Benchmarking-Partner finden

In der zweiten Phase des Benchmarking-Projekts geht es darum, die oder das für einen Vergleich geeignete Unternehmen zu finden. Sie können auch ein internes Benchmarking durchführen und einzelne Bereiche Ihres Unternehmens miteinander vergleichen. Dabei entfallen Barrieren, die beim externen Benchmarking, also beim Vergleich mit anderen Unternehmen, oft gegeben sind.

Grundsätzlich kommen sowohl Konkurrenten als auch branchenfremde Unternehmen, Ihre Kunden und Lieferanten als potenzielle Benchmarking-Partner infrage.

Kunden und Lieferanten als Benchmarking-Partner

Beim Benchmarking mit Kunden und Lieferanten sind die Erfolgsaussichten besonders hoch, einen aufgeschlossenen Partner zu finden. Denn bei beiden Gruppen dürfte großes Interesse vorhanden sein, dass Ihr Unternehmen seine Leistungen verbessert. Dazu müssen Sie ermitteln, was einzelne Kunden oder Lieferanten hervorragend beherrschen.

Spezielle Branchen als Benchmarks

Einige Branchen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen bestimmten Prozess optimieren und darin besonders gut sind. Wenn Sie also nach Best Practice für einen speziellen Prozess suchen, orientieren Sie sich an der passenden Branche.

Im Folgenden finden Sie eine Liste, die ausgewählten Benchmarking-Objekten die passenden Branchen, die in diesem Bereich als führend gelten, zuordnet. Denn für diese Branchen sind die Prozesse, die analysiert werden sollen, Kernprozesse, die dort bereits optimiert wurden. In Ihrem Unternehmen muss das kein Kernprozess sein; es kann sich auch um einen Hilfsprozess oder einen anderen Geschäftsprozess handeln, der in Ihrem Unternehmen nicht perfekt abläuft.

Benchmarking-Objekt Branchen mit „Best Practices“
Werbung und Markenpolitik Konsumgüterindustrie
Kundenservice Fluggesellschaften, gehobene Hotels
Logistik Versandunternehmen, Paketzustelldienste
Fakturierung Kreditkartenunternehmen
Personalentwicklung Unternehmensberatungen
Informationstechnologie Telekommunikationsfirmen, Software-Spezialisten
Interne Weiterbildung Unternehmensberatungen
Telefonservice Marktforschungsinstitute
Lagerzeiten Lebensmittelgroßhandel
Innovation Hersteller von Mobilfunkgeräten
Benutzung und Bedienerfreundlichkeit (Produkte) Softwarehersteller, Hardwarehersteller

Unterstützung bei der Suche nach einem Benchmarking-Partner

Wenn Sie Benchmarking allein durchführen wollen, müssen Sie den oder die potenziellen Benchmarking-Partner selbst suchen und ansprechen. Verschiedene Stellen können Ihnen bei der Suche nach passenden Unternehmen oder bei der Beschaffung von Benchmarking-Daten helfen.

Da besonders der erste Kontakt zu potenziellen Benchmarking-Partnern nicht immer leicht herzustellen ist, sollten Sie sich überlegen, die Unterstützung von Vermittlungs- oder Clearingstellen in Anspruch zu nehmen. Eine Clearingstelle ist eine neutrale Stelle, die

  • auf Grundlage Ihres Benchmarking-Projekts den oder die passenden Partner für Sie sucht,
  • auf Wunsch auch die Analyse für Sie durchführt,
  • Ihnen fertige Konzepte und die entsprechenden Partner oder Daten anbietet.

Verdecktes Benchmarking

Mithilfe solcher Clearingstellen ist auch ein verdecktes Benchmarking möglich, bei dem die Daten durch die Clearingstelle anonymisiert ausgetauscht werden. Dies ist im Prinzip der einzige Weg, um mit Konkurrenten ein Benchmarking durchzuführen.

Allerdings wissen Sie dann auch nicht, von welchem Unternehmen die Daten stammen, da die Vermittler zum Schweigen verpflichtet sind. Beim verdeckten Benchmarking müssen Sie Ihre Benchmarking-Daten an die Clearingstelle weiterleiten und Sie bekommen dann anonymisierte Vergleichszahlen, anhand derer Sie Ihre Position im Wettbewerb bewerten können.

Offenes Benchmarking

Ein offenes Benchmarking kann entweder von Ihnen selbst oder mit Vermittlungsstellen durchgeführt werden. Beim offenen Benchmarking tauschen Sie Ihre Erfahrungen und Daten offen und direkt mit anderen Unternehmen aus. Das erfordert faire Regeln, die ein ausgewogenes, gegenseitiges Geben und Nehmen garantieren.

Sie sollten daher mit Ihren Benchmarking-Partnern einen Vertrag abschließen, um im Falle eines Fehlverhaltens Ihres Benchmarking-Partners, wie dem Missbrauch Ihrer Daten, ein Sanktionsmittel in der Hand zu haben. Ein Vertrag kann nur ein Hilfsmittel sein und sollte lediglich zur Absicherung dienen. Die eigentliche Grundlage für Ihre Kooperation mit dem Partner muss gegenseitiges Vertrauen sein.

Wie überzeugen Sie den Benchmarking-Partner?

Der Austausch zwischen Ihnen und Ihrem Benchmarking-Partner kann nur dann funktionieren, wenn beide Seiten profitieren. Daher müssen Sie folgende Fragen beantworten:

  • In welchen Bereichen ist das eigene Unternehmen besonders gut?
  • Welches interne Wissen kann an den Partner weitergegeben werden, ohne dem eigenen Unternehmen zu schaden?
  • Welchen Nutzen hat der Partner von diesen Informationen?
  • Welchen Nutzen hat der Partner von Ihrer Benchmarking-Studie in seinem Unternehmen?

Ein Benchmarking-Partner wird Ihnen sein internes Wissen nur dann zur Verfügung stellen, wenn der Vergleich ihm selbst auch einen Nutzen bringt. Er erwartet von Ihnen eine entsprechende Gegenleistung. Versuchen Sie, Ihre Möglichkeiten hier realistisch einzuschätzen.

Im nächsten Schritt im Benchmarking-Projekt werden die eigentliche Studie und der Vergleich mit dem Benchmarking-Partner durchgeführt.

Praxis

Benchmarking-Partner identifizieren

Überprüfen Sie, in welchen Branchen Sie für Ihren Prozess den Referenzprozess finden. Nutzen Sie dazu die folgende Liste mit Prozessen und Vorreiter-Branchen.

Identifizieren Sie damit mögliche Benchmarking-Partner.

Benchmarking-Partner auswählen

Legen Sie Kriterien fest, anhand derer Sie prüfen wollen, ob ein Unternehmen ein passender Benchmarking-Partner sein kann. Stellen Sie diese Kriterien in der folgenden Excel-Liste zusammen.

Führen Sie eine Bewertung möglicher Benchmarking-Partner durch.

Folgende Fragen können Ihnen helfen zu prüfen, ob der potenzielle Benchmarking-Partner für den Vergleich und eine gemeinsame Benchmarking-Studie geeignet ist:

  • Ist das Benchmarking-Objekt ein kritischer Erfolgsfaktor oder eine Kernkompetenz des Benchmarking-Partners?
  • Ist eine objektive Vergleichbarkeit gegeben?
  • Gewichten die Kunden diese Prozessleistung hoch?
  • Sind alle Möglichkeiten, Sekundärdaten zu gewinnen, ausgeschöpft? (Datenbanken, öffentliche Informationsquellen, Branchenexperten etc.)
  • Haben Sie eine entsprechende Gegenleistung für den Benchmarking-Partner?
  • Haben Sie den direkten Kontakt gut vorbereitet? (Fragenkatalog, Interviews, Besprechungen vor Ort, gemeinsame Workshops etc.)

Beantworten Sie diese Fragen und ermitteln Sie so mögliche Unternehmen (Name, Ansprechpartner).

Benchmarking-Profil erstellen

Erstellen Sie für das Unternehmen, das möglicher Benchmarking-Partner sein kann, ein Benchmarking-Profil.

Oft ist die Ansprache eines Benchmarking-Partners sehr schwierig. Diese sind nicht bereit mitzuwirken; insbesondere dann, wenn das Unternehmen sich im Wettbewerb zu Ihrem Unternehmen sieht. Dann müssen Sie einen Vermittler in Anspruch nehmen.

Prüfen Sie mit der folgenden Vorlage, welcher Vermittler für Sie infrage kommen kann.

Vereinbarung mit Benchmarking-Partner treffen

Im Folgenden finden Sie ein Beispiel für ein Vertragsformular. Passen Sie dieses an Ihre Anforderungen an und treffen Sie mit Ihrem Benchmarking-Partner eine entsprechende Vereinbarung.

Dazu im Management-Handbuch

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