Wie Sie den besten Lieferanten finden

Sie planen die Anschaffung einer Software, einer Maschine, einer Anlage. Sie planen ein Projekt wie den Bau einer Fabrikhalle, den Umzug in ein neues Bürogebäude. Oder Sie benötigen eine spezielle Dienstleistung wie ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte, eine Wirtschaftsprüfung oder Beratung zum Einstieg in einen neuen Markt. In allen diesen Fällen sind Sie auf die Unterstützung eines externen Lieferanten oder Dienstleisters angewiesen. Aber welcher ist der richtige?

Diese Frage können Sie beantworten, wenn Sie die Leistungen und Preise der einzelnen Lieferanten miteinander vergleichen und dann anhand eines Indikators den besten Lieferanten erkennen. Dieser Indikator wird oft mit einem Punktbewertungsverfahren berechnet. Grundlage dafür sind die Angebote, die Lieferanten zu Ihrer Ausschreibung oder Anfrage abgeben.

Mit einem Beispiel soll die Vorgehensweise zur Auswahl des richtigen Lieferanten anschaulich werden. Deshalb sind die einzelnen Schritte zur Punktbewertung für folgenden Fall dargestellt:

  • Sie wollen das gesamte Unternehmen, alle Teams und Abteilungen mit Kaffee-Automaten ausstatten.
  • Sie haben berechnet, dass Sie etwa 30 Geräte benötigen.
  • Über eine Mitarbeiterbefragung wollen Sie ermitteln, welche Anforderungen Ihre Kolleginnen und Kollegen an einen Kaffee-Automaten haben.
  • Daraus soll ein Lastenheft erstellt werden, das Sie vier Lieferanten übergeben.
  • Diese Lieferanten sollen dann ein aussagekräftiges Angebot dafür abgeben.

Insgesamt geht es um eine Investitionssumme, für die sich eine genaue Lieferantenauswahl lohnt. Wie gehen Sie vor?

Grundlage sind Ihre Anforderungen an Lieferanten, Produkte und Leistungen

Um den richtigen Lieferanten zu finden, müssen Sie wissen, was Ihnen beim Produkt oder bei der Dienstleistung, die Sie benötigen, überhaupt wichtig ist. Dazu müssen Sie klären:

  • Welches Ergebnis soll erzielt werden?
  • Wie sieht der Prozess aus, in dem das Produkt eingesetzt wird?
  • Wie sind dort die Rahmenbedingungen und Umfeldfaktoren?
  • Welche Wünsche, Erwartungen, Interessen, Ziele haben die späteren Nutzerinnen und Nutzer des Produkts?

Aus den Antworten auf diese Fragen leiten sich die Anforderungen ab, die Sie an das Produkt, die Dienstleistung und den Lieferanten stellen. Das muss der Lieferant, den Sie am Ende auswählen, leisten. Diese Anforderungen sind mit den jeweiligen Leistungsmerkmalen oder Funktionen eines Produkts, bei Dienstleistungen mit dem Know-how, den Erfahrungen und Methoden des Lieferanten und seiner Mitarbeitenden verknüpft.

Die Anforderungen werden in einer Liste zusammengestellt und soweit erläutert, dass den Lieferanten klar wird, worauf es Ihnen ankommt. Diese Liste mit Erläuterungen wird auch als Lastenheft bezeichnet. Je nach Produkt und Leistung können die Anforderungen sehr genau und spezifisch formuliert sein.

Stichwort

Lastenheft und Pflichtenheft

Im Lastenheft sind alle Anforderungen des Auftraggebers sowie die Rahmenbedingungen für die Lieferungen und Leistungen eines Lieferanten als potenzieller Auftragnehmer beschrieben. Das Lastenheft gehört dem Auftraggeber und wird im Rahmen der Lieferantenauswahl den Lieferanten überlassen.

Die Lieferanten müssen ihrerseits erläutern, wie sie die Anforderungen aus dem Lastenheft erfüllen wollen. Das beschreiben die Lieferanten im sogenannten Pflichtenheft. Das Pflichtenheft gehört dem Auftragnehmer.

Mehr dazu finden Sie im Beitrag zum Thema Lastenheft.

Anforderungen an einen Kaffee-Automaten können zum Beispiel sein:

  • gut schmeckender Kaffee
  • Möglichkeit zum Milchaufschäumen
  • einfache Handhabung
  • schnelle Kaffeezubereitung
  • Möglichkeit der Abrechnung über Personal-Karte
  • Langlebigkeit
  • einfache Reinigung

Neben diesen leistungsbezogenen Anforderungen sind auch der Einkaufspreis sowie die Kosten für Betrieb und Entsorgung relevant. Daraus leiten sich die Wirtschaftlichkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis ab, die für die Lieferantenbewertung und Auswahl am Ende entscheidend sind.

Aus Anforderungen passende Kriterien für die Lieferantenbewertung ableiten

Alle Anforderung an das Produkt und die Leistung müssen in ein oder mehrere Bewertungskriterien übertragen werden. Die Bewertungskriterien sollten Sie so formulieren, dass Sie erkennen, messen, beobachten oder zuverlässig schätzen können, ob und wie gut der Lieferant das Bewertungskriterium und damit Ihre Anforderung erfüllt.

Für jede Anforderung muss ein passendes Bewertungskriterium also die Bedingung erfüllen, dass es möglichst sachlich und zuverlässig aussagt, wie gut die Anforderung erfüllt ist. Sie können für das Bewertungskriterium unterschiedliche Mess-Skalen nutzen. Zum Beispiel:

  • feststellen: Anforderung erfüllt/ nicht erfüllt
  • eine Anzahl messen oder schätzen: Stück, Zeitdauer, Euro, Kilogramm, Kilowatt, Prozentwert etc.
  • eine persönliche Bewertung (Meinung) abgeben: Schulnote eins bis sechs

Ein Bewertungskriterium, das gemessen oder geschätzt wird, sollte zudem deutlich machen, wie gut ein Lieferant die Anforderung im Vergleich zu seinen Konkurrenten abdeckt. Es sollte also Aussagen zulassen wie:

  • Lieferant A ist im Vergleich zu Lieferant B „doppelt so gut“
  • Lieferant A „erfüllt zu 80 Prozent das, was wir wollen“ – etwa im Vergleich zu einem perfekten Lieferanten

Für das Beispiel des Kaffee-Automaten können Sie Ihre Anforderungen folgendermaßen in Bewertungskriterien überführen und messen:

  • gut schmeckender Kaffee: ausgewählte Nutzer vergeben bei einem Probelauf eine Schulnote
  • Möglichkeit zum Milchaufschäumen: vorhanden/ nicht vorhanden
  • einfache Handhabung: Anzahl der Bedieneinheiten, Verständlichkeit der Bedienfunktionen, ermittelt durch Anzahl der Fehlbedienungen bei einem Test
  • schnelle Kaffeezubereitung: Zeitdauer vom Herantreten an den Kaffee-Automaten bis zum Abgang mit fertigem Kaffee
  • Möglichkeit der Abrechnung über Personal-Karte: vorhanden/ nicht vorhanden
  • Langlebigkeit: Angabe des Herstellers über Gewährleistung
  • einfache Reinigung: Bewertung durch einen Experten anhand von Reinigungsfunktionen und Aufwand

Um für die Auswahlentscheidung am Ende einen Indikator nutzen zu können, müssen Sie diese unterschiedlichen Skalen für die Leistungsmessung noch auf einer einheitlichen Skala abbilden. Sie können dazu beispielsweise eine Punkteskala von 0 bis 10 nutzen: 0 Punkte = Leistung ist gar nicht vorhanden; 10 Punkte = Leistung ist optimal erfüllt.

Sortieren Sie die Bewertungskriterien

Wenn das Produkt, das Sie beschaffen wollen, sehr komplex ist, kann am Ende eine lange Liste mit Bewertungskriterien entstehen. Wie viele Bewertungskriterien Sie in Ihrem Auswahlprozess betrachten, hängt davon ab, was Sie beschaffen und welche Anforderungen Ihnen wichtig sind. Manchmal genügen wenige (5 bis 10), manchmal brauchen Sie viele (über 100).

Um den Überblick zu behalten, sollten Sie diese dann in Kategorien einteilen. Unterscheiden Sie zunächst drei Kategorien von Bewertungskriterien:

Must-have-Kriterien

Diese Anforderungen und Kriterien muss ein Lieferant in jedem Fall erfüllen. Wer das nicht tut, ist aus dem Rennen.

Leistungskriterien

Bei diesen Anforderungen und Kriterien kommt es darauf an, wie gut ein Lieferant die Anforderung und das Kriterium erfüllt. Dementsprechend erhält er eine Punktzahl, Note, Prozentwert.

Kosten

Kosten für Kauf, Miete, Betrieb etc.

Als Must-have-Kriterien sollten Sie wirklich nur die Anforderungen sehen, die unbedingt wichtig sind und Leistungen, die in jedem Fall vorhanden sein müssen. Es sollte nicht zu viele Must-have-Kriterien geben. Im Beispiel des Kaffee-Automaten sind Must-have-Kriterien:

  • Abrechnung über Personal-Karte und
  • einfache Reinigung.

Sie können ergänzend beliebig viele Leistungskriterien festlegen. Hier orientieren Sie sich daran, dass Sie damit alle wichtigen Anforderungen abdecken und dass die Messung der Kriterien mit vertretbarem Zeitaufwand möglich sein soll.

Damit Sie bei der Fülle von Leistungskriterien den Überblick behalten, können Sie diese in Gruppen einteilen und Bewertungskategorien oder Bereiche bilden. Für das Beispiel Kaffee-Automat sind die Leistungskriterien:

  • guter Geschmack,
  • Milch aufschäumen,
  • einfache Handhabung,
  • schnelle Kaffeezubereitung und
  • Langlebigkeit.

Preis und Kosten als Bewertungskriterium

Die Kosten sind ein spezielles Bewertungskriterium. Sie werden oft getrennt von den Leistungskriterien erfasst und betrachtet. Dabei können mehrere Aspekte betrachtet werden, sodass die Kosten in mehrere Bewertungskriterien aufgeteilt werden. Es lassen sich beispielsweise unterscheiden:

  • Anschaffungskosten (Einkaufspreis)
  • Betriebskosten: Material, Energie, Zeitaufwand für die Handhabung, Instandhaltung, Reparatur, Schulung
  • Entsorgungskosten

Um wirklich alle entscheidungsrelevanten Kosten zu erfassen, sollten Sie die gesamte Nutzungszeit des Produkts betrachten. Für das Beispiel Kaffee-Automat sollen als Kostenkriterien betrachtet werden: Einzelpreis pro Gerät, Betriebskosten für Energie sowie Wartungskosten pro Jahr.

Gewichten Sie die Bewertungskriterien

Wahrscheinlich sind nicht alle Anforderungen und Leistungskriterien für Ihre Entscheidung gleich wichtig. Es gibt sehr wichtige Kriterien, weniger wichtige und Nice-to-have-, aber unwichtige Kriterien. Damit dieser Unterschied der Wichtigkeit bei der Gesamtbewertung berücksichtigt wird, vergeben Sie den Bewertungskriterien unterschiedliche Gewichte. Was besonders wichtig ist, erhält ein hohes Gewicht, was wenig wichtig ist, ein geringes.

Wenn Sie sehr viele Bewertungskriterien betrachten und gewichten wollen, kann das sehr aufwendig und schwierig sein. Für diesen Fall ist es hilfreich, wenn Sie nicht jedes einzelne Bewertungskriterium gewichten, sondern die Kategorien oder Bereiche. Sie vergeben dann den Kriterien einer Kategorie insgesamt ein gemeinsames Gewicht im Vergleich zu den Bewertungskriterien der anderen Kategorien.

Was Sie als Gewicht vergeben, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass ein Bewertungskriterium, das doppelt so wichtig ist wie ein anderes Kriterium, auch ein doppelt so hohes Gewicht erhält. Sie können das Gewicht eines Bewertungskriteriums über einen Faktor festlegen oder indem Sie 100 Punkte (Prozent) auf alle Bewertungskriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit verteilen.

Praxis

Mit dem folgenden Excel-Tool können Sie Angebote Ihrer Lieferanten, Leistungen und Kosten miteinander vergleichen. Das Tool führt Sie Schritt für Schritt durch das Bewertungsverfahren, wie es oben bis zur Festlegung der Bewertungskriterien und deren Gewichtung beschrieben ist.

Im Tabellenblatt MENÜ sind diese Schritte im Einzelnen benannt. Von dort gelangen Sie direkt zum jeweiligen Tabellenblatt.

Lieferanten, Anforderungen, Bewertungskriterien benennen

Im Tabellenblatt STAMMDATEN benennen Sie die einzelnen Lieferanten, die Sie bewerten wollen. Außerdem definieren Sie hier Ihre Anforderungen und Bewertungskriterien. Sie ordnen diese nach

  • Must-have-Kriterien
  • Leistungskriterien
  • Kategorien zur Einteilung (bei vielen Leistungskriterien)
  • Kosten

Im Tabellenblatt GEWICHTUNG legen Sie fest, welches Kriterium für Sie und die Nutzerinnen und Nutzer des Kaffee-Automaten wie wichtig ist. Dazu vergeben Sie für die einzelnen Must-have-Kriterien und Leistungskriterien einen Zahlenwert (in den blau hinterlegten Zellen).

Beachten Sie dabei, dass ein Kriterium, dessen Gewicht doppelt so groß ist wie das Gewicht eines anderen Kriteriums, für Sie auch „doppelt so wichtig“ ist.

In der Tabelle für die Gewichte der Kategorien können Sie zusätzlich festlegen, wie wichtig für Sie im direkten Vergleich sind:

  • die Must-have-Kriterien
  • die einzelnen Kategorien für die Leistungskriterien
  • die Kostenkriterien

So können Sie beispielsweise angeben, wie wichtig Ihnen die Kosten im Vergleich zur Leistung sind. Ihre Gewichtung kann dann wie im folgenden Beispiel aussehen.

Gewichtung der Anforderungen und Bewertungskriterien

Gewichtung mit dem Paarweisen Vergleich

Eine Methode, um Gewichte zuverlässig und nachvollziehbar zu bestimmen, ist die Methode des Paarweisen Vergleichs. Dazu vergleichen Sie immer zwei Kriterien miteinander und prüfen:

Welches der beiden Kriterien ist im Zweifel wichtiger?

Mit der folgenden Vorlage wird dann automatisch für jedes Kriterium ein Gewicht berechnet.

Dazu im Management-Handbuch

Vorlagen nutzen

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