Power Pivot – Time IntelligenceSchneller Datenvergleich mit der Vorperiode oder Folgeperiode
Warum Zeitvergleiche unverzichtbar sind
Zeitvergleiche sind das Herzstück vieler Controlling- und Reporting-Analysen. Ob Umsatz, Kosten, Bestellungen oder Kundenentwicklung – meist geht es darum, aktuelle Werte mit denen der Vorperiode oder des Vorjahres zu vergleichen.
In Power Pivot stehen Ihnen dafür mehrere leistungsfähige DAX-Time-Intelligence-Funktionen zur Verfügung:
- PREVIOUSMONTH und NEXTMONTH für Monatsvergleiche
- PREVIOUSQUARTER und NEXTQUARTER für Quartalsvergleiche
- PREVIOUSYEAR und NEXTYEAR für Jahresvergleiche
Mit diesen Funktionen erstellen Sie in wenigen Schritten dynamische Zeitvergleiche, ohne umständliche manuelle Filter oder Hilfsspalten. Sie erkennen auf einen Blick, ob sich Ihre Kennzahlen verbessern, stagnieren oder rückläufig entwickeln – und das auf Monats-, Quartals- oder Jahresebene.
Sie beantworten schnell und einfach Fragen wie:
- Wie stark ist der Umsatz im Februar gegenüber Januar gestiegen oder gefallen?
- Welche Produkte oder Geschäftsbereiche haben sich im letzten Quartal positiv entwickelt?
- Wie steht das aktuelle Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr da?
Grundprinzip der Zeitverschiebung in DAX
Alle sechs Funktionen arbeiten nach demselben Prinzip:
- Sie greifen auf Ihre Kalendertabelle zu, die über eine Beziehung mit Ihrer Faktentabelle (zum Beispiel mit der Liste aller Bestellungen in der Tabelle tbl_Bestellungen) verknüpft ist.
- Diese Kalendertabelle bestimmt, welcher Zeitraum im aktuellen Filterkontext aktiv ist, und ermöglicht es DAX, den Zeitraum automatisch zu verschieben.
- PREVIOUSMONTH: verschiebt den Filterkontext um einen Monat zurück
- NEXTMONTH: verschiebt den Filterkontext um einen Monat nach vorne
- PREVIOUSQUARTER / NEXTQUARTER: verschieben den Kontext um ein Quartal
- PREVIOUSYEAR / NEXTYEAR: verschieben den Kontext um ein ganzes Jahr
Damit entfällt das manuelle Arbeiten mit Datenschnitten oder Filtern – DAX erledigt die Zeitverschiebung für Sie.
Syntax und Bedeutung
Die DAX-Funktion: PREVIOUSMONTH(Dates) gibt alle Datumswerte des vorherigen Monats relativ zum aktuellen Filterkontext zurück. Im Kontext Februar 2024 liefert die Funktion alle Datumswerte des Januars 2024.
Entsprechendes gilt für die DAX-Funktion: NEXTMONTH(Dates). Sie gibt alle Datumswerte des nächsten Monats zurück. Im Kontext Februar 2024 liefert sie alle Datumswerte des März 2024.
Das gleiche Prinzip gilt für die anderen Funktionen:
- PREVIOUSQUARTER(Dates) → vorangegangenes Quartal
- NEXTQUARTER(Dates) → folgendes Quartal
- PREVIOUSYEAR(Dates) → Vorjahr
- NEXTYEAR(Dates) → Folgejahr
Beispiel: Umsatz des Vormonats berechnen
Ein typisches Measure lautet:
Umsatz_Vergleich_VorMonat:= CALCULATE([Umsatz]; PREVIOUSMONTH(Kalendertabelle[Datum]))
Funktionsweise:
- CALCULATE berechnet den Umsatz [Umsatz] bei einem festgelegten Filterkontext.
- PREVIOUSMONTH verschiebt die Datumswerte um einen Monat zurück und ist damit der Filterkontext für die Berechnung.
- Anschließend summiert die Formel die Werte aus der DAX-Formel [Umsatz] und damit alle Transaktionen aus diesem Zeitraum.
Gerade bei Forecast-Analysen ist das hilfreich, um die Entwicklung fortzuschreiben und Trends zu erkennen.
Beispiel: Prozentuale Veränderung zum Vormonat
Haben Sie bereits die Measures [Umsatz] und [Umsatz Vormonat] erstellt, können Sie ganz einfach die prozentuale Veränderung berechnen:
Umsatz_Veraenderung-Prozent_PREVIOUSMONTH:= DIVIDE([Umsatz] - [Umsatz_Vergleich_VorMonat]; [Umsatz_Vergleich_VorMonat]; BLANK())
Erklärung:
- Die Differenz [Umsatz] - [Umsatz_Vergleich_VorMonat] liefert die absolute Abweichung.
- Durch die Division mit dem Vormonatswert entsteht der prozentuale Unterschied.
- Die Funktion DIVIDE verhindert Fehlermeldungen bei Division durch Null.
Tipp: Formatieren Sie das Measure als Prozentwert mit Nachkommastellen – das sorgt für Übersichtlichkeit und eine schnelle Interpretation in Diagrammen oder Tabellen.
Kombination mit Rolling-Analysen
Die Funktionen können auch in Rolling-Analysen eingesetzt werden. Beispielsweise lässt sich der Umsatz der letzten 12 Monate bezogen auf den Vormonat berechnen.
Die DAX-Formel dazu lautet:
Umsatz_Rollierend_VorMonat:= CALCULATE([Umsatz]; DATESINPERIOD(Kalendertabelle[Datum]; LASTDATE(PREVIOUSMONTH(Kalendertabelle[Datum])); -12; MONTH))
Damit analysieren Sie gleitende Entwicklungen im Vergleich zur Vergangenheit – eine wichtige Grundlage für Trend- oder Forecast-Berichte.
Was macht diese Formel – Schritt für Schritt?
Aktueller Kontext: Ihre Pivot-Zeile bestimmt zunächst den Filterkontext der Kalendertabelle: Im Kontext „März 2023“ sind alle Tage des Monats März 2023 sichtbar.
PREVIOUSMONTH(Kalendertabelle[Datum]): Diese Funktion liefert eine Tabelle mit allen Datumswerten des Vormonats relativ zum aktuellen Kontext. Im Beispiel „März 2023“ ist das die Liste vom 1. bis 28.02.2023.
LASTDATE(…): Sucht das letzte Datum der Tabelle; im Beispiel „März 2023“ liefert LASTDATE(PREVIOUSMONTH(Kalendertabelle[Datum])) den letzten Tag des Vormonats, also 28.02.2023.
DATESINPERIOD(...): Jetzt nutzen Sie das von LASTDATE gefundene Enddatum als StartDate für DATESINPERIOD. Mit -12, MONTH erzeugt DATESINPERIOD eine Datumsmenge der letzten 12 Monate, einschließlich dieses Enddatums. Für den 28.02.2023 entspricht das dem Zeitraum 01.03.2022 bis 28.02.2023 (bei lückenloser Datumstabelle).
CALCULATE([Umsatz]; …): CALCULATE setzt diese Datumsmenge als neuen Filterkontext und berechnet darauf Ihr Measure [Umsatz].
Ergebnis: rollierender 12-Monats-Umsatz, aber bezogen auf den Vormonat, nicht auf den aktuellen Monat.
Häufige Stolperfallen
- Lücken im Kalender: Ihre Kalendertabelle muss vollständig und lückenlos sein – sonst berechnet DAX falsche Ergebnisse.
- Mehrjährige Analysen: Bei Analysen über mehrere Jahre sollten Sie die Jahresspalte in der Pivot-Tabelle immer einbeziehen, damit DAX weiß, ob der „Vormonat“ im gleichen oder im vorherigen Jahr liegt.
- Monatslogik beachten: Die Funktionen PREVIOUSMONTH und NEXTMONTH beziehen sich ausschließlich auf Monate.
- Für Quartale und Jahre nutzen Sie die analogen Funktionen.
Praktischer Nutzen im Controlling
Angenommen, Sie analysieren den monatlichen Energieverkauf in verschiedenen Regionen:
Mit [Umsatz], [Umsatz_Vergleich_VorMonat] und [Umsatz_Veraenderung-Prozent_PREVIOUSMONTH] können Sie sofort erkennen,
- wo Absatzrückgänge bestehen,
- welche Märkte wachsen und
- ob saisonale Schwankungen Ihre Ergebnisse beeinflussen.
Diese Informationen sind entscheidend für Preisstrategien, Marketingaktionen oder Investitionsentscheidungen.
Fazit
Mit PREVIOUSMONTH, NEXTMONTH, PREVIOUSQUARTER, NEXTQUARTER, PREVIOUSYEAR und NEXTYEAR bietet DAX Ihnen ein leistungsfähiges Set an Funktionen, um Zeiträume dynamisch zu vergleichen.
Sie verschieben den Filterkontext automatisch, erhalten präzise Monats-, Quartals- und Jahresvergleiche, und können Wachstumsraten oder Veränderungen direkt berechnen.
Diese Funktionen sind ein zentraler Bestandteil professioneller Power-Pivot-Modelle. Sie ermöglichen Ihnen, Trends, Saisonalitäten und Entwicklungen klar zu erkennen – ganz ohne komplexe Formeln oder manuelle Eingriffe.
Demo-Daten für Power Pivot und DAX-Measures
In der folgenden Excel-Vorlage sind alle vorgestellten DAX-Measures eingerichtet. Sie finden dazu in der Vorlage:
- die Übersicht (Menü) mit Links zu den jeweiligen Musteranalysen und DAX-Measures sowie
- einer Verlinkung auf die Anleitungen zu den jeweiligen DAX-Measures,
- Musterdaten für Kunden, Produkte und Bestellungen,
- eine Kalendertabelle für die Zeitanalyse und die Time-Intelligence-Funktionen,
- alle definierten DAX-Measures in einer gesonderten Tabelle des Datenmodells: t_Measures
- eine Auswahl von Pivot-Tabellen als Grundlage für das Beispiel-Dashboard und
- ein Dashboard, in dem beispielhaft ausgewählte Pivot-Tabellen und die hinterlegten DAX-Measures als Chart oder KPI-Karte aufbereitet sind.

Nutzen Sie diese Vorlage, um sich mit den DAX-Measures und den Excel-Funktionen vertraut zu machen. Sie können diese Funktionsvorlagen nutzen und für Ihre Daten leicht anpassen.
Mit den Anleitungen und Beschreibungen auf business-wissen.de erarbeiten Sie Schritt für Schritt Ihr eigenes Datenmodell und die für Sie passenden DAX-Measures.
So machen Sie sich schnell mit den umfassenden Möglichkeiten von Power Pivot vertraut.





