Worum geht es bei der Kalkulation der Leasinggebühr?

Manche Unternehmen bieten ihre Produkte nicht zum Verkauf, sondern zum Gebrauch an. Das bedeutet, Kunden nutzen die Produkte und bezahlen an den Anbieter eine Leasing-, Miet- oder Pachtgebühr.

Für den Anbieter stellt sich dann die Frage: Wie hoch muss diese Gebühr sein? Dabei sollen

  • die eigenen, relevanten Kosten gedeckt sein,
  • ein angestrebter Gewinn erzielt werden,
  • ein Risiko einkalkuliert werden.

Leasing, Miete oder Pacht?

Leasing, Miete und Pacht unterscheiden sich in ihrer rechtlichen Bedeutung, in der Ausgestaltung des jeweiligen Vertrags und in den Rechten und Pflichten, die Anbieter und Kunde jeweils haben.

Dabei gibt es beim Leasing folgende Besonderheit zu beachten: Im Leasingvertrag werden insbesondere folgende Punkte festgelegt, die Grundlage für die Kalkulation sind:

  • Dauer der Nutzung
  • Anzahlung oder Einmalzahlung
  • Restwert bei Rücknahme
  • Ausgleichszahlung bei Minder- oder Mehrleistung

Mit diesen vorab weitgehend bekannten oder zumindest schätzbaren Parametern kann die Leasinggebühr berechnet werden.

Die Selbstkosten für das Leasing-Produkt ermitteln

Grundlage für die Kalkulation sind die Selbstkosten, die für das Produkt anfallen, das dem Kunden zum Gebrauch zur Verfügung gestellt wird. Diese werden nach einem üblichen Kalkulationsschema für die Selbstkosten ermittelt.

Sie erfassen also zunächst die Kosten für das Leasing-Produkt. Dazu gehören im Allgemeinen Einzelkosten für:

  • Kaufteile
  • Lizenzen
  • sonstiges Material
  • Personal
  • Betriebsmittel
  • sonstige Aktivitäten für die Fertigung oder Herstellung
  • Entwicklung
  • IuK-Technik

Dazu können Sondereinzelkosten sowie jeweils spezifische Gemeinkosten kommen, die nach einem festgelegten Schlüssel (Prozent) verteilt werden.

Beachten Sie dabei, dass der Betrag für einige Kosten pro Jahr bekannt ist, andere für einen längeren Zeitraum. Personalkosten lassen sich beispielsweise pro Jahr angeben, Entwicklungskosten oder Betriebsmittelkosten werden oft über mehrere Jahre verteilt (als Abschreibung).

Die Gesamtkosten, die für alle Leasing-Produkte anfallen, verteilen Sie auf eine einzelne Einheit, etwa ein Stück. Dazu müssen Sie festlegen, wie viele Stück pro Jahr Sie verleasen können. Daraus ergeben sich die Selbstkosten pro Stück.

Leasingspezifische Kosten

Wird der Leasingvertrag mit einem Kunden als Leasingnehmer abgeschlossen, haben Sie als Anbieter (Leasinggeber) weitere Kosten, die sich aus dem Leasingvorgang ergeben.

Monatlicher Werteverzehr

Aufgrund der Nutzung des Produkts durch den Kunden kommt es zu einem Werteverzehr. Der Wert des Produkts sinkt im Laufe der Zeit. Er entspricht der Abschreibung eines Produkts.

Dabei wird beim Leasing berücksichtigt, dass der Kunde zu Beginn eine Anzahlung oder eine Einmalzahlung gemäß Leasingvertrag entrichtet. Und mit dem Ende des Leasings gibt der Kunde das Produkt an den Anbieter zurück, der es zum Restwert an den Kunden oder jemand anderen verkaufen kann.

Der monatliche Werteverzehr wird berechnet mit dieser Formel:

Werteverzehr =
(Selbstkosten für das Leasing-Produkt
- Anzahlung
- Restwert)
÷ Leasingdauer

Problematisch ist gegebenenfalls, dass der Restwert zu Beginn des Leasingvertrags nicht sicher festgestellt werden kann. Nach drei oder vier Jahren Leasing kann der Erlös, der mit dem gebrauchten Produkt erzielt wird, höher oder geringer sein als zu Beginn angenommen.

Um dieses Risiko in der Kalkulation zu berücksichtigen, wird mit einem Risikofaktor für den Restwert kalkuliert. Er sollte aus Erfahrungswerten der Vergangenheit abgeleitet werden oder Grundlage für unterschiedliche Kalkulationsszenarien sein.

Monatliche Kapitalkosten

Der Anbieter erlöst seine Selbstkosten nicht unmittelbar durch den Verkauf des Produkts. Er muss sie über die Leasingdauer erlösen. Deshalb müssen die Kapitalkosten ermittelt werden, die Sie als Anbieter tragen. Sie geben Ihrem Kunden gewissermaßen einen Kredit, den dieser in Form eines Teils der Leasinggebühr zurückbezahlt.

Grundlage für die Kapitalkostenberechnung ist der Kalkulationszins, der die Kosten der Kapitalbindung ausdrückt. Die Höhe dieses Zinssatzes legen Sie selbst fest. Maßgeblich könnten sein:

  • Zins, den Sie bei einer Festgeldanlage erhalten
  • Zins, den Sie für einen Kredit bezahlen müssten
  • Rendite, die Sie mit einer alternativen Investition erzielen würden

Haben Sie den Kalkulationszins für Ihren Fall bestimmt, berechnen sich die Kapitalkosten im einfachen Fall nach dieser Formel:

Kapitalkosten =
(Selbstkosten für das Leasing-Produkt
- Anzahlung
+ Restwert)
÷ 2
× Kalkulationszins

Wenn Sie es genauer berechnen möchten, können Sie die Zahlungsreihe wie eine Finanzierung behandeln. Dann berechnen Sie den Kapitaldienst über eine Annuitätenrechnung – vergleichbar der Rückzahlung eines Kredits.

Laufende Leasingkosten monatlich

Die Betreuung der Leasingkunden während der Laufzeit des Leasingvertrags kann zu weiteren Kosten führen. Beispiele sind:

  • Sie kümmern sich um Wartung und Reparatur des Produkts.
  • Kunden rufen an und benötigen Beratung.
  • Es fallen spezielle Versicherungsgebühren für den Leasingfall an.
  • Die regelmäßige Kundenverwaltung und Abrechnung sind aufwendig.

Diese Kosten kalkulieren Sie auf Grundlage früherer Erfahrungswerte und pro Monat (als Durchschnittswert).

Leasingkosten einmalig

Andere Kosten, die mit dem Leasingvertrag und dem jeweiligen Kunden verbunden sind, fallen einmalig an – meist zu Beginn oder am Ende des Leasings. Beispiele dafür sind:

  • Einrichtungskosten
  • Rücknahmekosten
  • Aufbereitungskosten nach der Rücknahme

Zudem kann im Leasingvertrag eine bestimmte Nutzungsintensität vereinbart werden. Bei einem Fahrzeug sind das beispielsweise die gefahrenen Kilometer während der Nutzungszeit.

Nutzt der Kunde das Produkt weniger intensiv als vereinbart, erhält er von Ihnen eine Ausgleichszahlung. Das sind weitere einmalige Kosten.

Nutzt der Kunde das Produkt stärker als vereinbart, erhalten Sie vom Kunden eine Ausgleichszahlung. Das reduziert Ihre Leasingkosten.

Diese einmaligen Leasingkosten verteilen Sie wiederum auf die Laufzeit und erhalten damit einen monatlichen Betrag, den Sie bei der Berechnung der Leasinggebühr berücksichtigen.

Leasinggebühr festlegen

Nachdem Sie die relevanten Selbstkosten für den einzelnen Leasingfall berechnet haben, ermitteln Sie nun die Leasinggebühr, die Sie dem Kunden anbieten. Dabei berücksichtigen Sie noch – soweit dies für Sie relevant ist:

  • Risikozuschlag, falls mit dem Kunden ein besonderes Risiko verbunden ist (Zahlungsausfall, besondere Schäden am Produkt …)
  • Gewinnzuschlag
  • Vertreterprovision
  • Kundenskonto
  • Kundenrabatt

Daraus berechnen Sie die Netto-Leasinggebühr, mit der Sie Ihre sämtlichen Kosten decken, ein Risiko berücksichtigen und Ihre Gewinnziele erreichen.

Praxis

Leasinggebühr mit Excel berechnen

Mit der folgenden Excel-Vorlage berechnen Sie die Leasinggebühr für einen Leasingkunden auf der Grundlage Ihrer Selbstkosten und der Gewinnerwartung.

In der Vorlage sind Werte in den blauen Zellen als Beispiel eingetragen. Diese ersetzen Sie durch Ihre Werte.

Grundlage für das Leasing ist das Produkt oder die Leasingleistung, die Sie Ihrem Kunden als Leasingnehmer anbieten. 

Bestimmen Sie im Tabellenblatt SELBSTKOSTEN zunächst, was Sie die Herstellung oder Bereitstellung des Produkts kostet. Das sind die Selbstkosten des Produkts.

Kapitalrate der Leasinggebühr berechnen

Diese werden als Ausgangswert für die Berechnung in das Tabellenblatt LEASINGGEBÜHR übernommen.

Dann berücksichtigen Sie gegebenenfalls eine Anzahlung oder Einmalzahlung des Kunden mit Beginn des Leasingvertrags. Daraus ergibt sich der Leasing Basiswert.

Sie berücksichtigen außerdem, dass Sie am Ende des Leasingvertrags das Produkt zurückerhalten und durch einen Weiterverkauf einen Restwert erhalten.

Ob Sie den geplanten Restwert nach der Laufzeit wirklich erlösen, können Sie jetzt mit der Kalkulation vermutlich nicht sicher sagen. Deshalb schätzen Sie das Risiko eines geringeren Restwerts mit einem Risikofaktor ein. 

Hier können Sie auch verschiedene Risikoszenarien und ihre Auswirkungen auf die Leasinggebühr vergleichen. Letztlich kalkulieren Sie mit einem geschätzten Restwert.

Aus Leasing Basiswert und geschätztem Restwert ermitteln Sie den Werteverzehr (pro Monat). Er entspricht einer Abschreibung des Produkts während der Leasing-Laufzeit.

Da Sie Kapital in die Herstellung des Produkts investiert haben und dieses nicht durch einen Produktverkauf erlösen, müssen Sie Kapitalkosten für die Kapitalbindung während der Leasinglaufzeit berücksichtigen.

Aus Werteverzehr und Kapitalkosten berechnen Sie die Kapitalrate für das Leasing. Diese können Sie auch alternativ über eine Annuitätenrechnung mit der Excel-Funktion RMZ() bestimmen. Sie liefert einen genaueren Wert.

Beispielrechnung Excel zur Kapitalrate als Teil der Leasinggebühr

Laufende Leasingkosten berechnen

Während der Leasinglaufzeit können weitere Kosten für Ihr Unternehmen als Anbieter und Leasinggeber entstehen: die laufenden Leasingkosten.

Diese erfassen Sie ebenfalls in der Excel-Vorlage

  • als laufende monatliche Kosten oder
  • als einmalige Kosten, die auf die Laufzeit-Monate verteilt werden.

Daraus ergeben sich die gesamten Einzelkosten für den jeweiligen Leasingvertrag und Kunden.

Gemeinkosten verteilen und Leasing-Selbstkosten berechnen

Bleiben noch weitere Gemeinkosten übrig, die dem einzelnen Leasingvertrag nicht direkt zugeordnet werden können, lassen sich diese über einen Gemeinkostenzuschlag ebenfalls in die Leasinggebühr einbeziehen.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie hier keine Kosten erfassen, die Sie bereits an anderer Stelle, zum Beispiel bei der Berechnung der Selbstkosten, verrechnet haben.

Die gesamten Leasingkosten oder Leasing-Selbstkosten (Monat) für den jeweiligen Leasingvertrag ergeben sich schließlich aus der Summe von:

  • Leasing Kapitalrate
  • Laufende Leasingkosten gesamt
  • Sonstige Gemeinkosten gesamt
Beispielrechnung Excel zu den gesamten Selbstkosten für das Leasingangebot

Weitere Zuschläge zur Berechnung der Leasinggebühr

Mit den Leasing Selbstkosten haben Sie den Wert berechnet, den Sie Ihrem Kunden monatlich während der Laufzeit mindestens in Rechnung stellen müssen, um keinen Verlust zu machen.

Zusätzlich wollen Sie aber noch einen Gewinn erzielen und gegebenenfalls ein allgemeines Risiko einkalkulieren.

Wenn Sie Leasingverträge über einen gesonderten Vertriebskanal verkaufen, können auch Zuschläge eine Rolle spielen für

  • Vertreterprovision
  • Kundenskonto
  • Kundenrabatt

Alles in allem berechnen Sie damit die Netto-Leasinggebühr und die Brutto-Leasinggebühr als Ihre Listenpreise für das Leasingangebot.

Beispielrechnung Excel zur Gebühr für das Leasingangebot

Weitere Excel-Vorlagen für die Berechnung von Kosten und Angebotspreisen

Gegebenenfalls wollen oder müssen Sie für Ihr Leasingangebot einzelne Kostenbestandteile genauer ermitteln. Dann helfen Ihnen die folgenden Vorlagen.

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