MotivationWas Motivation ist und wie Motivation erklärt wird

Motivation bedeutet, dass menschliches Verhalten zielgerichtet oder zielstrebig ist. Ob und wie Menschen motiviert sind oder motiviert werden können – für diese Erklärung gibt es unterschiedliche Konzepte und zahlreiche Antworten. Im Alltag und im Beruf kann jeder erleben, was Motivation bedeutet und wie wichtig sie ist. Hier werden einige Aspekte dazu vorgestellt.

Wirkung von Motivierungstechniken wird überschätzt

Die Motivierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat im Rahmen der Führung und Organisationsentwicklung eine fast mythische Bedeutung. Psychologen können zwar beschreiben, was damit gemeint ist; aber ob es in der Unternehmenspraxis ein Faktor ist, der sich gestalten lässt, ist umstritten. Im Allgemeinen werden die Möglichkeiten überschätzt, wie sich Verhaltensänderungen durch Motivierungstechniken erzielen lassen. Gleichwohl gilt: Vieles im Unternehmen hängt davon ab, ob die Beschäftigten motiviert sind oder nicht.

Was ist Motivation?

Ganz allgemein sprechen wir von Motivation, wenn wir bei Menschen eine Verhaltensänderung feststellen. Wir sagen dann, dass ein innerer Antrieb, die Motivation, ihn zu diesem oder jenem Verhalten bewegt. Meist sprechen wir dann von Motivation, wenn menschliches Verhalten zielgerichtet oder zielstrebig ist: etwa in dem Sinn, dass der Mensch ein bestimmtes Ziel erreichen will oder eine Aufgabe erfüllen muss.

Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel nicht die Leistung erbringt, die seine Vorgesetzte von ihm erwartet, gibt es drei Möglichkeiten oder Aspekte, woraus dies resultieren kann: Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft oder Leistungsumfeld stimmen nicht. Um die Mitarbeitermotivation zu beschreiben, spielen alle drei Aspekte gemeinsam eine große Rolle. Sie hängen oft voneinander ab:

Leistungsfähigkeit

Die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters, die Summe seiner Fähigkeiten reicht nicht aus, um das gewünschte Ergebnis zu liefern.

Leistungsbereitschaft

Die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters reicht nicht aus; es fehlt an der notwendigen Motivation.

Leistungsumfeld

Das Leistungsumfeld stimmt nicht: Mit dem Leistungsumfeld ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Ausstattung mit Werkzeug und Maschinen, die Arbeitsgestaltung, das Dienstfahrzeug und der Computer gemeint.

Motivation

Unter Motivation verstehen Psychologen: Die Energie und Erregung eines Menschen, die Ausrichtung dieser Energie auf ein bestimmtes Ziel, die selektive Aufmerksamkeit für bestimmte Reize, die Organisation der Aktivitäten gemäß einem vorhandenen Reaktionsmuster und die Aufrechterhaltung der Aktivität, bis sich die Ausgangsbedingungen ändern.

Was menschliches Verhalten beeinflusst

Es gibt mehrere Faktoren, die menschliches Verhalten beeinflussen. Neben der Motivation sind das:

  • Emotionen,
  • die jeweilige Situation,
  • die unterschiedliche Wahrnehmung,
  • Denkprozesse und
  • die Person in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand.

Wie sich intrinsische und extrinsische Motivation unterscheiden

Bei der intrinsischen Motivation ist eine Handlung Selbstzweck, die Befriedigung liegt in der ausgeführten Handlung selbst. Bei der extrinsischen Motivation ist die Handlung Mittel zum Zweck. Im Rahmen von Mitarbeiterführung und Leadership halten wir folgende Aspekte für wichtig:

  1. Alle Menschen haben eine Motivation, ein Motiv oder ein Bedürfnis, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen.
  2. Wenn Sie andere motivieren wollen, kommt es darauf an, zu erkennen, mit welchen externen Reizen Sie die Motivation ansprechen können. Eine Gewähr, dass damit ein bestimmtes Verhalten oder eine gewollte Handlung ausgelöst wird, gibt es nicht.
  3. Bei jedem Menschen wirken andere Reize.
  4. Sie können auch für sich selbst bestimmte Reize auslösen, um sich selbst zu motivieren.

Bekannte Motivationstheorien

Schon in den 1950er Jahren haben Abraham H. Maslow und Frederick Herzberg jeweils zwei Motivationstheorien vorgestellt, die bis heute in der Unternehmenspraxis eine gewisse Bedeutung haben.

Maslowsche Bedürfnispyramide

Maslow unterscheidet fünf Gruppen von Bedürfnissen, die stufenweise in einer Pyramide von unten nach oben angeordnet werden (siehe Abbildung 1). Seine Theorie: Der Mensch strebt danach, möglichst alle Bedürfnisse zu erfüllen, wobei immer zuerst die Bedürfnisse der ersten Stufen erfüllt sein müssen.

  • Physiologische Grundbedürfnisse
  • Sicherheitsbedürfnisse
  • Soziale Bedürfnisse
  • Individualbedürfnisse
  • Selbstverwirklichung
Abbildung 1: Maslowsche Bedürfnispyramide

Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg

Herzberg untersuchte in einer Studie, wann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Unternehmen zufrieden sind. Dabei wirken nach seiner Zwei-Faktoren-Theorie, die auch Motivation-Hygiene-Theorie genannt wird, zwei unterschiedliche Faktorenarten:

  • Hygienefaktoren: Zu den Hygienefaktoren gehören äußere Reize, zum Beispiel Entlohnung, Arbeitsbedingungen oder der Führungsstil. Sind diese Faktoren positiv ausgeprägt, verhindern sie zwar Unzufriedenheit, erzeugen jedoch keine Zufriedenheit. Das erklärt auch, warum diese Faktoren meist für selbstverständlich gesehen werden – deren Fehlen oder unzureichende Ausprägung aber als Mangel und damit als Quelle für Unzufriedenheit betrachtet werden.
  • Motivationsfaktoren oder Motivatoren: Zu den Motivatoren gehören zum Beispiel Verantwortungsübernahme, Anerkennung oder Leistungsstolz. Sind diese Faktoren positiv ausgeprägt, fördern sie echte Zufriedenheit und Arbeitsmotivation. Das heißt, die Motivation kommt hauptsächlich aus dem Arbeitsinhalt heraus. Sind diese Faktoren nicht ausreichend ausgeprägt, erzeugt dies allerdings nicht zwingend Unzufriedenheit.

Geld als Motivationsfaktor

Im Allgemeinen sagen Experten, dass der Einfluss des Geldes auf die Motivation eher überschätzt wird. Denn mehr Geld wird schnell als Selbstverständlichkeit angenommen. Andererseits kann wie in der Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg eine unfaire Bezahlung schnell demotivierend wirken. Was durchaus motivierend wirken kann, sind gezielte Belohnungen: Kleine Geschenke, wenn man etwas besonders gut gemacht hat oder ein Fortbildungskurs.

Limbic-Map nach Hans-Georg Häusel

Seit einigen Jahren geht auch die Gehirnforschung dem Phänomen der Motivation und der inneren Antriebskräfte nach. Aus den Erkenntnissen der vielen Analysen und Studien hat Hans-Georg Häusel ein anregendes und schlüssiges Modell entwickelt, das auch im Rahmen der Mitarbeitermotivation genützt werden könnte: die sogenannte Limbic-Map.

Limbic-Map geht von der Annahme aus, dass Menschen Entscheidungen vor allem aus emotionalen und meist unbewussten Gründen treffen. Deshalb sind die Vorgänge im sogenannten limbischen System des Gehirns von entscheidender Bedeutung. Neben den grundlegenden Vitalbedürfnissen wie Nahrung, Schlaf und Atmung gibt es drei Motiv- und Emotionssysteme, die das gesamte Leben der Menschen bestimmen:

  • Balance
  • Dominanz
  • Stimulanz

Daneben gibt es weitere „Submodule“, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben und in der Limbic Map als zentrale Emotionssysteme in einen Zusammenhang gebracht werden (siehe Abbildung 2):

  • Bindung
  • Fürsorge
  • Spiel
  • Jagd/ Beute
  • Raufen
  • Appetit/ Ekel
  • Sexualität
© Hans-Georg Häusel
Abbildung 2: Struktur der Motiv- und Emotionssysteme in der Limbic Map
Quelle: Hans-Georg Häusel: Die wissenschaftliche Fundierung des Limbic® Ansatzes, 2011¸S. 48

Wie Sie Motivationsstrukturen erkennen

Auf den folgenden Seiten stellen wir ein paar einfache Methoden und Werkzeuge vor, die dabei helfen, die Motivationsstrukturen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder von sich selbst zu erkennen und die jeweiligen Motive positiv anzusprechen. Immer wichtig dabei ist, miteinander zu sprechen, zu fragen, erzählen zu lassen, um die Motivationsstrukturen zu erkennen.

Motivation setzt in ganz besonderem Maße an der eigenen Persönlichkeit an. Diese lässt sich kaum in wenigen Stunden nebenbei analysieren, gestalten oder ändern. Hilfreich sind Seminare, um sich selbst etwas besser kennenzulernen und Techniken zur Motivation zu erlernen.

Praxis

Gedankenexperiment: Was ist Motivation?

Es gibt unterschiedliche Varianten von Motivation. Allen Varianten liegen jedoch folgende Grundannahmen von Motivation zugrunde:

  • Der Mensch selbst entscheidet im Normalfall, ob überhaupt, wann und in welcher Form und Intensität er etwas tut. Andernfalls wäre der Mensch ausschließlich von außen gesteuert.
  • Menschen sind motiviert und motivieren sich selbst, wenn sie sich entscheiden, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.

Machen Sie nun ein Gedankenexperiment:

  • Lesen Sie die Szenarien 1-5 der folgenden Vorlage durch.
  • Schreiben Sie in Stichworten auf, welches Szenario Ihnen aus Ihrer eigenen Erfahrung bekannt vorkommt: Was hat Sie selbst motiviert? Konnten Sie so andere motivieren?
  • Wie bezeichnen Sie die jeweilige Art der Motivation?

Überlegen Sie im zweiten Schritt:

  • Können Anreize die intrinsische Motivation zerstören? Zum Beispiel: Joggen wir irgendwann, um Punkte zu sammeln und hören damit auf, sobald es keine mehr gibt?
  • Wann sprechen wir überhaupt von Motivation – wenn Menschen doch von sich aus motiviert sind und sich selbst motivieren?
  • Welche Form, andere Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen, ist die effektivste?

Nutzen Sie die folgende Vorlage für Ihr Gedankenexperiment.

Die eigenen Lebensmotive erkennen

Die Indizien für Ihren inneren Antrieb finden Sie in Ihren spezifischen Verhaltensweisen beziehungsweise in den Verhaltensweisen und Situationen, die Sie ablehnen. Betrachten Sie dazu Ihr bisheriges Leben:

  • Nach welchem Muster haben Sie in unterschiedlichen Situationen und bei Entscheidungen gehandelt?

In diesem Muster spiegelt sich Ihre innere Motivation wider. Schreiben Sie auf, was Sie aus Ihren Antworten auf die Fragen in der folgenden Vorlage schließen. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

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