idealfall arbeiten sie für ein gemeinsames Ziel oder einen Zweck, die von der Organisation oder ihren Führungskräften vorgeben sind. Tätigkeiten und Aufgaben sind aufeinander abgestimmt. Sie ergeben sich aus den Zielen und Zwecken und der meist arbeitsteiligen Struktur einer Organisation.

Ob und wie die Tätigkeiten und Aufgaben erfüllt werden, hängt stark davon ab, wie die Menschen in der Organisation oder im Unternehmen sich selbst und ihre Rolle erleben, wie sie sich verhalten und wie sie handeln. Denken Sie zum Beispiel an folgende Situationen:

  • Sie haben eine freie Stelle zu besetzen und grübeln, wer ein geeigneter Kandidat ist.
  • Vorgesetzte sollen die Leistungen ihrer Mitarbeiter beurteilen.
  • Zwei Teammitglieder streiten sich um die frei gewordene Position der Teamleitung; die Kollegen sind genervt und die Stimmung ist mies.
  • Sie erkennen, dass die neue Mitarbeiterin besonders motiviert zur Sache geht; andere in ihrer Abteilung arbeiten still und zufrieden vor sich hin.
  • In einigen Abteilungen Ihres Unternehmens ist der Krankenstand erheblich höher als in anderen.

Psychologie im Unternehmenskontext

Um zu verstehen, wie und warum Menschen in der Organisation oder im Unternehmen so sind, wie sie sind, spielen Theorien, Modelle, Methoden und Erkenntnisse aus dem Gebiet der Psychologie eine Rolle. Gerade für Führungskräfte, aber auch für alle anderen Beschäftigten sind Grundkenntnisse und Methoden der Psychologie hilfreich, um mit den anderen Menschen in ihrer Organisation besser zu interagieren und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen – letztlich um die gemeinsamen Ziele zu erreichen und das „Funktionieren der Organisation“ sicherzustellen.

Organisationspsychologie

Die Organisationspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie. Sie ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Handeln des Menschen in Organisationen.

Quelle: Lutz von Rosenstiel: Grundlagen der Organisationspsychologie, 2003

Mit was sich Organisationspsychologie befasst

Die Organisationspsychologie betrachtet aber nicht nur den einzelnen Menschen oder Individuum. Sie befasst sich mit der Struktur einer Organisation und dem Zusammenspiel der einzelnen Elemente. Dazu zählen:

  • die Aufgabe(n), die in der Organisation anfallen und erledigt werden müssen; sie leiten sich aus dem Zweck, den Zielen und Strategien der Organisation ab;
  • das einzelne Individuum, das diese Aufgabe(n) erfüllen soll; das sind im Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für diese Aufgaben und für die dabei eingesetzten Mittel (Technik) eine individuelle Einstellung, Haltung, Begabungen, Kompetenzen, Motivationen oder Emotionen mitbringen;
  • die Interaktion des Individuums mit anderen (mit Kollegen, in einem Team oder einer Gruppe), die Abstimmungen, die Kommunikation, die Art der Zusammenarbeit, Verlässlichkeit, Wertschätzung, Respekt, Sympathien oder Antipathien und das jeweilige Verhalten den anderen gegenüber;
  • das Verhältnis des Individuums zur Organisation insgesamt, das Engagement der Mitarbeiter, das Verständnis für Ziele und Strategien, der Beitrag zum Betriebsklima und die Zuwendung zu Kunden.

Aus den Zielen und Zwecken eines Unternehmens als Organisation ergeben sich die Aufgaben und Teilaufgaben, die erfüllt werden müssen. Daraus leiten sich die notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, die diese Aufgaben erfüllen sollen. Die Beschäftigten müssen entsprechend ausgewählt werden oder dafür trainiert werden.

Um die Aufgaben zu erfüllen und sie auf andere abzustimmen, interagieren sie mit Kollegen; sie bauen zu diesen ein entsprechendes Verhältnis auf. Die Organisation oder das Unternehmen mit ihrer Struktur, ihrer Kultur und ihren Regeln schafft dafür die Rahmenbedingungen. Hieraus ergeben sich beispielsweise Zufriedenheit, Motivation oder Veränderungsbereitschaft. Dabei haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre eigenen Wünsche, Motive und Handlungsintentionen.

Keiner dieser Bereiche lässt sich isoliert betrachten. Im Unternehmen spielen sie immer zusammen. Das zeigt sich an den vielfältigen Fragestellungen, die aus organisationspsychologischer Sicht betrachtet werden können.

Praxis

Psychologie im Unternehmenskontext

Reflektieren Sie die Aspekte und Fragen, bei denen Ihnen die organisationspsychologische Sicht weiterhilft:

  • Was sind der Existenzgrund und die eine zentrale Aufgabe Ihres Unternehmens oder Ihrer Abteilung?
  • Wie ist Ihr Aufgabenverständnis? Und das Ihrer Kollegen und Mitarbeiter?
  • Was macht die spezifische Kultur Ihres Unternehmens und Ihrer Abteilung aus?
  • Inwiefern passt das alles zusammen?

Hinweis

Dieses Handbuch-Kapitel vermittelt einige Grundlagen zur Arbeits- und Organisationspsychologie. Es liefert aufgrund der Komplexität des Themas keine ausgearbeiteten Konzepte oder Lösungen. Dem entsprechend sind alle Vorlagen und Checklisten in diesem Kapitel allgemein gehalten und als Anregung zu verstehen, sich mit dem jeweiligen Thema näher zu befassen und Fragestellungen aus dem eigenen Unternehmen zu reflektieren.

Nutzen Sie die folgende Mindmap als Übersicht, um diesen Prozess anzuregen und die Fragestellungen auszuwählen, die Sie betrachten wollen und wozu Sie Antworten erarbeiten wollen. In der Übersicht können Sie die jeweils betroffenen Bereiche der Organisationspsychologie markieren.

In den folgenden Abschnitten werden ausgewählte Themen aus dem Bereich der Organisationspsychologie vorgestellt. Es soll Anregung sein, die entsprechenden Themen ins eigene Blickfeld zu rücken und für die Organisations- und Personalentwicklung im eigenen Unternehmen zu nutzen.