FührungEmotionale Führung – Führungsstile nach Goleman anwenden

Welche Führungsstile nach Goleman gibt es? Und warum sollten Sie diese voneinander abgrenzen können? Lernen Sie die sechs verschiedenen emotionalen Führungsstile kennen. Erfahren Sie, in welchen Situationen Sie welchen Stil anwenden sollten – und wann Mischformen eine gute Lösung sind.

Warum sollten Sie die sechs Führungsstile nach Goleman kennen?

Führen Sie eher demokratisch, geben Sie am liebsten konkrete Anweisungen oder fördern Sie das Mit- und Selbstbestimmungsrecht Ihres Teams aktiv? Ganz gleich, welchen Führungsstil Sie bevorzugen – je nach Situation, Teamzusammensetzung und Führungstyp sind unterschiedliche Verhaltensweisen zielführend.

Die sechs Führungsstile nach Goleman bieten Ihnen eine Übersicht. Wer sie kennt, kann idealerweise das eigene Führungsverhalten situationsgerecht anpassen.

Was zeichnet emotionale Führungsstile aus?

Die von Goleman, Boyatzis und McKee beschriebenen Führungsstile zeichnen sich durch ihre ausgeprägten Auswirkungen auf die Emotionen der Mitarbeiter aus.

Jeder Führungsstil hat eine andere Wirkung auf die Gefühle von Personen. Deswegen richtet sich die Wahl des „richtigen“ Führungsstils an den individuellen Rahmenbedingungen und den jeweiligen Zielen aus.

Die sechs Führungsstile nach Goleman

Visionärer Führungsstil

Wenn Sie der visionäre Führungstyp sind, geben Sie Ihrem Team zwar ein konkretes Ziel vor, mischen sich jedoch nicht übermäßig in die Umsetzung ein.

Sie sorgen dafür, dass alle Mitarbeitenden dieselbe Vision haben. Das motiviert – gerade, wenn größere Veränderungen im Unternehmen anstehen.

Wann wenden Sie den visionären Führungsstil an?

Gemeinsame Ziele und Visionen fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl. Anwenden sollten Sie den visionären Führungsstil allerdings nur bei eingespielten Teams.

Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg durch die visionäre Führung: Alle Teammitglieder müssen über ausreichend Wissen und Erfahrung verfügen, um Aufgaben selbstständig planen sowie umsetzen zu können.

Coachender Führungsstil

Beim coachenden Führungsstil konzentrieren sich Vorgesetzte auf die Stärken einzelner Teammitglieder. Sie fördern, fordern und unterstützen. In der Rolle des Coaches pflegen Führungskräfte eine enge Beziehung zu den Mitarbeitenden, damit diese ihnen das erforderliche Vertrauen entgegenbringen.

Wann wenden Sie den coachenden Führungsstil an?

Wenn die individuellen Stärken und Talente der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefördert werden sollen, ist der coachende Führungsstil gefragt.

Tipp

Fördern Sie den Teamgeist

Wenn das Hauptaugenmerk auf dem separaten Coaching einzelner Teammitglieder liegt, kann darunter das Wir-Gefühl leiden. Jeder und jede fokussiert sich auf die Selbstoptimierung – weniger auf die Zusammenarbeit.

Wenn Sie den coachenden Führungsstil anwenden, gilt daher: Der Teamgeist muss aktiv gefördert werden, schließlich möchten Sie niemanden zum Einzelkämpfer „erziehen“. Veranstalten Sie etwa halbjährliche Teamevents und organisieren Sie regelmäßige Teambesprechungen (virtuell oder in Präsenz).

Emotionaler, gefühlsorientierter Führungsstil

Der Fokus liegt auf den emotionalen Bedürfnissen des Teams. Nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Probleme werden zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden besprochen.

Wann wenden Sie den emotionalen Führungsstil an?

Der gefühlsorientierte Führungsstil steht in der Regel nicht allein, sondern ergänzt andere Stile. Wenn Sie die Loyalität und den Teamgeist fördern möchten, gehen Sie auf Mitarbeitende auch auf persönlicher Ebene ein.

Gibt es Konflikte innerhalb des Teams, sind emotionale Führungstypen im Vorteil: Mitarbeitende vertrauen Ihnen und lassen sich daher eher positiv emotional beeinflussen.

Demokratischer Führungsstil

Beim demokratischen Führungsstil wird jede und jeder Einzelne in Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Mehrheit gibt den Ton an – wie in demokratischen Staaten. Der Vorteil: Durch die offene Diskussion betrachtet Ihr Team Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln; potenzielle Risiken und Chancen werden eher erkannt.

Wann wenden Sie den demokratischen Führungsstil an?

Falls Sie von der Diversität des Teams profitieren möchten, sollten Sie die Diskussion und den sachlichen Austausch in der Gruppe nicht nur zulassen, sondern fördern.

Nicht anwenden sollten Sie den demokratischen Führungsstil, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Etwa in diesen Fällen:

  • Es bleibt keine Zeit für (lange oder zahlreiche) Teammeetings, weil wertvolle Arbeitszeit geopfert werden müsste. Diese Zeit wird gerade dringend an anderer Stelle gebraucht.
  • Teammitglieder können sich nicht auf eine Lösung einigen, weil die Ansichten zu unterschiedlich sind und keine Kompromisse gefunden werden.
Tipp

Sie als Führungskraft haben das letzte Wort

Sie behalten als Führungskraft „das letzte Wort“ – schließlich tragen Sie auch die Verantwortung für Erfolge sowie Misserfolge.

Der demokratische Führungsstil ist keine Ausrede für Führungskräfte, die sich vor Entscheidungen verstecken möchten, bei denen weitreichende Folgen zu befürchten sind.

Fordernder Führungsstil

Der fordernde Führungsstil zeichnet sich durch hohe Erwartungen seitens der Vorgesetzten aus. Führungskräfte fordern Leistungsbereitschaft sowie Qualität ein. Werden Mitarbeitende den Ansprüchen nicht gerecht, sprechen Chefs diese gezielt an – und ziehen Konsequenzen, wenn sich nichts ändert.

Wann wenden Sie den fordernden Führungsstil an?

Der fordernde Führungsstil wird nur temporär eingesetzt, etwa in den folgenden Fällen:

  • Der Projektabschluss steht kurz bevor. Es gibt noch viel zu tun; Überstunden sind an der Tagesordnung, um alles rechtzeitig abzuschließen. Fehler dürfen jetzt möglichst nicht mehr passieren.
  • Das Team ist unvorhergesehen wegen Krankheit oder Kündigung unterbesetzt. Kurzzeitig müssen alle Teammitglieder mehr leisten, um das auszugleichen.

Üben Sie nur kurzfristig Druck auf Ihr Team aus, sonst drohen Frust, Überforderung und Widerstand.

Befehlender Führungsstil (auch: autoritärer Führungsstil)

Wer diesen Führungsstil anwendet, gibt konkrete Anweisungen an Mitarbeitende. Zwischenergebnisse und einzelne Arbeitsschritte werden kontrolliert.

Mögliche Nachteile des befehlenden Führungsstils:

  • Dieser Führungsstil wirkt sich häufig negativ auf die intrinsische Motivation aus.
  • Vorgesetzte investieren (zu) viel Zeit in Kontrolltätigkeiten.
  • Führungskräfte geben kaum Verantwortung ab und überfordern sich damit selbst.

Wann wenden Sie den befehlenden Führungsstil an?

Der befehlende Führungsstil ist nur gefragt, wenn Aufgaben in besonderen Notsituationen ausgeführt werden müssen, weil keine Zeit für Besprechungen bleibt. Im Büroumfeld ist das selten – fast nie – der Fall. Halten Sie sich daher mit Befehlen eher zurück.

Beispiel: Ein Team aus Ärztin oder Arzt und medizinischen Fachangestellten führen gemeinsam eine Operation durch. Die Angestellten assistieren zeitlich und inhaltlich exakt auf Ansage.

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